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Buchrezension: Fatales Erbe: So liest sich Donna Leons neuer Krimi "Feuerprobe"

Buchrezension

Fatales Erbe: So liest sich Donna Leons neuer Krimi "Feuerprobe"

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    Donna Leon zählt zu den erfolgreichsten Krimi-Autorinnen weltweit.
    Donna Leon zählt zu den erfolgreichsten Krimi-Autorinnen weltweit. Foto: Sebastian Gollnow, dpa

    Donna Leon hat es selten eilig, zum Kern der Kriminalgeschichte zu kommen. Ihre Romane um Commissario Brunetti sind auch stets weniger Krimis als Geschichten, die in Venedig spielen. Gesellschaftskritik wird der erfolgreichen Autorin dabei immer wichtiger. Das gilt auch für den 33. Fall, den der zunehmend frustrierte Commissario zu bearbeiten hat.

    Im Krimi „Feuerprobe“ terrorisieren „Babygangs“ Venedig

    Alles beginnt mit den „Babygangs“, die sich in Venedig gegenseitig terrorisieren und mit ihren Umtrieben auch die Venezianerinnen und Venezianer verunsichern. Brunettis Kollegin, die schöne Neapolitanerin Claudia Griffoni, wird bei einem Einsatz unfreiwillig in so eine Auseinandersetzung hineingezogen, nachdem die Polizei eine der Gangs aufgegriffen hat. Griffoni übernimmt dabei die Verantwortung für den jungen Orlando, der als einziger nicht von seinem Vater abgeholt wird. Von diesem Vater, Dario Monforte, der vor langer Zeit als „Held von Nasiriya“ gefeiert wurde, und seinem fatalen Erbe werden die Lesenden noch öfter hören.

    Es beginnt also alles eher harmlos, die Handlung nimmt nur ganz langsam Fahrt auf. Aber ab dem zweiten Drittel kommt die gewiefte Autorin so richtig zur Sache und am Ende gelingt ihr ein filmreifer Showdown, der den Titel „Feuerprobe“ mehr als rechtfertigt. Dabei kommt Monforte, dessen unschöne Rolle im Irak-Krieg Brunetti und Griffoni inzwischen recherchiert haben, eine wichtige Rolle zu.

    Donna Leon bezaubert mit poetischen Venedig-Bildern

    Wie immer bei Donna Leon bezaubern poetische Venedig-Bilder: „Brunetti hatte sich immer nur vorgestellt, wie die Bewohner (des Palastes) die Aussicht genossen haben mussten. Als er auf die Altana hinaustrat, war er sogleich von dem Ausblick verzaubert. Einen Augenblick lang war er versucht, die Hand nach den Kuppeln der Salute auszustrecken und die Kirche in der Hosentasche verschwinden zu lassen. Er spielte mit dem Gedanken, auch noch den Glockenturm einzustecken, fürchtete aber, der sei zu lang und würde herausragen; also dreht er sich um und entschied sich stattdessen für den Turm von San Francesco della Vigna.“

    Umso größter ist der Kontrast zu Schilderungen des Niedergangs der Stadt: „Aus einem Fenster der verlassenen Farbenfabrik hin eine alte bunte PEACE-Flagge – verschlissen, zerfetzt, ausgebleicht -, Brunetti versuchte sich zu erinnern, vor wie vielen Jahren es zu diesem jähen Ausbruch von Hoffnung gekommen war. Auf dem Boden darunter hatte sich jede Menge Unrat gesammelt, im Lauf der Jahre von Flug und acqua alta an die Grundmauern des Gebäudes gespült: Pappkartons und Zeitungen, zerbrochene Flaschen, eine aufgeschlitzte Matratze, deren Füllung sich über faulende Müllsäcke ergossen hatte.“

    Eine Fabrik wird zur Kulisse für den Venedig-Krimi

    Diese Fabrik ist Kulisse des grandios inszenierten Showdowns, der all das an Spannung aufbietet, was am Anfang gefehlt hat. Und wie so oft bei Donna Leon ist das Ende unbefriedigend, aber realistisch. Es gibt keine Gerechtigkeit, auch der Staat ist vor allem auf eine positive Selbstdarstellung bedacht. Da kann es schon helfen, einen Mann zum Helden zu machen, der eine mehr als dunkle Vergangenheit hat.

    Was sonst noch drinsteckt in diesem 33. Brunetti-Fall: gefährliche Nachbarschaftsstreitigkeiten, ein düsteres Erbe aus dem Irakkrieg, kriminelle Kunsttransaktionen, aber auch das immer nette Geplänkel mit Signorina Elletra, pubertierende Brunetti-Kinder und ein erstaunlich zugänglicher Vice-Questore Patta. Es macht doch immer wieder Freude, diese liebevoll gezeichneten Figuren zu treffen, die Donna-Leon-Lesenden ans Herz gewachsen sind.

    Info: Donna Leon: „Feuerprobe“. Diogenes, 328 Seiten, 26 Euro.

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