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Bücher Bestsellerliste: Denis Scheck bespricht zehn aktuelle Romane

Literatur

Von Schund bis zum Trost in Worten: Denis Scheck checkt die zehn aktuellen Bestseller

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    Denis Scheck checkt wieder die Bestseller.
    Denis Scheck checkt wieder die Bestseller. Foto: Adobe Stock
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    M.L. Stedman: Ein weites Leben

    M.L. Stedman: Ein weites Leben
    M.L. Stedman: Ein weites Leben Foto: Buchcover Verlag

    Vielleicht definiert uns das, was wir vergessen, mehr als das, woran wir uns erinnern. Das ist der rote Faden dieses Familienepos über Schafsrancher in Westaustralien, an dessen Anfang ein grauenhafter Autounfall steht und der sich liest wie John Irving mit Dingos und Kängurus – und das meine ich durchaus als Kompliment. Was einer schwächeren Autorin zu einer kitschigen Familiensaga geriete, wird durch Stedmans feines Stilempfinden zu einem bewegenden Roman über Verlust und das, was uns prägt und hält. (Deutsch von Cornelius Hartz, Blanvalet, 528 Seiten, 26 Euro)

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    Katarina Poladjan: Goldstrand

    Katarina Poladjan: Goldstrand
    Katarina Poladjan: Goldstrand Foto: Buchcover Verlag

    Katarina Poladjan lässt ihren Roman mit einem Paukenschlag beginnen: Eine junge Frau springt von Bord eines Passagierdampfers! Von diesem unerhörten Ereignis aus entfaltet sie die Lebensgeschichte eines gefeierten italienischen Filmregisseurs, der sich in Rom einer Psychotherapie unterzieht. Wie schön, dass dieser gedankenreiche Roman durch die Auszeichnung mit dem Preis der Leipziger Buchmesse es verdientermaßen auf die Bestsellerliste geschafft hat – durchaus keine Selbstverständlichkeit, sondern eine schöne Besonderheit unseres literarischen Lebens. (S. Fischer, 160 Seiten, 22 Euro)

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    Marc Elsberg: Eden

    Marc Elsberg: Eden
    Marc Elsberg: Eden Foto: Buchcover Verlag

    Lustvoll die Welt untergehen lassen: das ist das Vorrecht des Öko-Thrillers. „Die braune Front“, die sich durch Ostdeutschland frisst, ist in diesem Roman denn auch nicht die AfD, sondern ein kolossaler Staubsturm. Marc Elsberg hat einen packenden Roman über Kipppunkte, Klimawandel und Kapitalismus geschrieben. (Blanvalet, 768 Seiten, 28 Euro)

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    Lauren Palphreyman: The Wolf King

    Lauren Palphreyman: The Wolf King
    Lauren Palphreyman: The Wolf King Foto: Buchcover Verlag

    Alles, was man an Romantasy hassen kann, in diesem Werwolf-Wälzer findet sich’s zuhauf: eine Sprache, deren Primitivität schier unüberbietbar wirkt, sexualisierte Rollenklischees, die ein Schlag ins Gesicht jedes emanzipatorischen Denkens sind, garniert mit jeder Menge voyeuristischer Gewaltpornographie in den Sexszenen: “So ist es brav”, knurrt der Wolf. “Nimm es hin, du dreckige kleine Schlampe.” “Ja”, keucht sie. “Ja.” Ein Roman, der Schaudern auslöst – und ein schauderhafter Roman. (Deutsch von Kerstin Fricke, Cove, 480 Seiten, 25 Euro)

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    Maxim Leo: Einatmen. Ausatmen

    Maxim Leo: Einatmen. Ausatmen
    Maxim Leo: Einatmen. Ausatmen Foto: Buchcover Verlag

    Deutsche Leistungsethikerin trifft auf Emo-Guru: Eine unsensible Top-Managerin, die anderen das Gefühl gibt, „nicht gesehen zu werden“, soll durch einen Crashkurs bei einem Selbsthilfe-Coach in ein Sonnenschein-Monster verwandelt werden. So die Ausgangslage dieses Unterhaltungsromans, der zwar überraschungslos, aber gediegen abgespult wird. Annehmbar, bisweilen sogar amüsant. (Kiepenheuer & Witsch, 356 Seiten, 23 Euro)

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    Christian Huber: Solange ein Streichholz brennt

    Christian Huber: Solange ein Streichholz brennt
    Christian Huber: Solange ein Streichholz brennt Foto: Buchcover Verlag

    Ein Roman über einen Obdachlosen, der seit fünf Jahren auf der Straße lebt, und eine junge Reporterin bei RTL, also über Deutschland ganz unten. Für beide gilt, Zitat: „Niemand vertraute niemandem. Man durfte keine Gefühle zeigen, nie die Deckung runternehmen, sonst wurde man zerrissen.“ Das hätte schlimmer kommen können, denkt man sich nach 350 Seiten dieser in einfacher Sprache erzählten ungewöhnlichen Liebesgeschichte. Keine Weltliteratur, aber passable Unterhaltungsware. (Dtv, 352 Seiten, 23 Euro)

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    Elizabeth Strout: Erzähl mir alles

    Elizabeth Strout: Erzähl mir alles
    Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Foto: Buchcover Verlag

    Wie viele Menschen in langen Ehen leben mit einem Geist – einer Geliebten oder einem Geliebten von früher, nach dem sie sich bis heute verzehren? Diese Geschichte steht am Anfang von Strouts meisterhaftem neuen Roman, der von Irrungen und Wirrungen im Liebesleben angenehm erwachsener Menschen erzählt und eine große Lust ist zu lesen. Der Bundesstaat Maine ist heute die Heimat mindestens zweier großer Erzähler: Stephen King und Elizabeth Strout! (Deutsch von Sabine Roth, Luchterhand, 400 Seiten, 25 Euro)

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    Lizsa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

    Lizsa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
    Lizsa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen Foto: Buchcover Verlag

    Ein 89-jähriger Mann ringt mit seinem Sohn, unterstützt von seinem Pflegeteam, um seine verbleibende Autonomie, etwa indem er darauf beharrt, seinen Hund nicht wegzugeben. Ein Roman übers Altern, übers Sterben, nicht zuletzt über den sagenhaften Wohlfahrtsstaat Schweden – wenn auch nicht gerade auf dem Niveau von Samuel Becketts „Malone stirbt“. Ist das Kitsch? Unbedingt. Aber schöner Kitsch. (Deutsch von Ulla Ackermann, Btb, 384 Seiten, 24 Euro)

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    Hannah Häffner: Die Riesinnen

    Hannah Häffner: Die Riesinnen
    Hannah Häffner: Die Riesinnen Foto: Buchcover Verlag

    Das Schicksal dreier Frauen aus drei Generationen in einem Schwarzwalddorf, der Kampf von Großmutter, Mutter und Enkelin um ein selbstbestimmtes Leben, ihre Entfaltungsmöglichkeiten von der Metzgerswitwe zur Forstwirtin: Das erzählt Hannah Häffner in ihrem ebenso süffigen wie beeindruckenden Roman. Neue deutsche Heimatliteratur auf den Spuren Dörte Hansens. (Penguin, 416 Seiten, 24 Euro)

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    Siri Hustvedt: Ghost Stories

    Siri Hustvedt: Ghost Stories
    Siri Hustvedt: Ghost Stories Foto: Buchcover Verlag

    43 Jahre war Siri Hustvedt mit dem Schriftsteller Paul Auster verheiratet, der 2024 an Lungenkrebs starb. „Ghost Stories“ ist ein Buch der Trauer, das gleichzeitig reflektiert, was Trauer eigentlich ist und neurowissenschaftlich betrachtet mit einem macht. Eine berührende und, insofern Literatur überhaupt ein Trost sein kann, eine tröstende Lektüre. (Deutsch von Uli Aumüller und Grete Osterwold, Rowohlt, 400 Seiten, 25 Euro)

    Literaturkritiker Denis Scheck bespricht einmal monatlich die „Spiegel“-Bestsellerliste, abwechselnd Belletristik und Sachbuch – parallel zu seiner ARD-Sendung „Druckfrisch“ (nächste Sendung am Sonntag, 26. April, um 23 Uhr 35. Die Gäste sind Siri Hustvedt und Judith Schalansky).

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