Mit seinem neuen Film „Disclosure Day“ kehrt Steven Spielberg in sein eigentliches Habitat zurück: den Science-Fiction-Film. Die Zukunft als filmischer Entdeckungsraum spielte im Werk des mittlerweile 79-jährigen Regisseurs und Produzenten stets eine zentrale Rolle. Bereits 2001 blickte er mit „A.I. – Künstliche Intelligenz“ auf die Auswirkungen einer Technologie, die heute unser Leben tatsächlich grundlegend verändert. Mit „Minority Report“ reiste er nur ein Jahr später in einen futuristischen Überwachungsstaat, der sich einer präventiven Kriminalitätsbekämpfung verschrieben hat.
Steven Spielberg hat schon oft die Begegnung mit Außerirdischen ins Zentrum seiner Filme gestellt
Vor allem aber beschäftigte sich Spielberg immer wieder mit der Begegnung zwischen Menschen und außerirdischen Lebensformen. Schon mit seinem dritten Kinofilm „Die unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977) ließ er UFOs auf der Erde landen. Mit „E.T. – der Außerirdische“ eroberte ein kleiner Alien die Herzen des Publikums. In „Krieg der Welten“ (2005) inszenierte er nach dem Roman von H.G. Wells eine weniger friedfertige Begegnung mit außerirdischen Invasoren.
Nun beleuchtet Spielberg das Thema aus einer neuen Perspektive. Ausgangspunkt ist ein 2017 in der New York Times erschienener Artikel über ein geheimes Pentagon-Programm zur Untersuchung möglicher UFO-Phänomene. Daraus entwickeln Spielberg und sein Drehbuchautor David Koepp („Jurassic Park“) die Prämisse ihres Films: Die Beweise für außerirdische Lebensformen werden von der Organisation WARDEX systematisch geheim gehalten, eine Gruppe von Aktivisten versucht sie zu veröffentlichen. Der Plot erinnert an die Verschwörungsthriller der 1970er Jahre und stellt die Grundfrage, ob die Menschheit bereit ist für die Erkenntnis, dass es Außerirdische gibt, die ihr möglicherweise weit überlegen sind.
Der Computerspezialist Daniel (Josh O‘Connor), der die Beweise aus dem Hauptquartier von WARDEX gestohlen hat, ist überzeugt, dass die Erdbevölkerung ein Recht auf die Wahrheit hat. Die Videodokumente aus neun Jahrzehnten zeigen Wrackteile abgestürzter UFOs sowie außerirdische Wesen, die gefangen genommen, verhört und gefoltert wurden. Doch Daniel ist nicht nur Whistleblower – er besitzt auch übermenschliche mathematische Fähigkeiten, deren Herkunft er sich nicht erklären kann. Ähnliches widerfährt der TV-Meteorologin Margaret (Emily Blunt), die mitten im Wetterbericht plötzlich eine außerirdische Sprache spricht und die Gedanken ihrer Mitmenschen lesen kann. Über unsichtbare Kanäle scheinen die beiden verbunden; der Leiter der Aktivistengruppe, Hugo (Colman Domingo), weiß, dass sie gemeinsam verdrängte Erinnerungen aufarbeiten müssen, um ihre Fähigkeiten zu entfalten. Genau das versucht WARDEX-Chef Noah Scanlon (Colin Firth) mit allen Mitteln zu verhindern.
Spielberg entfaltet Science-Fiction-Drama rund um Aliens
Spielberg inszeniert einen packenden Thriller, der nicht unentwegt auf die Tube drückt, sondern seine Story langsam auffächert und gezielte Action-Akzente setzt. Innerhalb des Science-Fiction-Plots verhandelt „Disclosure Day“ ein Bündel politischer, gesellschaftlicher, psychologischer und religiöser Fragen. Die Menschheit sieht sich mit einem heraufziehenden dritten Weltkrieg konfrontiert – doch als die Bilder der Aliens auf allen Displays des Globus erscheinen, überbrückt die Faszination für die Außerirdischen jegliche Feindseligkeit, zumindest für einen kurzen pazifistischen Moment.
Bemerkenswert: Die Heldinnen und Helden setzen sich gänzlich unbewaffnet gegen ihre paramilitärisch ausgerüsteten Gegner zur Wehr. Die schärfste Waffe, die Margaret immer wieder einsetzt, ist ihre Empathiefähigkeit – mit ihr macht sie Gegner durch zwischenmenschliches Verständnis kampfunfähig. Blunt ist herausragend in dieser Rolle; ihre ausdrucksstarken blauen Augen werden zum Instrument des Mitgefühls. Wenn schließlich im Finale ein leibhaftiges Alien ins TV-Studio geschoben wird, könnte dessen Botschaft an die Menschheit einfacher nicht sein. Lange Reihen von Knatterlauten sind aus dem Mund des Wesens zu hören. Die Übersetzung ist deutlich kürzer und lautet: „Hört zu!“ – eine Empfehlung, die in der Tat einiges verändern könnte.
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