„Die Nibelungen“ (ab 6.11., RTL+) – Ein Held, der in Drachenblut gebadet hat, eine Tarnkappe, die unsichtbar macht und zwei Königinnen, deren Streit ein ganzes Imperium in den Untergang reißt: Das gut 800 Jahre alte Nibelungenlied gibt viel her. Der Stoff schlägt nun als Serie mit vielen inhaltlichen Freiheiten auf, die neben Blut und Burgen auch auf Politik und Psychologie setzt. Die Story spielt im fünften Jahrhundert in Worms – das Königreich Burgund wird von Feinden bedroht und Held Siegfried (Jannis Niewöhner), der hier ein höchst dubioser Charakter ist, soll die Sache mit seinem magischen Schwert Balmung richten.
Ein Virus macht in der Serie „Pluribus“ die Menschen wunschlos glücklich
„Pluribus – Glück ist ansteckend“ (ab 7.11., AppleTV) - Als in der Serie „Pluribus“ eine Art Virus bewirkt, dass auf der ganzen Welt fast alle Menschen wunschlos glücklich sind, ist das der reinste Albtraum. Vor allem für Carol (Rhea Seehorn), die immun ist gegen jene Seuche, die zufrieden und optimistisch macht. Liegt es daran, dass die erfolgreiche Autorin von historischen Schundromanen ein notorischer Griesgram ist? Als Carol den ersten Schock überwunden hat, sagt sie der Glücks-Pandemie den Kampf an. Schon die ungewöhnliche Story des Science-Fiction-Dramas macht neugierig, vor allem aber: Es ist die erste Serie von Vince Gilligan nach seinen Meisterwerken „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“, und diesmal betritt er ein völlig neues Genre ohne Drogenkriminalität und Crystal Meth.
„Frier & 50“ (ab 10.11., Joyn) – Schauspieler spielen sich selbst? Das gab’s schon öfter. Jetzt verkörpert auch Annette Frier sich selber. In „Frier & 50“ steckt ihr Serien-Ich in einer Krise: Die Wechseljahre machen Annette zu schaffen, und gute Rollenangebote bleiben aus, weil sie älter wird. Die Kölnerin fühlt sich privat wie beruflich nicht mehr begehrt, der Rat ihrer Agentin, sich mit Botox jünger zu mogeln, ist ein Schlag unter die Gürtellinie – kurzerhand denkt sie sich eine Serie über eine Schauspielerin in den Wechseljahren aus. Das Schöne an dem Achtteiler ist, neben seiner sympathischen Hauptdarstellerin, die geglückte Mischung: Ernste Themen wie Frauensolidarität, Alters-Shaming und Selbstzweifel treffen auf augenzwinkernde Branchensatire.
Eine der besten Serien der Saison: „The Chair Company“ mit US-Star Tim Robinson
„The Chair Company“ (ab 21.11., Sky) – Es ist eine der besten Comedyserien, ach was: überhaupt eine der besten Serien der laufenden Saison. Der hierzulande noch nicht so bekannte US-Star Tim Robinson („Saturday Night Live“) spielt William Ronald Trosper, einen linkischen Familienvater, der an seinem Arbeitsplatz einen Führungsposten übernimmt. Doch gleich am ersten Tag ereignet sich ein peinlicher Zwischenfall. Leider macht Trosper mit jedem Versuch, die Scharte auszuwetzen, alles viel schlimmer, bohrt dennoch immer weiter nach und kommt tatsächlich einer Verschwörung auf die Spur. Lustig, aber auch beunruhigend, auf der Grenze zwischen albern und ernst balancierend, ist die Serie erfrischend anders.
„I Am the Greatest (ab 28.11., ZDF-Mediathek) – Gedanken, Gefühle und Impressionen, die ungeregelt durchs Bewusstsein strömen: Als „Stream of Consciousness“ bezeichnen Literaturwissenschaftler den Versuch, diesen geistigen Mischmasch abzubilden. Die Miniserie „I Am the Greatest“ schafft das Kunststück, diese Erzähltechnik in filmische Miniaturen umzusetzen, die alles andere als spröde sind. Folge eins blickt ins Gedankenkarussell eines jungen Großstadt-Passanten voll unterdrückter Wut – er fühlt sich klein und ohnmächtig, steigert sich in Gewaltphantasien. In weiteren Episoden leidet ein junger Vater auf dem Kinderspielplatz an Selbstzweifeln, wird ein gestresster Autofahrer zum wütenden Raser. Der Blick hinter die Stirn der Protagonisten ist komisch, kraus und krass.
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