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Bedrohtes Ökosystem: Sandabbau trocknet großen Tonlé-Sap-See in Kambodschas aus

Bedrohtes Ökosystem

Sandabbau trocknet großen See in Kambodschas aus

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    Der Tonlé-Sap-See gilt als eines der fischreichsten Binnengewässer der Erde.
    Der Tonlé-Sap-See gilt als eines der fischreichsten Binnengewässer der Erde. Foto: Stock Adobe

    Intensiver Sandabbau droht den einmaligen Strömungsmechanismus am größten Süßwassersee Südostasiens kollabieren zu lassen – was katastrophale Folgen hätte. Der Tonlé-Sap-See in Kambodscha sei nicht nur eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde, warnt ein Forschungsteam. Er biete auch fast zwei Millionen Fischern ihren Lebensunterhalt, seine Fische ernährten Millionen weitere Menschen.

    Der See ist ein Unesco-Biosphärenreservat und beherbergt rund 900 Tierarten, darunter viele gefährdete Amphibien, Reptilien, Säugetiere und Vögel. Er gilt als eines der fischreichsten Binnengewässer der Erde. Doch inzwischen schwindet die lebenswichtige jährliche Flutwelle, die in der Monsunzeit aus dem Mekong in den See strömt, wie das Team um Quan Le von der University of Southampton (Großbritannien) berichtet.

    Über 100 Millionen Tonnen Sand werden jährlich aus dem Fluss gebaggert

    Dafür sei nun eine eindeutige Ursache gefunden: der Sandabbau im Mekong in Kambodscha und Vietnam. Über 100 Millionen Tonnen Sand werden jährlich aus dem Fluss gebaggert, hauptsächlich für den Bauboom in Städten, wie die Forschenden erläutern. Dadurch senke sich das Flussbett, was den Druck des Wassers verändere. In der Folge fließe in der Monsunzeit nur noch halb so viel Wasser in den See wie vor 25 Jahren. 2038 könne der Rückgang sogar 70 Prozent betragen – ein Szenario, das den Tonlé Sap trockenzulegen droht.

    Das gigantische Gewässer wird durch ein ungewöhnliches Rückflusssystem gespeist: Normalerweise fließt der Tonlé-Sap-Fluss aus dem See ab und mündet in der Hauptstadt Phnom Penh in den Mekong. Während der Monsunzeit wiederum steigt der Wasserstand des Mekong so stark, dass der Tonlé-Sap-Fluss für mehrere Monate seine Fließrichtung umkehrt und den See füllt – ein weltweit einzigartiges Naturphänomen.

    Das vom See beeinflusste Delta ist Heimat von 23 Millionen Menschen

    Einschließlich der umliegenden Flusslandschaften kann seine Fläche dann auf rund 25.000 Quadratkilometer anwachsen – fast zehnmal so groß wie das Saarland (2.569 Quadratkilometer). Große Teile der landwirtschaftlichen Kulturfläche Kambodschas sind dann von Wasser bedeckt. Wenn die Trockenzeit einsetzt, fließt das Wasser in umgekehrter Richtung zurück und versorgt das Mekong-Delta mit lebensspendender Feuchtigkeit. Der See schrumpft auf weniger als 3.000 Quadratkilometer Fläche. Das vom See beeinflusste Delta ist Heimat von 23 Millionen Menschen.

    Durch den Sandabbau schwinde der Monsun-Zustrom aus dem Mekong nun aber, heißt es im Fachjournal Nature Sustainability. Im Durchschnitt sank der Flussbettpegel in weiten Teilen des unteren Mekong-Laufs demnach in den letzten zwei Jahrzehnten um zwei bis drei Meter. Damit fehlt der notwendige Druck, um Wasser durch das Tonlé-Sap-Flussbett Richtung See zu pressen. Klimawandel und der Bau von Staudämmen spielten als Ursachen eine untergeordnete Rolle

    Ernährungssicherheit und Lebensgrundlagen der Menschen im Delta sind bedroht

    Bei sinkendem Flussbettpegel drohe das Seesystem innerhalb von zehn Jahren fast vollständig zusammenzubrechen, warnte Mitautor Steve Darby von der University of Southampton. Der Mekong sei nach dem Amazonas das zweitgrößte Fluss-Ökosystem der Welt, sein Zustand hänge vom normalen Funktionieren des Tonlé Sap ab. „Ein Zusammenbruch des Seesystems hätte katastrophale Folgen für die Biosphäre, für die Lebensgrundlage und Nahrungsquellen von Millionen von Menschen und für die Überschwemmungen in der Region.“ Zugleich drohten Flutkatastrophen im Mekong-Delta, das vom See wie von einem Schwamm geschützt wird.

    Mitautor Craig Hutton von der Universität Southampton erklärte, der See versorge etwa sechs Millionen Menschen, rund 60 Prozent des kambodschanischen Eiweißbedarfs stammten aus seinem Fischreichtum. Neben dem veränderten Seespiegel hätten auch Entwaldung, illegale Fischerei und ein extremer Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln schwerwiegende Auswirkungen auf die Fischproduktion. Ernährungssicherheit und Lebensgrundlagen seien bedroht. Schon jetzt kämpften viele Fischer ums Überleben.

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