Startseite
Icon Pfeil nach unten
Kultur
Icon Pfeil nach unten
Gesellschaft
Icon Pfeil nach unten

Billionen, Trillionen, alles nur Peanuts: Wird Elon Musk der wahre Dagobert Duck?

Weltwirtschaft

Billionen, Trillionen, alles nur Peanuts: Wird Elon Musk der wahre Dagobert Duck?

  • |
  • |
  • |
  • |
    Elon Musk winken bis zu eine Billion Dollar.
    Elon Musk winken bis zu eine Billion Dollar. Foto: Patrick Pleul, dpa (Archivbild)

    Ist noch nicht lange her, da wäre selbstverständlich von einem Übersetzungsfehler auszugehen gewesen. Wenn plötzlich irgendwo von einer Dollar-Summe in der Größenordnung Billionen die Rede war, lag das halt am englischen „billion“, das auf Deutsch halt bloß die Milliarde ist. Aber neun Nullen sind inzwischen ja bloß noch Peanuts in der Wirtschaftswelt.

    Da geht es nun also tatsächlich um zwölf davon, um 1000 Milliarden Dollar, die zum Beispiel kürzlich Tesla dem – mit einem Vermögen von rund 430.900.000.000 $ ohnehin schon reichsten Mann der Welt in Aussicht stellte: ein Aktienpaket im Wert von rund einer Billion, wenn es Elon Musk in einem weiteren Jahrzehnt an der Unternehmensspitze gelingt, dessen Wert zu verachtfachen, eine Million Robotaxis im Einsatz und eine Million KI-Roboter ausgeliefert zu haben.

    Für die einen zählen Butterpreise, für die anderen Billionen

    Tesla selbst ist an der Börse aktuell übrigens 1,1 Billionen Dollar wert. Dass da noch deutlich mehr geht, zeigen die vier Billionen, die der Chiphersteller Nvidia bereits erreicht hat, Microsoft die dreieinhalb… Insgesamt sind es von Apple über Amazon und Alphabet (Google) bis zum Halbleiter- und Softwareunternehmen Broadcom und Warren Buffets Berkshire Hathaway zehn Firmen im Zwölf-Nullen-Sektor, allein die Erdölgesellschaft Saudi Aramco stammt nicht aus den USA.

    Mit in der Riege der reichsten Männer auf Erden: Nvidia-Chef Jensen Huang.
    Mit in der Riege der reichsten Männer auf Erden: Nvidia-Chef Jensen Huang. Foto: Chiang Ying-ying, AP/dpa

    Aber China wird kommen. Neue virtuelle Goldspeicher werden entstehen, in denen die Herren der Welt, Musk und Jeff Bezos und Nvidias Jen-Hsun Huang (und ein US-Präsident, der beim heimischen Dinner betuchte Anhänger für eine Million Dollar pro Platz begrüßt), baden können wie einst nur Dagobert Duck. Und während bei Inflation immer auf die Butter- und Olivenöl- und Schokoladenpreise geblickt wird und auf die nicht eben unwesentlichen Folgen von Cent-Steigerung der prekär Lebenden – am anderen Ende, ganz da droben, schreitet die Geldentwertung mit Riesenschritten voran Richtung Fantastillarden.

    Irgendwo dazwischen schnürt eine Bundesregierung 100-Milliarden-Pakete, wird für einen Fußballer, der ein halbes Jahr ganz gute Leistungen beim VfB Stuttgart gebracht hat, eine Ablöse von 90 Millionen bezahlt, nähert sich der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen in München den 10.000 Euro.

    Neue Krypto-Währungen befördern die Entwicklung noch

    Dass von der Billion zuletzt die Rede sein konnte, liegt gut 100 Jahre zurück und war Folge der Hyperinflation in der Weimarer Republik – ausgelöst durch die Finanzierung des Ersten Weltkriegs, beschleunigt durch die Reparationszahlungen nach dessen Verlust und erst gestoppt durch die Einführung einer neuen Währung, die wieder eine Verbindung zwischen Währung, Wert und Wirklichkeit herstellte.

    Auch heute wirken Kriegs- und Rüstungskosten wohl im Normalalltag beschleunigend – die Inflation Richtung Billionen am oberen Ende aber ist viel mehr einer sogenannten Disruption geschuldet, die gerade den Bezug von Wert und Wirklichkeit zugunsten ihrer Betreiber zerbricht: die Digitalisierung des Lebens und dessen zunehmende Durchdringung mit künstlicher Intelligenz. Und neue Währungen, die nun ja tatsächlich auch entstehen, stoppen die Entwicklung nicht, sondern befördern sie noch, weil das Krypto-Geld den Kontrollinstanzen der Währungswächter bewusst entzogen ist – und weil sie vor allem exakt dem Prinzip der Billionenmacher folgen.

    Wohin mit den Billionen? Auf den Mars vielleicht

    Die Marktwerte von Tesla und Nvidia und Microsoft und so sind Aktienwerte. Sind also keine Bezifferung von Firmenwerten, sondern die Bemessung von Erwartungswerten, also: Was sagen die kollektiven Überzeugungen und Prognosen von Marktteilnehmern über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens? Ein ständiges Pulsmessen der Zukunftserwartungen. Das hebt den ursprünglichen Charakter einer jeden Währung, demnach sie allein durch den gemeinsam vereinbarten Glauben in sie überhaupt Wert hat, auf eine ganz neue Ebene. Und klingt ein bisschen wie Hokuspokus.

    Musks Starship-Rakete hebt ab: Wenn man nicht mehr weiß, wohin mit all dem Geld, schießt man es eben ins All.
    Musks Starship-Rakete hebt ab: Wenn man nicht mehr weiß, wohin mit all dem Geld, schießt man es eben ins All. Foto: Eric Gay, AP/dpa

    Aber eben bloß aus der Perspektive klassischer Wirklichkeitsbezüge von Geld und Wert – in denen eine Billion höchstens und auch nur nahezu erreichbar wird, wenn man den Verteidigungsetat der USA unter Donald Trump in den Blick nimmt. In solchen Höhen bewegen sich nun also Verdienstaussichten eines Elon Musk. Welchen Unterschied im konkreten Leben es macht, ob man nun über 430 Milliarden oder 1430 Milliarden Dollar verfügt, ist dabei noch relativ unklar. Das abzuschöpfen müsste schon ein ganz neuer Markt entstehen, wenn schon nicht auf Erden, dann halt auf dem Mars.

    Aber wichtiger ist am obersten Ende der Inflation ohnehin der Wert des Geldes als symbolische Währung. Den erklärte der deutsche Basketballer Moritz Wagner kürzlich wunderbar, als er von dem märchenhaft vielen Geld sprach, das er in der US-Profilage NBA verdiene – fast schon Fantastillarden! Aber andererseits könne er sich mit einem ihm angebotenen Jahresgehalt von sechs Millionen kaum erhobenen Hauptes zurück in die Umkleide seines Teams wagen – denn im Vergleich spreche aus der Summe die reinste Geringschätzung. Das ins Musk’sche Maß gesteigert: Es sind Wahrnehmungsverschiebungen, die es zuletzt unter Sonnenkönigen gab. Die damaligen hatten Schlösser zur Weltferne, die heutgen schaffen sich gleich eine eigene Welt. Und irgendwann wird sich die Frage der Wirklichkeit nicht mehr stellen. Denn wenn ihr Wert nicht zu bemessen ist, gibt es sie nicht.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren