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Gesellschaft: Nicht nur zu Ostern: Wenn das Comeback-Fieber sogar Tote erweckt

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Nicht nur zu Ostern: Wenn das Comeback-Fieber sogar Tote erweckt

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    Nach vier Jahren Pause wird BTS beim ersten Auftritt in Seoul mit viel Jubel empfangen.
    Nach vier Jahren Pause wird BTS beim ersten Auftritt in Seoul mit viel Jubel empfangen. Foto: Kim Hong-Ji, dpa

    War das schon das größte Comeback des Jahres? Die südkoreanische Boygroup BTS hat kürzlich das erste Album nach fast sechs Jahren Pause veröffentlicht und damit Chart-Rekorde weltweit gebrochen, so auch in Deutschland. Fast schon schicksalhaft daran: Die siebenköpfige Combo hatte sich das ohnehin die Popkultur prägende Phänomen des Comebacks von Anfang in ihrer Karriereerzählung zunutze gemacht und einfach jedes Album zum Comeback erklärt. Und mit dieser einen nun tatsächlichen Wiederkehr nach Jahren beim Militärpflichtdienst räumen BTS nun also maximal ab, werden auch die etwas mitgealterten Fans bei ihrem ersten Münchenbesuch überhaupt zu Konzerten im Juli in der restlos ausverkauften Allianz-Arena in Ekstase versetzen, als wären sie noch immer Teenager …

    Wenige Tage an selber Stelle aber schon auch: das Comeback-Konzert des größten deutschen Popstars – Helene Fischer, zurück, immerhin absehbar, nach Babypause. Überraschender ist da schon das Comeback des Grafen mit Unheilig in diesem Jahr mit Album und Tour, sein Abschied wirkte jedenfalls eine Zeit lang, als wäre er für immer. Ebenso nach Jahren aus einer Art Versenkung auftauchen werden echte Helden des alternativen Metal, das Comeback von System of a Down, die diesen Sommer auch in Deutschland zwei Stadionkonzerte spielen werden. Ein Comeback von Muse mit neuem Album nach immerhin auch schon wieder fünf Jahren und damit immerhin der längsten Pause ihrer ganzen Karriere. Dazu das Comeback von Kanye West aktuell vor 70.000 Zuschauern, jetzt nur noch als „Ye“. Und auch das von Johannes Oerding, der ein neues Album liefert und dazu auch über die Ich-Erneuerung nach der Trennung von seiner Ina spricht. Wiederkehr als er selbst als quasi. Ein Comeback der Hardrocker von AC/DC scheint immerhin im Raum zu stehen, hat die Band doch eine aktualisierte Besetzung gepostet, samt der Rückkehr des zwischenzeitlich erkrankten Sängers Brian Johnson – das nährt Hoffnungen. Ebenso im Schwange: ein Comeback von Phil Collins mit neuer Musik, ein Comeback von Rammstein – und dass Britney Spears solcherlei Absichten immer bestreitet, ist das schon Hinweis?

    Wer zwei Jahre nicht erscheint, wirkt wie unendlich lange weg gewesen

    Das Comeback-Fieber droht alle Aufmerksamkeitskanäle zu verstopfen, eine Mischung aus gleich dreierlei Zeitverschiebungen. In der rasenden Gegenwart wirkt, wer auch nur zwei oder drei Jahre nicht veröffentlicht oder erscheint, wie unendlich lange weg gewesen. Und bei immer größerer Unsicherheit und Unübersichtlichkeit wirkt die Wiederkehr des bereits Bewährten wie eine Heimkehr ins Bessere. Schließlich ist das Klientel der Popkultur selbst bei der Verschiebung der Alterspyramide inzwischen ein mehrheitlich eben nicht mehr jugendliches – die Älteren im Publikum gehen auch auf Festivals, haben das Geld für teure Konzertkarten, kaufen noch Alben, damit haben die Älteren auf der Bühne die besten Verdienstmöglichkeiten aller.

    Aber weiter! Céline Dion hat fix ihre Rückkehr angekündigt auf die Bühne für dieses Jahr, der Rapper Snoop Dogg, der zuletzt nur noch als Maskottchen großer Sportveranstaltungen, sein Comeback mit einem neuen Album. Und Madonna liefert zu ihrem Comeback nicht nur nach sieben Jahren neue Musik (mit nicht weniger als dem Albumtitel gewordenen Anspruch, an einen ihrer Klassiker anzuschließen, „Confessions …, Part 2“ – sie wird erstmals seit 25 Jahren auch wieder als Schauspielerin auftreten, in der Apple-Serie „The Studio“ nämlich. Und um überhaupt bei Serien nur das Nötigste zu sagen: Es stehen hier ja Comebacks unter anderem von „Harry Potter“ mit neuer Besetzung an – und einer neuen Lara Croft in „Tomb Raider“.

    Im biblischen Sinne am ehesten ein Comeback: das von James Bond, eindeutig gestorben

    Am ehesten im biblischen Sinne vom Comeback ließe sich sprechen, wenn sich zwei große Verheißungen der vergangenen Jahre im Kino erfüllten – denn James Bond ist ebenso eindeutig im letzten Film mit Daniel Craig gestorben wie Robert Downey Jr. als Tony Starks alias Iron Man. Sowohl die inzwischen an Amazon verkaufte Marke Bond verlangt aber nach Neubesetzung und Kapitalisierung wie auch die noch immer zugkräftigste Figur des mit ihm begonnenen Marvel-Superhelden-Zeitalters. So lange muss eben ein Comeback des geliebten „Spider-Man“ (im Sommer) und der Supergroup der „Avengers“ (im Winter) in Fortsetzungen ihrer eigentlich auserzählten Geschichten für Umsatz 2026 sorgen.

    Was die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz noch an Comebacks ermöglichen werden, will man sich kaum vorstellen, deutet sich aber seit längerem an. Die Rest-Beatles brachten einen uralten und unfertigen Song dadurch zu Ende und auf den Markt, dass die an Aufnahmen geschulte KI die Stimme John Lennons imitieren konnte. In Star Wars ist der Kommandant des Todessterns noch einmal im Film zu sehen gewesen, obwohl der ihn darstellende Schauspieler bereits gestorben war. Es gab genug Material von und mit ihm, das der KI ermöglichte, ihn in neuen Szenen mit neuem Text auf der Basis eines quasi als Leinwand auftretenden Schauspielers in Szene zu setzen – jedenfalls, von der Hüfte aufwärts, Schauspieler Peter Crushing nämlich hatte bei früheren Dreharbeiten die Füße lieber in Sandalen als in Kampfstiefeln und war drum untenrum zu selten zu sehen. Wer also wird noch alles von den Toten vom Comeback erweckt?

    Harry Potter in neuer Besetzung, „Der Teufel trägt Prada“ nochmal in alter

    Unter den Kinohöhepunkten des Monats April übrigens: Das Comeback von „Der Teufel trägt Prada“ mit Teil zwei nach 20 Jahren; das Comeback von Super Mario im Filmformat; und das Comeback von Engel Aloisius, denn der ewige „Münchner im Himmel“ wird jetzt in einem Realfilm wiederkehren. Und für danach mit jeder Menge Comeback-Muskeln angekündigt bereits: die Wiederkehr von popkulturell eigentlich doch verschwundenen Figuren wie „Rambo“ und auch He-Man in „Masters of the Universe“.

    Wieder vereint: Emily Blunt (von links), Meryl Streep und Anne Hathaway und in ihren alten Rollen als Miranda, Andy, und Emily in der „Teufel trägt Prada 2“. (Archivbild)
    Wieder vereint: Emily Blunt (von links), Meryl Streep und Anne Hathaway und in ihren alten Rollen als Miranda, Andy, und Emily in der „Teufel trägt Prada 2“. (Archivbild) Foto: Chris Pizzello, dpa

    Aber was wäre sonst schon zu erwarten in einer Zeit, in der sich ein US-Präsident persönlich nichts sehnlicher von Hollywood wünscht als ein Comeback der vor bald 20 Jahren beerdigten Actionklamauk-Reihe „Rush Hour“? Ein Präsident, der selbst ein Comeback im Amt hat. Neben einem Bundeskanzler, der auf dem Weg ins Amt überhaupt erst mal ein Comeback in der Politik haben musste. In einer Zeit, in der die ganze Weltpolitik wie ein Comeback des 19. Jahrhunderts wirkt – mit der Wiederkehr von Territorial-Konflikten, von Ressourcen-Kolonialismus und absolutistischen Männertypen dazu …

    Und damit hat der Spaß des Comebacks natürlich ein Loch. Denn auch eine Popkultur, die wesentlich auf die immer neuen Aufgüsse der in der Vergangenheit bewährten Rezepte und die Wiederaufführungen vertrauter Figuren setzt, spiegelt das Verschwinden vom Glauben an eine gelingende Zukunft. Aber bitte, das stand auch schon vor zehn Jahren zu Ostern hier. Irgendwie selbst ein Comeback also. Aber naja, ist halt nur noch schlimmer geworden seitdem.

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