Mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen vergleicht ein Forschungsteam seinen Versuch, einen Weißen Hai im Mittelmeer aufzuspüren. Damit macht die Gruppe um Francesco Ferretti von Virginia Tech in Blacksburg klar: Weiße Haie sind selten im Mittelmeer. Doch genau deswegen lohne es sich, nach ihnen zu suchen, schreiben die Forschenden im Fachjournal Frontiers in Marine Science.
Die Weißen Haie (Carcharodon carcharias) gelten im Mittelmeer als genetisch eigenständige Population. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft sie als „stark gefährdet“ ein und geht von maximal 250 Tieren aus. Ein Grund dafür ist den Forschenden zufolge die industrielle Fischerei, die sich negativ auf das Nahrungsangebot der Haie auswirke. Das Mittelmeer sei eines der am stärksten ausgebeuteten Meere weltweit.
Forschende machen Weiße Haie mithilfe von Umwelt-DNA ausfindig
Anders als etwa in Kalifornien, wo sich die Haie oft in der Nähe von Robbenkolonien aufhalten, gibt es im Mittelmeer keine solchen bekannten Lebensräume. Deswegen sind sie schwer zu finden. In drei Expeditionen suchte das Team aus den USA in der Straße von Sizilien zwischen Italien und Tunesien nach den Tieren.
Das Team von Ferretti setzte bei der Suche auf Umwelt-DNA (eDNA). Dabei handelt es sich um DNA-Spuren, die Tiere etwa über Ausscheidungen oder Schuppen in der Umwelt hinterlassen. So können Forschende die Anwesenheit von Tieren nachweisen, ohne sie selbst dafür beobachten zu müssen.
Die Forschenden stießen aber auf etliche Probleme. Da sie über kein eigenes Forschungsschiff verfügten, waren sie auf Alternativen angewiesen. Sie nutzen entweder Fischerboote, die nicht immer zur Verfügung standen, oder Segelboote und Katamarane, die wenig Platz boten. Zudem bestand in dem stark befischten Gebiet das Risiko, dass sich die Geräte der Forschenden in Fischernetzen verfangen.
Küste vor Tunesien ist wohl einer der letzten Rückzugsorte der Weißen Haie
Dennoch gelang es dem Team 159 eDNA-Proben während ihrer Expeditionen zu sammeln und an vier Standorten Weiße Haie nachzuweisen. Eine genaue Anzahl der Tiere ermittelte es nicht. Mithilfe von Ködern und Kameras versuchten die Forschenden, die Tiere auch per Video nachzuweisen. Doch auch hier verhinderten Platzprobleme ein besseres Vorgehen, da sie oftmals nicht genügend Köder mit auf das Boot nehmen konnten.
Die tatsächliche Sichtung eines Weißen Hais gelang dem Forschungsteam nicht, dennoch wertete es seine Expeditionen als Erfolg. Die gesammelten Daten und Informationen seien hilfreich für weitere Expeditionen. Zudem habe man herausgefunden, dass die Küste vor Tunesien wohl einer der letzten Rückzugsorte der Haie ist. Dort hatten die Forschenden die meisten der eDNA-Proben von Weißen Haien gefunden. (Florian Gut, dpa)
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