Startseite
Icon Pfeil nach unten
Kultur
Icon Pfeil nach unten
Gesellschaft
Icon Pfeil nach unten

Warum Sky du Mont politische Korrektheit manchmal ein bisschen lächerlich findet

Interview

Sky du Mont: „Ich finde das mit der politischen Korrektheit manchmal ein bisschen lächerlich“

  • |
  • |
  • |
  • |
    Schauspieler und Buchautor Sky du Mont schließt mit der Filmkarriere ab.
    Schauspieler und Buchautor Sky du Mont schließt mit der Filmkarriere ab. Foto: Christian Charisius, dpa

    Herr Du Mont, was sagen Sie denn zum für so manchen überraschend großen Erfolg von Bully Herbigs Western-Parodie „Das Kanu des Manitu“?

    Sky du Mont: Für mich kam der Erfolg nicht überraschend.

    Wirklich! Oft sind doch zweite Filme qualitativ schwächer, zumal sich ja auch das Empfinden für Humor in den vergangenen 24 Jahren seit „Der Schuh des Manitu“ stark verändert hat?

    Du Mont: Mir war klar, dass Bully Herbig das wieder hinkriegt. Der ,Schuh des Manitu‘ war ja ein Megaerfolg. Und 24 Jahre später dachte ich mir: Das kriegt er wieder hin. Bully ist wahnsinnig fleißig, er hat einen unheimlich guten Geschmack, eine Treffsicherheit, was die Pointe betrifft. Insofern war ich mir sicher, dass auch der neue Film wieder laufen und gut wird.

    Dabei war das ja gar nicht so leicht. Der Gag mit dem umstrittenen Wort „Indianer“ ist zwar gut, es gibt inzwischen aber Menschen, die sich an der politischen Korrektheit des Western-Genres als solches stoßen. Können Sie deren Bedenken eigentlich nachvollziehen?

    Sky du Mont: Ich finde das mit der politischen Korrektheit manchmal ein bisschen lächerlich. Ich unterstütze die Gleichberechtigung der Frauen, ich bin für die Stärkung von Minderheiten wie Homosexuellen. Und das Wort ,Indianer‘ halte ich beispielsweise für unproblematisch. Wenn sich die Menschen dadurch aber wirklich verletzt fühlen, dann sollen sie natürlich auch ihr Recht haben. Für den neuen Film gilt: Der Erfolg zeigt, dass Millionen das Thema gelassener sehen.

    Ist es wirklich so, wie man lesen konnte, dass das „Kanu des Manitu“ ihr letzter Kinofilm sein wird? Und wenn ja, warum?

    Sky du Mont: Ja, das stimmt. Aber das heißt nicht, dass ich zu arbeiten aufhöre. Grundsätzlich muss ich mal dazu sagen. Die Dreherei machte in meinem Arbeitsleben vielleicht fünf Prozent aus. Meistens spielte ich Theater, mache Lesungen oder Werbung. Ich hatte aber das Glück, dass ich bei großen Leinwand-Erfolgen dabei war – der erste Otto-Film gehörte dazu. Aber die Filmerei war kein essenzieller Bestandteil meiner Karriere, sie führte eher ein Nischendasein. Deshalb wundert es mich, dass das Thema jetzt so groß gespielt wird. Die Wahrheit ist: Ich habe in meinem Alter einfach keine Lust mehr, ich mag nicht mehr im Wohnwagen leben oder aufs Dixi-Klo gehen. Das ist doch nachvollziehbar, oder?

    Aus meiner Sicht auf jeden Fall. Aktuell haben Sie gerade ein neues Buch auf den Markt gebracht mit dem Titel „Der nächste Fehler kommt bestimmt“. Es ist ein ehrliches, charmantes, aber auch tiefgründiges Buch über das Älterwerden, die Kunst des Loslassens und darüber, warum gerade die unperfekten Momente oft die schönsten sind. 

    Du Mont (lacht): Ich kann Ihnen sagen, wie das Projekt losging. Ich stand gerade auf der Bühne und spielte wie hunderte Male zuvor Rocky Horror. Eigentlich war ich total textsicher, aber irgendetwas hat mich abgelenkt. Da hatte ich einen kleinen Hänger – vielleicht eineinhalb Sekunden. Den hat niemand außer mir bemerkt, aber in diesem Moment wurde mir bewusst, wie viele kleine Fehler wir alle jeden Tag machen. Dafür wird man natürlich nicht bestraft. Aber ich dachte mir, darüber will ich ein Buch schreiben.

    Wie lange schreiben Sie an so einem Werk?

    Du Mont: Lange. Denn das Manuskript bleibt bei mir immer wieder liegen. Ich schreibe ja meistens nachts und wenn ich dann nach einiger Zeit daran weiterarbeite, dann streiche ich wieder viel. Aber alles in allem macht mir das Schreiben tierisch Spaß. Denn ich bin dabei allein und mein eigener Herr. Bei meinem Beruf als Schauspieler redet ja immer einer drein. Vor allem im Theater. Da steht man im gleißenden Licht auf der Bühne und im Dunkeln sitzt ein Regisseur, der einen anmeckert. Da fühlt man sich manchmal schon wie ein kleiner Wischmopp.

    Da ist Schreiben natürlich eine Wohltat. Es ist aber auch ein einsamer Prozess, oder?

    Du Mont: Stimmt. Aber ich bin gerne alleine und habe damit kein Problem. Darum schreibe ich auch nachts, wenn es still ist, kein Fernseher läuft und auch sonst nichts stört. Nun sind meine Bücher keine großen philosophischen Ergüsse, sondern einfach Erzählungen aus meinem Leben und eine Sammlung meiner Gedanken. Das jüngste Buch ist aber tatsächlich auch ein bisschen philosophisch, weil ich in einem Alter bin, in dem man schon darüber nachdenkt, welche Gültigkeit und Wertigkeit die Dinge haben, die ich gemacht habe. Dazu zählen auch die Erfolge. Was sind die schon wert?

    Gute Frage. Seit 1971 haben Sie in über 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt – auch in internationalen wie „Eyes Wide Shut“ von Stanley Kubrick. Haben Sie rückblickend gesehen einen Film, auf den Sie besonders stolz sind?

    Du Mont: Ich habe den Stauffenberg in einer tollen amerikanischen Produktion gespielt. Dafür gab es den Golden Globe. Nachdem es eine große Rolle war, darf ich sagen, dass ich auch ein Teil davon war. Das wird wohl meine erfolgreichste Sache gewesen sein.

    Für Ihre Rolle beim „Der Schuh des Manitu“ sind Sie 2001 mit dem Comedy-Preis und dem Bambi ausgezeichnet worden. Sind solche Preise für Sie wichtig gewesen?

    Du Mont: Ach, es ist schön, wenn man die in den Händen hält. Aber karrieretechnisch helfen sie einem nicht weiter. Wenn es um die Besetzung geht, fragte keiner, ob du einen Bambi hast. Aber die Übergabezeremonie ist schön, dann stellt man sie ins Regal.

    Stehen ihre Preise im Wohnzimmer-Regal?

    Du Mont: Ja, hinter den Büchern.

    Nochmal zurück zur Fehlerkultur. Da haben wir in Deutschland noch Luft nach oben. Wir sind immer noch nicht so weit, dass wir mit unseren Fehlern offen umgehen, sondern versuchen sie so gut es geht zu verbergen.

    DU MONT: Da haben Sie recht. Mir war das beispielsweise nicht klar, dass auf Instagram alle einen Filter über ihre Fotos laufen lassen. Ich dachte mir immer, wieso sehen Frauen, aber auch Männer da so gut aus, bis mein Sohn mich aufklärte: ,Papa, das hängt alles mit Filtern zusammen, die man über die Fotos legt.‘ Und tatsächlich, wenn du diese Menschen in echt siehst, kriegst du einen Ohnmachtsanfall (er lacht).

    Inwiefern?

    Du Mont: Ich meine, dass Aussehen im Leben eigentlich keine bedeutende Rolle spielen sollte, wenn man seine Gedanken vorträgt. Wichtig sollte der Inhalt sein. Aber den Leuten geht es immer mehr nur um die Optik. Darum bin ich auch kein großer Freund von Social Media, obwohl ich es manchmal benutze.

    Optisch haben Sie ja das Glück, selbst im Alter von der Natur gesegnet zu sein. Haben Sie aber gelernt, mit Ihren Fehlern zu leben?

    Du Mont: Ganz ehrlich. Ich habe viele Fehler selbst erkannt und habe Kinder, die mir diese auch deutlich widerspiegeln. Auch meine Frauen, ich war ja mit mehreren zusammen, haben mir immer deutlich gesagt, was sie an mir nicht gut finden. Insofern, ich kann mit meinen Fehlern leben, versuche sie zu erkennen und mich zum Besseren hin zu verändern. Natürlich wird mir das nicht immer gelingen.

    Bei den meisten Menschen ist es so, dass sie zwar die Fehler der anderen erkennen, aber in der Selbstreflexion Defizite haben.

    Du Mont: Das mag sein. Bei mir hilft aber mein Beruf. Ich werde schon ein wenig durchs Brennglas betrachtet. Als ich mal am Staatstheater in Berlin arbeitete, hat mich ein früherer Großkritiker einer Zeitung mal so persönlich in die Pfanne gehauen, dass mir richtiggehend die Tränen in die Augen geschossen sind. Aber als öffentliche Person habe ich in den letzten 50 Jahren gelernt, mit solchen Angriffen umzugehen.

    Gibt es einen Psychotrick, wie man mit ätzender Kritik umgeht?

    Du Mont. Nein, natürlich nicht. Jeder will ja eigentlich geliebt werden, keiner hat gerne Menschen um sich, die einen nicht mögen. Aber es hilft ja nichts. Bei mir sind beispielsweise auch meine Scheidungen immer öffentlich seziert worden. Das ist natürlich nicht schön, aber es nützt ja nichts. Man nimmt es hin, hält das Maul und hakt es ab.

    Als einer der wenigen Schauspieler haben Sie sich aber politisch trotz ihrer Popularität immer wieder geäußert und waren bis 2018 auch Mitglied der FDP. Haben Sie Ihren Austritt aus der Partei inzwischen bereut?

    Du Mont: Nein, überhaupt nicht. Leider ist es so, dass das liberale Denken aktuell nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt keine große Bedeutung hat. Übertrieben ausgedrückt: Man ist entweder rechts oder links – und das halte ich persönlich für keine gute Lösung. Ich mag das Extreme auf keiner Seite.

    Wo darf man Sie heute politisch verorten?

    Du Mont: Gute Frage. Es gibt Grundideen der SPD, die ich gut finde. Auf der anderen Seite gibt es auch Punkte bei der Union, die sind okay, obwohl ich mich da schon schwerer tue, sie zu finden.

    Was halten Sie von der Regierung Merz?

    Du Mont: Ich finde den Umstand, dass man eine Regierung und einen Bundeskanzler jetzt schon so fertig zu machen versucht, nicht in Ordnung. Denn an den meisten Missständen sind die früheren Regierungen schuld. Leider hat man in diesem Land tatsächlich manchmal das Gefühl, es funktioniert gar nichts mehr. Aber das kann eine neue Regierung nicht gleich lösen. Jede Regierung muss das Recht haben, dass man ihr Zeit gibt. In einem Punkt, so meine ich, hat übrigens die SPD recht. Ich denke schon, dass sehr große Vermögen höher besteuert werden sollten. Milliardenvermögen müssen nicht immer noch größer werden.

    Was muss passieren, damit Deutschland wieder Wasser unter den Kiel bekommt?

    Du Mont: Sehr viel. Das fängt bei der Bahn an. Ich würde gerne damit fahren, aber erlebe Dinge, die einem das Bahnfahren regelrecht verleiden. Fliegen wiederum ist als Alternative teuer und umweltzerstörend. Was mache ich also – ich fahre mit meinem Auto. Aber das ist auch nicht die Lösung. Ich würde am liebsten mit dem ICE fahren. In Österreich, Schweiz oder Frankreich ist die Bahn besser. In Deutschland ist seit über zehn Jahren viel zu wenig gemacht worden.

    Haben Sie Angst davor, dass die AfD die nächsten Bundestagswahlen gewinnt?

    Du Mont: Ich hoffe es nicht. Man kann keine Nazi-Partei wählen. Das kann gerade in Deutschland nicht sein!

    Sie sind viel herumgekommen in der Welt. Ihre Eltern sind vor den Nazis nach Argentinien geflohen. Die Schulzeit haben Sie dann in London verbracht, Abitur haben Sie in der Schweiz gemacht …

    Du Mont (fällt ins Wort): … nein, das ist falsch! Das muss ich mal richtigstellen. Ich verbrachte meine ganze Schulzeit in München und habe dann Abitur in einem Schweizer Internat gemacht. Keine Ahnung, wer sich das mit London ausgedacht hat.

    Steht in einer Biografie. Richtig ist aber, dass Sie heute in Hamburg leben?

    Du Mont: Ja, seit etwa 15 Jahren. Meine Frau wollte hierhin. Inzwischen mag auch ich Hamburg sehr.

    Stimmt es eigentlich, dass Sie in den 1960er Jahren als Immobilienmakler in London tätig waren – zumindest steht das auch in Ihrer Biografie. Warum sind Sie aus diesem Gewerbe wieder ausgestiegen?

    Du Mont: Tatsächlich habe ich als Immobilienmakler gearbeitet. Da habe ich sogar Mick Jagger ein Haus verkauft.

    Erzählen Sie.

    Du Mont: Na, ich brauchte damals einen Job. Meine Mutter lebte zu dieser Zeit in London und kannte den Chef einer Immobilienfirma. Den fragte ich, ob ich bei ihm arbeiten könnte. Ich habe da ganz klein angefangen, möblierte Wohnungen verkauft und so was. Ich habe mich aber auch etwas hochgearbeitet und ganz gut Geld verdient.

    Und wie war das mit Mick Jagger?

    Du Mont: Ja. Ich habe ihm tatsächlich ein Haus verkauft, aber wir haben uns dabei noch nicht einmal getroffen.

    Ab wann wussten Sie dann, dass Sie Schauspieler werden wollten?

    Du Mont: Die Engländer haben meine Arbeitsgenehmigung nicht verlängert. Darüber war ich damals echt sauer. Ich hatte mein Auto in der Parkgarage in London und durfte nach einem Urlaub schlichtweg nicht mehr ins Land zurück. Ich habe mir damals gedacht: In dieses Sch…land möchte ich nie mehr zurück.

    Dann sind Sie nach München gekommen.

    Du Mont (lacht): Ja, anfangs habe ich da auf einer Parkbank geschlafen. Dann hat meine Mutter organisiert, dass ich einen Schlafplatz bei Freunden fand. Schließlich habe ich begonnen, Schauspielunterricht zu nehmen und erst einmal viel Komparserie gemacht. Am Ende landete ich nach bestandenen Prüfungen am Residenztheater in München.

    Sie wurden gerne in zwei Rollenbildern besetzt – entweder in Richtung seriös, als Geschäftsmann, Arzt oder Aristokrat oder aber als Schurke. Was muss man haben, dass Regisseure in einem einen glaubhaften Schurken sehen? 

    Du Mont (lacht): Keine Ahnung! Fragen Sie mich das nicht. Aber es stimmt. Ich habe von Anfang an immer den Bösewicht gespielt – sogar in den Pilcher-Filmen. Immer war ich derjenige, dem die Frau ausgespannt wurde. Ich war immer der Looser. Das hat mich schon manchmal geärgert.

    Wäre es ein Traum, den Helden zu spielen?

    Du Mont (lacht): Nicht mehr, obwohl ich tatsächlich nie eine echte Heldenrolle übernehmen durfte. Dabei haben mir Fans oft geschrieben, dass sie mich sympathisch finden. Aber die Produzenten haben wahrscheinlich gedacht, dem Du Mont würgen wir einen rein (er lacht). Vielleicht auch, weil sie gedacht haben, das mit dem Bösewicht kann er ganz gut.

    Und dann ist man schnell in einer Schublade.

    Du Mont: Wohl wahr. Aber schauen Sie, den Santa Maria im ,Schuh des Manitu‘, den lieben die Leute. Kleiner Spoiler, der überlebt auch in dieser Folge, wenn der Zug im Film entgleist und alle denken, er wäre tot. Die Auflösung des Rätsels kann man im Kino am Ende des Abspanns sehen.

    Denken Sie über den Tod nach?

    Du Mont: Klar. Und ich habe schon lange dafür vorgesorgt. Denn das Einzige, was sicher ist, ist der Tod. Diesen Fakt ignoriere ich nicht. Wenn ich mal schwer krank werden und Schmerzen haben sollte, dann möchte ich gehen. Das weiß auch mein Anwalt.

    Hängen Sie noch einen Traum nach, den Sie bis dahin noch erfüllt sehen wollen?

    Du Mont: Ich hätte im Süden wahnsinnig gerne ein Haus am Meer. Aber da kommt dann die Endlichkeit ins Spiel. Ich denke mir dann: Bis ich das abbezahlt hätte, wäre ich tot. Aber ein Traum ist es trotzdem, denn ich habe mit meiner Mutter ja in Marbella am Meer gelebt. Das war damals noch ein Fischerdorf, heute ist die Stadt nur noch gruseliger Schickimicki-Hotspot. Deswegen fahre ich da nicht mehr hin. Aber mit meiner Freundin fahre ich in den nächsten Wochen nach Italien in den Urlaub. Und darauf freue ich mich schon.

    Zur Person: Sky du Mont, eigentlich Marco Claudio Cayetano Neven du Mont, geboren 1947 in Buenos Aires, zählt zu den bekanntesten deutschen Schauspielern: Er spielte in nationalen Produktionen wie „Das Boot“ (1981), „Otto – der Film“ (19851), wie auch in internationalen Produktionen wie Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut oder der amerikanischen Krankenhausserie „General Hospital. Seine Rollen in „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“ brachten ihm zwei Bambis ein. Im Fortsetzungsfilm „Das Kanu des Manitu“ spielt er erneut die Rolle des Santa Maria. Der Wahl-Hamburger ist zudem erfolgreicher Schriftsteller, eben erschien sein Buch „Der nächste Fehler kommt bestimmt“ (Herder, 176 Seiten, 20 Euro), und arbeitet auch als Synchronsprecher.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren