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Kommentar: Spiele sind gerade in Krisenzeiten wichtig

Kommentar

Wer auch als Erwachsener spielt, kann nur gewinnen

Stefanie Wirsching
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    Nicht nur Kinderkram auf der Nürnberger Spielwarenmesse: Sammelfiguren sind bei erwachsenen Fans beliebt.
    Nicht nur Kinderkram auf der Nürnberger Spielwarenmesse: Sammelfiguren sind bei erwachsenen Fans beliebt. Foto: Daniel Karmann, dpa

    Heute schon gespielt? Wenn Sie die Frage mit Ja beantworten, Gratulation. Sie haben etwas für Ihr Wohlbefinden getan. Antworten Sie mit Nein, auch kein Problem. Es bleibt Ihnen auch heute noch Zeit, wenn Sie denn wollen. Wollen Sie aber? Dann zum Beispiel folgender Tipp: Machen Sie in den nächsten fünf Minuten alles einmal mit der linken, oder wenn sie Linkshänder sind, mit der rechten Hand. Natürlich nur, wenn es die Umstände erlauben! So einfach geht Spielen. Etwas mehr davon täte der Welt gut.

    Kinder spielen, um zu lernen, sich auszuprobieren und die Welt zu begreifen. Erwachsene, vor allem um Spaß zu haben, sich abzulenken und zu entspannen. Das klingt weniger wichtig, nicht nach Notwendigkeit, sondern nach Zeitvertreib, nach Realitätsflucht. Kinder sollen, Erwachsene dürfen spielen.

    Auf der derzeit stattfindenden Nürnberger Spielwarenmesse geht es aber schon lange nicht mehr nur um Kinderkram. Sondern um das Neueste für die sogenannten Kidults, also die Jungen und die Junggebliebenen. Das Marktforschungsunternehmen Circana schätzt den europäischen Markt für Erwachsenenspielzeuge zuletzt auf 5,7 Milliarden Euro, fast ein Drittel des gesamten Spielwarenmarkts. In Frankreich testet eine Spielwarenkette bereits erste Filialen nur für Kidults. Nichts wie raus aus dem Alltag … und sei es mit dem Wildblumenstrauß von Lego aus 939 Teilen, eines der begehrten Erwachsenenspielzeuge.

    Grönlandkrise? Ach, lieber schnell ein paar Schollen erobern

    Das kann man natürlich etwas lächerlich finden und die Infantilisierung der Welt beklagen. Erwachsene, konnte Friedrich Schiller denn so etwas ahnen, als er schrieb: „Der Mensch … ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Oder aber man kann einfach mal wertfrei feststellen: Der Kinderkram tut offenbar auch den Großen gut. Grönlandkrise, Wirtschaftskrise, Klimakrise … da baut man doch mal lieber weiter am Modellauto, puzzelt den Eiffelturm zusammen oder aber versucht sich mit der Familie an der x-ten Erweiterung des Brettspiels „Siedler von Catan“, erobert spielerisch ein paar Schollen.

    Ludologen, also Spielforscher, weisen seit Jahren nimmermüde auf die Vorzüge des Spielens für Erwachsene hin. Eben auch als Teil der Krisenbewältigung, als Lernfeld für die Realität: Neue Strategien entwickeln, Lösungen finden, Angst abbauen, ein Ziel erreichen, vielleicht sogar gemeinsam. Und das alles im zweckfreien Schonraum. Denn das Spielen genügt sich selbst. Es soll nichts als Freude bereiten. Und: Wer spielt, tut sich etwas Gutes, entspannt das Gehirn, baut Stress ab, wird mit Glückshormonen geflutet, stärkt das Immunsystem. Was im Grunde doch alles nach dem nächsten Achtsamkeitsbaustein im Longevity-Programm klingt. Spielend alt werden. Mit Schlaf, Sport, Speis und eben Spiel … und dazu noch ein paar Supplements.

    Und damit zurück zum Anfang, wie einfach Spielen sein kann – und zwar ganz ohne Zubehör, ohne Brett, ohne Bausteine, ohne KI: Alles einmal mit der anderen Hand machen – dieser Tipp stammt aus dem Mitmachbuch „Spielen“ der Schriftstellerin Karen Köhler. Sie hat darin noch mehrere solche Ideen. Einen Tag nur Lebensmittel einer Farbe essen, in der Öffentlichkeit summen, einen anderen Weg zur Arbeit nehmen. Wenn das ein wenig kindisch klingt, gut so. Denn worum es dabei geht: um neue Erfahrungen, neue Perspektiven, um etwas mehr Leichtigkeit im Spiel des Lebens. Wer spielt, lebt mal ganz im Augenblick. Dabei kann man nur gewinnen.

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