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Nach Blackout in Berlin: Jetzt preppen für den Notfall?

Pro und Contra

Nach Blackout in Berlin: Jetzt preppen für den Notfall?

Sarah Schöniger
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     Ohne stabile Infrastruktur geht nichts mehr. Sich also selbst für den Notfall rüsten?
     Ohne stabile Infrastruktur geht nichts mehr. Sich also selbst für den Notfall rüsten? Foto: Adobe Stock

    Heizungen fallen aus, Läden sind geschlossen, Mobilfunk und Internet sind teilweise eingeschränkt. Der tagelange Stromausfall in Berlin hat gezeigt, wie abhängig das moderne Leben von stabiler Infrastruktur ist. Also selbst vorsorgen und sich auf den Notfall vorbereiten? Ein Pro und Contra zum Preppen.

    Pro: Ausfälle oder Angriffe auf die kritische Infrastruktur werden wahrscheinlicher

    Viele kennen es aus dem Zuhause der Großeltern: Konserven, Nudeln, Reis, Getränke, meist genug, um Wochen durchzukommen. Taschenlampen und Radio, nicht im Handy, sondern mit Batterie. Lange galten volle Vorratsschränke als altmodische Sorge aus der Nachkriegszeit. Der Stromausfall in Berlin zeigt jedoch, wie sinnvoll es ist, das Nötigste parat zu haben, wenn die Supermärkte zu, das Handynetz weg und das Licht aus ist.

    Auch deshalb, weil Ausfälle oder Angriffe auf die kritische Infrastruktur – ganz ohne Panikmache – wahrscheinlicher werden. Die zunehmenden politischen Extreme erhöhen das Risiko: linksextreme Gruppierungen wie die „Vulkangruppe“ beim Stromausfall in Berlin, rechtsextreme wie Angehörige der „Reichsbürger“-Szene, die 2022 das Stromnetz lahmlegen wollten.

    Sabotage aus dem Ausland ist ebenfalls möglich. In der Ostsee wurden in der vergangenen Woche zwei Unterseekabel durchtrennt. Fast täglich gebe es Cyberangriffe auf staatliche Institutionen und kritische Infrastruktur, erklärte der BND Anfang September. Auch ein Szenario wie der Blackout im April 2025 in Spanien und Portugal ist denkbar. Einen durch Überspannung ausgelösten Stromausfall in ganz Deutschland halten Fachleute zwar für unwahrscheinlich, Regionen könnten dennoch betroffen sein.

    Vorbereitung hat nichts mit alter Nachkriegs-Versorgungsangst oder modernen Weltuntergangs‑„Prepper“-Fantasien zu tun – sie ist schlicht vernünftig. Deshalb sollte man sich, wie es die Großeltern vorgemacht haben, mit Lebensmitteln, Wasser und Batterieradio ausstatten. Alles Weitere steht auf der Checkliste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. (Sarah Schöniger)

    Contra: Der ständige Fokus auf ein „Worst-Case“-Szenario macht das Leben unnötig stressig

    Hochwasser, Quarantäne, Blackout – Krisenszenarien lösen Ängste aus und sie verleiten dazu, sich selbst auf den Ernstfall vorzubereiten. Da lassen sich Menschen von ihren Ängsten leiten, sammeln und horten Lebensmittel, stapeln Wasserkisten, rüsten sich mit Solarzellen aus und kaufen sich einen Stromgenerator. In der Hoffnung, in einer selbstgeschaffenen Oase überleben zu können, während draußen die Welt zusammenbricht. Aber ist es wirklich sinnvoll, sich von apokalyptischen Motiven antreiben zu lassen?

    Ein kleiner Vorrat an Wasser, Medikamente und Lebensmitteln ist jederzeit sinnvoll, besonders wenn der Familienalltag aus dem Ruder läuft. Aber der Übergang von praktischer und sinnvoller Vorsorge zur Weltuntergangsvorbereitung ist fließend. Der ständige Fokus auf ein „Worst-Case“-Szenario macht das Leben unnötig stressig. Mit teurer und aufwendiger Vorbereitung versucht man, die Angst zu bändigen, ohne dass wirklich ein Notfall eintritt. Aber all die Vorräte und Gerätschaften können schnell zur Belastung werden, vor allem, wenn man sie im feuchten Keller verstaut und sich durch stundenlange Anleitungen kämpft – während die Krise längst vorbei ist.

    Gleichzeitig liegt der Fokus falsch: nur an sich zu denken. In schwierigen Zeiten sind soziale Unterstützung und Zusammenarbeit entscheidend. Menschen überleben in Gruppen und nicht als Einzelkämpfer! In der Krise helfen Spontanität, zwischenmenschlichen Fähigkeiten und Flexibilität im Umgang mit herausfordernden Situationen mehr als ein vollgestopfter Vorratsraum. So stärken wir die eigene Widerstandsfähigkeit - und nehmen uns die Angst. (Leni Fuhl)

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