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Nervig oder notwendig: Darf man über die Erkältung jammern?

Schnupfen

Dieses Schniefen und Jammern, wie nervig!

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    Erkältet? Daraus muss man doch kein Drama machen, aber ein bisschen Jammern ist schon angebracht – oder nicht?
    Erkältet? Daraus muss man doch kein Drama machen, aber ein bisschen Jammern ist schon angebracht – oder nicht? Foto: Alicia Windzio/dpa

    Pro: Man fühlt sich dann gleich ein klein wenig besser

    Erst einmal zu den Zahlen. Laut Robert Koch-Institut gibt es gerade etwa 6,3 Millionen Menschen, die schniefen. Also die sich frisch eine Erkältung eingefangen haben. Das sind somit auch Millionen Menschen, die erst einmal hoffen und sich denken: Mit Hühnersuppe und einmal durchschlafen bekomme ich das ja wohl noch in den Griff. Und die am folgenden Tagen mit der gleichen Schnupfnase wieder aufwachen und wissen, oh, hat doch nicht geklappt. Denn so ist das ja mit den Erkältungskrankheiten. Nicht wirklich schlimm, aber hartnäckiger als man denkt. Muss man da aber gleich jammern?

    Ja, man muss. Es ist unabdingbar für den Heilungsprozess. Wer die Schnupfnase und das Kratzen im Hals ignoriert und nicht artikuliert, mag sich zwar fühlen wie eine Kämpferin oder ein Kämpfer, das bisschen Virenlast wirft mich doch nicht um. Aber er verkennt die Gemeinheit der Angreifer. Erst harmlos tun und sich dann herrlich ausbreiten. Wer aber jammert, wer die Erkältung also auch ernst nimmt, der verhält sich richtig.

    Erstens also, benennen, was ist: „Fühle mich komplett zerschlagen, spüre jeden Knochen, meinst du, ich habe Fieber?“. Zweitens, ein wenig Mitleid und Fürsorge einstreichen, und sich drittens dann am besten zu Hause verbarrikadieren und Menschen meiden. Nur dann erkennen die anderen doch auch das Elend und kommen nicht mit Arbeitsvorschlägen, die der Genesung abträglich wären. Jammern und dann Ruhe geben. Das ist die Devise. Zumindest mal für einen oder zwei Tage. Und das Schöne, wer jammert, erfährt, man ist nicht allein, sondern Mitglied im Chor der Schniefenden! Das Gute: Man fühlt sich dann gleich ein klein wenig besser … (Stefanie Wirsching)

    Contra: Jammern hilft nicht und zieht nur Jammern nach sich

    Letztens bei Dr. med. Google nachgefragt, was denn hilft bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Zwiebelsaft und Kartoffelwickel empfiehlt die Netzgemeinde, Fenchelgebräu und Senffußbäder, und ... eine Ganzkörpereinreibung mit Wodka und Pfeffer? Was aber auf keiner Liste steht: mosern, ächzen, jammern! Das verjagt keine einzige Bazille aus dem Körper – und die Wehklage geht mit Nebenwirkungen einher, vor der Sie keine Packungsbeilage warnt ...

    „Jaaa, Roswitha, wie wenn einer mit der Kettensäge in die Lunge ... als ob man mit der Kratzbürste über den Rachen ... froschgrüngelblich!“ – natürlich dürfen Sie Ihr volles Leid ins Stofftaschentuch murmeln, wenn Sie sich malad fühlen. Und es tut der Seele nur gut, ein, zwei Vertraute um sein Krankenbett zu reihen, bei denen man seine Viruslast abladen kann. Mit Worten.

    Nur: Übertreibt man’s, treibt man damit auch nette Menschen, die einem den Tag aufhellen könnten, in den Wahnsinn. Wie tief wollen Sie Ihre Liebsten mit hineinziehen in ihren Körper? Bis ins Detail, bis in die Bronchien, bis in ihre Nasennebenhöhlen? Und Wimmern zieht oft Wimmern nach sich, denn nichts ist so ansteckend wie das Jammern. Sie erzählen, dass Sie gerade die Nase wortwörtlich voll haben, und schon stimmen die anderen ein am Teetisch: all die Männerschnupfenopfer und Mückenstichbelasteten, Pickelaufkratzer und Zahnsteinpatienten... So wird der Ratsch unter Freunden zur Elends-Sprechstunde, weil wir ja alle, alle leiden.

    Reden wir lieber über das Schöne, das hilft! Fassen wir Pläne für die Zeit nach der großen Schnäuzerei! Und tragen wir unsere Bazillen dorthin, wo sie hingehören: Zu Leiden, Risiken und Nebenwirkungen bejammern Sie Ihren Arzt oder Apotheker. (Veronika Lintner)

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