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Nicht im Krieg und doch schwer versehrt: So liest sich „Im ersten Licht“ von Norbert Gstrein

Lese-Tipp

Nicht im Krieg und doch schwer versehrt: Berührender Roman über einen Mitläufer

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    Veteranen des Ersten Weltkriegs: Im Roman „Im ersten Licht“ schreibt Norbert Gstrein über einen Mitläufer, der dem Krieg entkommt, aber der ihn trotzdem nicht loslässt.
    Veteranen des Ersten Weltkriegs: Im Roman „Im ersten Licht“ schreibt Norbert Gstrein über einen Mitläufer, der dem Krieg entkommt, aber der ihn trotzdem nicht loslässt. Foto: Gisela Klöck (Repro)

    Der brutale Axthieb direkt in sein Bein war vermutlich gut gemeint von seinem Vater. Doch fängt es da schon an, mit den großen Fragen, die der hervorragende Roman von Norbert Gstrein aufwirft und die ihn so aktuell machen: Ist es Liebe, wenn man seinen Sohn zum Versehrten schlägt, damit er nicht in den Krieg ziehen muss? Wie viel Schuld lädt man auf sich, wenn man ein Leben lang passiver Zuschauer aller Gräueltaten bleibt?

    „Im ersten Licht“ ist zurecht für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert

    Adrian Reiter, der Protagonist in Gstreins neuem Roman „Im ersten Licht“, ist ein Mitläufer, einer, der sich unterordnet, nie Haltung entwickelt, ein Mann ohne Eigenschaften. Doch zumindest ist ihm sein Scheitern bewusst. Geboren 1901 im Salzkammergut als Sohn eines Postbeamten und überzeugten Sozialisten, muss er infolge seiner vom Vater zugefügten Beinverletzung in keinen der beiden Weltkriege ziehen. Doch loslassen werden ihn die Kriege nie, ganz im Gegenteil. Obsessiv sucht Adrian sein Leben lang die Nähe zu Kriegsversehrten, Soldaten, Deserteuren.

    Schon in seiner Jugend, als er noch in einem Hotel arbeitet, wird er zum Vertrauten eines schwer vom Ersten Weltkrieg gezeichneten „jungen Herrn“, der sich in seinem Leid schließlich das Leben nimmt. Dessen vermögende Mutter ebnet Adrian dann den Weg zum Lehramtsstudium und legt die Basis seiner Liebe zu England. Doch auch als Geschichtslehrer erweist sich Adrian als Pedant, der nur auf Zahlen und Fakten fixiert ist, nie auf das, was vor allem aus der Geschichte zu lernen ist. Dabei wird er Zeuge fast eines ganzen Jahrhunderts in Österreich – erlebt das Ende des Kaiserreichs, Hitlers mörderische Diktatur und einen Bundespräsidenten Kurt Waldheim, dessen Umgang mit seiner Wehrmachts-Vergangenheit ausgesprochen kritikwürdig ist.

    Auch, wenn einem Adrian nicht sympathisch ist, versteht es der gebürtige Tiroler Gstrein einen unwiderstehlichen Sog aufzubauen. Vor allem auch mit seiner von eleganten Satzbögen dominierten Sprache zieht er einen in diesen berührenden Antikriegsroman, der nominiert ist für den Preis der Leipziger Buchmesse. Der Roman kommt zur rechten Zeit. Verdeutlicht er doch, was jeder Krieg mit Menschen macht. Dass wohl keiner heil herauskommt, auch nicht der passivste Mitläufer.

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