G-Kräfte im Eiskanal: Wann kommt ein Bobfahrer an seine Grenzen?
Es ist nicht immer angenehm, wenn es bei einer Achterbahnfahrt in die Kurve geht. Eine unsichtbare Kraft drückt den Körper in den Sitz und lässt den Atem stocken. Belastungen, mit denen sich viele Wintersportler tagtäglich auseinandersetzen müssen. Die sogenannten „G-Kräfte“ wirken bei Richtungsänderungen mit hoher Geschwindigkeit und verlangen insbesondere im Schlittensport den Athletinnen und Athleten alles ab. Bis zu 5 G kommen im Eiskanal auf die Sportler zu. Das entspricht einer Kraft, die fünfmal höher ist als das eigene Körpergewicht. Um bei derartigen Belastungen nicht das Bewusstsein zu verlieren, ist eine spezielle Vorbereitung vonnöten. Gezieltes Krafttraining und die richtige Position im Bob sind dabei entscheidend. Kurzzeitig lässt sich solch ein Druck aushalten, anhaltend können diese Kräfte schwere Schäden zufügen. Im Sliding-Centre von Cortina erwarten die Olympioniken Werte von an die 4,2 G.
Mehr Eis als Schnee: Wie entsteht die ideale Olympiapiste?
Eine perfekt vorbereitete Piste ist unumgänglich für schnelle Zeiten im alpinen Skisport. Doch mit Schnee allein ist es bei weitem nicht getan. Vielmehr ist die Präparierung zu einer Wissenschaft für sich mutiert. Damit es für alle Alpinen die gleichen Bedingungen gibt, muss der Untergrund möglichst hart und langlebig sein. Deshalb wird zu Beginn des Winters eine Schneedecke aus künstlichem und natürlichem Schnee geschaffen. Ist diese dick genug, injizieren Pistenarbeiter die Strecken wochenlang mit Wasser, um ein vereistes Fundament zu schaffen. Für eine glatte und ideal geneigte Fläche sorgen anschließend die Pistenraupen. Der letzte Schliff an Schlüsselstellen erfolgt per Hand. Ist es zu warm und die Piste „bricht auf“, dann wird gesalzen. Das Salz entzieht dem Schnee die Wärme und lässt ihn für kurze Zeit erhärten.
„Waxing“ für die Bretter: Was macht einen Langlaufski so richtig schnell?
Die Gleitphase ist im Ski-Langlauf der heilige Gral. Es gilt: je länger, desto besser. Maßgebend für den „schnellen Ski“ ist die richtige Präparierung des Belags. Wachs ist hier nach wie vor das Mittel der Wahl. Nationen investieren hohe Summen in das Wachspersonal und dessen Arbeitsmaterial. Denn jede Schneebeschaffenheit benötigt ihre eigene Feinabstimmung. Tausende verschiedene Wachsvarianten lagern in den Werkstätten der Techniker, die mitverantwortlich sind für Sieg oder Niederlage. Kleinste Temperaturunterschiede können den Status quo verändern. Passt das klebrige Produkt nicht zum Untergrund, ist es für die Sportler kaum möglich zu gewinnen. Mittlerweile reisen die Teams mit 20-Tonnen-Trucks an, in denen sich eine Art Wachslabor befindet. Selbst im Langlauf geht also nichts ohne eine gewisse finanzielle Potenz.
Hightech unterm Rennanzug: Wie funktioniert der Körper-Airbag?
Ungewohnt aufgebläht kommen manche Abfahrer nach einem Rennsturz wieder unten im Zielbereich an. Grund dafür ist ein Schutz-Airbag, den alpine Speedspezialisten tragen, um schwere Verletzungen zu vermeiden. Mit einem Meisterwerk der Technik um den Oberkörper stürzen sich die Skifahrerinnen und Skifahrer auf die Piste. Verbaute GPS-Tracker, Beschleunigungs- und Rotationsmesser, lösen den Airbag bei unregelmäßigen Werten aus und schwächen einen möglichen Aufprall ab. Beliebt ist das Hilfsmittel aber keineswegs. Beweglichkeit und Aerodynamik werden negativ beeinflusst. Zudem öffnet er sich manchmal zum falschen Zeitpunkt. Hilft aber alles nichts: Bei Olympia ist der Airbag Pflicht.
Medaillenjagd auf der Loipe: Wie gefährlich ist ein Biathlongewehr?
Der Deutsche Jagdverband empfiehlt für die Raubwildjagd auf Fuchs oder Waschbär unter anderem das Kleinkalibergewehr 22 LR. Die Frage, ob Biathlonsport gewisse Gefahren birgt, ist damit wohl beantwortet. Eben jenes Modell benutzen die Skijägerinnen und Skijäger bei ihren Wettkämpfen. Kein Wunder also, dass die Sicherheitsstandards extrem streng gestaltet sind. Ein Waffenschein ist nicht verpflichtend, dafür benötigen Biathleten eine Waffenbesitzkarte. Im Wettkampf beobachten die Kampfrichter mit Argusaugen das Geschehen. Schon das falsche Schultern der Waffe führt zur Disqualifikation. Im Ernstfall kann ein Schuss für den Menschen tödlich enden. Glücklicherweise kam es in der Historie zu keinen nennenswerten Unfällen auf der Loipe.
Millimeterentscheidung: Warum muss der Anzug beim Skispringen maßgeschneidert sein?
Immer wieder werden Springer in Wettkämpfen disqualifiziert, weil ihre Anzüge nicht den Regeln entsprechen. Zu groß, zu klein, eine versteifte Naht: Oft geht es um Zentimeter, gar Millimeter. Bei der WM im letzten Winter in Norwegen sorgte das heimische Team für einen Skandal, weil es seine Anzüge mit einer doppelten Naht versehen hatte. Dadurch wurde der Anzug steifer. Heißt: mehr Stabilität im Flug. Damit gleiche Chancen für alle gelten, hat der Weltverband FIS klare Regeln aufgestellt. Anzüge dürfen nicht weiter als vier Zentimeter vom Körper abstehen, aber müssen mindestens zwei Zentimeter Spiel haben. Wer überprüft diese Millimeterentscheidungen? Früher lief das noch händisch und per Augenmaß. Heute sind mehrere elektronische Chips in die Anzüge eingenäht. Sie werden vor und nach dem Sprung gescannt. Übrigens: Nach dem Scan dürfen die Springer die Anzugbeine auf der Schanze nicht mehr Richtung Knie ziehen. Das würde nämlich die Fläche im Schritt erhöhen.
Schweres aus Schottland: Was macht die olympischen Curlingsteine so besonders?
Der Curlingstein behauptet sich bis heute gegen die Synthetisierung der Welt. Noch kann es kein künstliches Material mit diesem Granit aufnehmen – abgebaut auf einer kleinen schottischen Vulkaninsel namens Alisa Craig, für Curler ein nahezu mystischer Ort. Bewohnt wird die Insel lediglich von Vögeln, zu ihrem Schutz ist der Granitabbau nur alle paar Jahre erlaubt, das letzte Mal 2020. Bereits seit dem ersten olympischen Curlingturnier 1924 wird der Granit von der Firma Kays of Scotland bezogen, die das Monopol auf den Supergranit hält. Das Besondere am schottischen Stein: Er ist extrem robust und durch seine wenigen Poren relativ bruchsicher, auch dann, wenn zwei Steine aufeinander knallen. Zwei Granitarten werden verarbeitet: Ailsa Craig Common Green, der klassischerweise für den Korpus verwendet wird, und Blue Hone, aus ihm besteht das sogenannte Laufband auf der Unterseite. .
Wertsache: Wieviel Gold steckt in einer Goldmedaille?
Der schöne Schein täuscht. Das Wort Goldmedaille lässt auf einen hohen Goldanteil hoffen, tatsächlich aber besteht die 506 Gramm schwere Auszeichnung aus Silber. Mit lediglich sechs Gramm, das ist der Mindestwert, muss sie vergoldet sein. Die Silbermedaille aus 999er-Silber (500 Gramm) und die Bronzemedaille aus Kupferlegierungen (420 Gramm) bleiben dagegen ihren Materialnamen treu. Die Medaillen stammen aus der nationalen Münzprägeanstalt Italiens (IPZS) und sind vollständig aus recycelten Metallen gefertigt. Abseits der sportlichen Auszeichnung unterscheidet sich auch der Materialwert der Medaillen beträchtlich: Demnach liegt der Wert einer Goldmedaille derzeit bei etwa 1.200 bis 1400 Euro, der für eine Bronzemedaille lediglich bei ein paar Euro.
Schwer gepanzert: Was trägt ein olympischer Eishockeytorwart alles während des Spiels?
Eishockeypucks können nach einem Schlagschuss Geschwindigkeiten von bis zu 170 km/h erreichen. Kein Wunder also, dass die Ausrüstung eines Torwartes gewisse Standards erfüllen muss. Mehr als zehn verschiedene Komponenten legen sich die Goalies vor dem Spiel an, um eine Parade unverletzt zu überstehen. Sei es nun der Brustpanzer, der Halsschutz, die gepolsterte Hose, die großen Beinschoner oder die Maske: Am Ende sieht der Rückhalt zwischen den Pfosten aus wie ein Ritter, der in die Schlacht zieht. Bis zu 20 Kilogramm tragen die Torhüter mit sich herum, umso erstaunlicher ist es, mit welcher Eleganz und Schnelligkeit sie auf Schüsse reagieren können. Früher beschränkte sich der Schutz teilweise nur auf Beischoner und Fanghandschuhe, was schwere Verletzungen nach sich zog. Heutzutage ist das Outfit ein Hightech-Produkt, das die Energie der Hartgummischeibe absorbiert und maximale Bewegungsfreiheit zulässt.
Jetzt von vorne: Warum gilt der Axel als Königssprung?
War das nun ein Salchow, ein Rittberger oder doch ein Lutz? Laien tun sich mitunter schwer, die einzelnen Sprünge im Eiskunstlaufen zu identifizieren. Am einfachsten ist es beim Axel, der nämlich wird im Gegensatz zu allen anderen vorwärts abgesprungen. Er gilt als der älteste und schwierigste der sechs Grundsprünge im Eiskunstlauf. Erfunden wurde er vom norwegischen Eiskunstläufer Axel Paulsen – daher auch der Name –, der den Sprung das erste Mal bei den Weltmeisterschaften 1882 in Wien zeigte: Er sprang vorwärts ab und kam rückwärts auf. Alle später entwickelten Sprünge setzten auf das Rückwärtseinlaufen und -springen. Dadurch fällt eine halbe Umdrehung weg, das Rückwärtsaufkommen wird leichter und die Rotation kann besser verlangsamt werden. Paulsen sprang den Axel damals einfach, dem US-Amerikaner Ilia Malinin gelang es 2022 als erstem und bisher einzigem Eiskunstläufer, ihn bei einem offiziellen Wettbewerb vierfach zu springen.
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