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Shakira im Interview vor ihrem WM-Auftritt: „Ich schreibe Songs und ich baue Schulen“

Interview

Shakira: „Ich schreibe Songs und ich baue Schulen“

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    Shakira, hier bei einem Konzert in Rio de Janeiro, singt wieder den WM-Song und sieht sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.
    Shakira, hier bei einem Konzert in Rio de Janeiro, singt wieder den WM-Song und sieht sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Foto: Silvia Izquierdo/AP/dpa

    Shakira, Sie werden zusammen mit Madonna und BTS beim WM-Finale in der Halbzeit auftreten. Wie gehen Sie an diesen Auftritt heran?

    SHAKIRA: Zunächst mal fühle ich mich natürlich unglaublich glücklich und geehrt, dass ich dabei sein werde. Diese Show wird etwas ganz Außergewöhnliches werden. Ich werde selbstverständlich meinen Song „Dai Dai“ präsentieren. Und ich glaube, dass dieser Auftritt noch bedeutsamer sein wird als alles, was ich bei früheren Weltmeisterschaften erlebt habe. Denn „Dai Dai“ ist viel mehr als ein reines WM-Lied.

    Inwiefern?

    SHAKIRA: Der Song ist eine Botschaft an jedes Kind, dem man gesagt hat, sein Traum sei zu groß. Er ehrt Legenden des Fußballs wie Pelé, Messi und Ronaldo – aber nicht als bloße Hommage, sondern um uns an Folgendes zu erinnern: Jeder Champion hat einmal als Kind angefangen, das gekämpft hat, das aber nie aufgegeben hat, weil ihn jemand unterstützt hat. Hinter jedem Champion stehen immer Menschen, die an ihn glauben. Das ist meine Botschaft.

    „Dai Dai“ ist also mehr als nur ein fröhlicher Sommersong?

    SHAKIRA: Ja, absolut. Wir wollen sicherstellen, dass die Bedeutung von Bildung und die Wichtigkeit, in Bildung zu investieren, an diesem Abend der eigentliche Star ist. Das klingt vielleicht groß, aber es ist ein konkreter Plan. Wir arbeiten hart daran, mehr als 100 Millionen Dollar zu sammeln, die gezielt für Bildungsprojekte eingesetzt werden sollen – für genau jene Kinder, die keinen Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung haben. Derzeit sind bereits rund 40 Millionen Dollar zusammengekommen, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Ich spende 100 Prozent meiner Einnahmen aus diesem Song an den FIFA Global Citizen Education Fund. Das bedeutet: Jedes Mal, wenn jemand den Song streamt oder das Video ansieht, trägt er dazu bei, mehr Chancen für Kinder auf der ganzen Welt zu schaffen – von Uganda über Kolumbien bis nach Mumbai.

    Bildung ist seit Langem ein persönliches Herzensthema für Sie, oder?

    SHAKIRA: Ich mache seit meinem 18. Lebensjahr im Grunde zwei Dinge: Ich schreibe Songs, und ich baue Schulen. Und jetzt, bei dieser WM, kommen diese beiden Leidenschaften endlich zusammen. Dieser WM-Song trägt eine Botschaft in sich, die weit über den Fußball hinausgeht. Er hat die Kraft, Menschen aus der ganzen Welt zu vereinen, damit wir gemeinsam etwas für die Bildung unserer Kinder tun können. Denn das einzige Werkzeug, das wir wirklich haben, um die Welt zu verändern, ist Bildung. Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zuzuziehen – und es braucht uns alle als Erwachsene, um Kindern die Chancen zu geben, die sie verdienen.

    Als Sie 2010 für die WM den Song „Waka Waka“ aufgenommen haben, schien die Welt voller Aufbruchstimmung und Optimismus. Das 2026er-Grundgefühl ist weitaus pessimistischer mit Krisen, Kriegen und vielerorts einer gespaltenen Gesellschaft.

    SHAKIRA: Ja, dem stimme ich zu.

    Hat Musik generell für Sie das Zeug, unser aller Stimmung zu verbessern?

    SHAKIRA: Ich denke, es ist gerade jetzt notwendiger denn je, dass die Menschen zusammenkommen. Die Algorithmen manipulieren die Reaktionen der Menschen, spalten sie, wiegeln sie gegeneinander auf. In dieser Welt brauchen wir die Begeisterung für eine gemeinsame Sache – wie zum Beispiel Fußball oder eben auch Musik. Musik hat die Kraft, Menschen zu verbinden, die sonst nichts miteinander verbindet. Und wenn diese Kraft einem so wichtigen Ziel dient wie der Bildung, dann halte ich das wirklich für etwas sehr Bedeutendes.

    Was macht für Sie überhaupt einen großartigen WM-Song aus? Was muss ein Lied haben, damit es die Fans noch lange nach dem Turnier im Ohr behalten?

    SHAKIRA: So ein Song braucht einen kraftvollen Beat, zu dem alle tanzen können. Dazu Energie, Leidenschaft und eine klare, kohärente Botschaft. Aber was auch entscheidend ist, ist so ein gewisses Element der Innovation, das neugierig macht und aufhorchen lässt. Deshalb habe ich mir auch Zeit gelassen, diesen Song zu entwickeln. Als ich ihn der FIFA präsentiert habe, waren alle begeistert, weil er all diese Zutaten vereint, die ich mir für einen WM-Song wünsche.

    Wann wissen Sie, ob ein Song etwas taugt?

    SHAKIRA: Ich mache meine Musik immer zunächst für mich selbst. Wenn mich ein Song zum Tanzen bringt und mir ein gutes Gefühl gibt, dann weiß ich, dass er stimmig ist. „Dai Dai“ ist definitiv ein Feel-Good-Song. Er handelt von Entschlossenheit und davon, dass ein echter Sieger auch Schwierigkeiten kennt. Und trotzdem ist er leichtherzig, hymnisch und einfach wie gemacht, um sich dazu zu bewegen.

    Ed Sheeran hatte bei „Dai Dai“ ebenfalls seine Finger im Spiel. Wie ist der Song genau entstanden?

    SHAKIRA: Auf eine sehr natürliche Weise. Ich sagte zu Ed, „Du, lass uns etwas für diese WM machen.“ Er war sofort dabei, denn es war schon immer sein Traum, Musik für eine Weltmeisterschaft zu machen. Er hat seinen Teil beigetragen, ich habe mein eigenes Ding daraus gemacht und den Rest der Worte und der Musik wirklich sehr schnell geschrieben. Alles ging ganz leicht, ganz so wie damals bei „Waka Waka“. Es gibt Songs, bei denen man mehr kämpft, und Songs, bei denen alles so natürlich fließt, als wäre es schon immer dagewesen. Das ist wie bei einer Skulptur, die bereits im Stein steckt. Der Bildhauer muss nur das überschüssige Gestein abtragen, um sie zum Leben zu erwecken.

    „Waka Waka“ gilt als einer der besten WM-Songs aller Zeiten. Welche Bedeutung hat diese Nummer für Sie heute, sechzehn Jahre später?

    SHAKIRA: „Waka Waka“ hatte einen enormen Einfluss auf mein Leben. Er ist aber nicht nur einer der größten Songs meiner Karriere, sondern er hat auch darüber hinaus mein Leben verändert. Er hat mich zur Mutter gemacht, denn dank „Waka Waka“ habe ich den Vater meiner Kinder kennengelernt. Ich konnte diese zwei wunderbaren Kinder haben. Milan ist jetzt 13, Sasha 11, die beiden sind die Sonne meines Lebens und das Schönste, das mir je passiert ist. Ich bin dankbar, dass ich meine „Waka-Babies“ habe. Ich wollte Mutter werden, seit ich ein Kind war – das war immer einer meiner tiefsten Wünsche und eine noch größere Priorität als meine musikalische Karriere.

    Sie sind jetzt seit 30 Jahren professionell im Musikgeschäft tätig. Nächstes Jahr werden Sie 50. Gab es jemals einen Moment, in dem Sie das Gefühl hatten, Ihren Zenit überschritten zu haben?

    SHAKIRA: Ehrlich gesagt nein – ganz im Gegenteil. Es ist seltsam, aber obschon ich das schon so lange machen, fühle ich mich noch immer, als würde ich gerade erst anfangen. Ich bin so leidenschaftlich wie eh und je, so verliebt in meine Karriere wie immer. Ich staune selbst, wie gut ich das verbinden kann, einerseits Mutter mit ganzem Herzen zu sein und andererseits so sehr für meine Musik zu brennen wie am ersten Tag. Ich stehe gerade wirklich auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Und wenn ich das sage, blicke ich nach oben und denke: Mein Gott, du schaust wirklich nach mir. Ich fühle mich vor allem unglaublich glücklich, solche Fans zu haben, die mich seit über 30 Jahren mit ihrer Loyalität und Liebe begleiten, die auch meine Fehler verstehen und vergeben. Auch sie sind meine Familie. Wenn ich auf der Bühne stehe, fühlt es sich an wie zu Hause.

    Was waren die hellsten und dunkelsten Momente in Ihrem Leben – beruflich wie persönlich?

    SHAKIRA: Der hellste Moment meines Lebens war, meine zwei Kinder auf der Welt zu empfangen. Das ist das Schönste, das mir je widerfahren ist. Die dunkelsten Momente? Das war, glaube ich, als ich den Zerfall meiner Familie erleben musste – der Familie, die ich mir erträumt hatte, für immer zu erhalten. Das war echt hart damals. Ich musste mich um meinen Vater kümmern, der schwer gestürzt war und auf der Intensivstation lag, und zur gleichen Zeit erfuhr ich durch die Medien, dass meine Familie nicht mehr bestehen würde. Ich habe so viel Schmerz erlebt, aber auf eine unerwartete Weise hat mich dieser Schmerz vielleicht zu einem weiseren Menschen gemacht, oder zumindest zu einem stärkeren. Man sagt, was dich nicht umbringt, macht dich stärker, und das stimmt. Es ist erstaunlich, zu erkennen, welche Resilienz in uns Menschen steckt. Das Leben kann manchmal hart sein, aber es ist auch wunderschön. Es besteht aus Licht und Schatten. Und ich bin dankbar für jeden einzelnen Moment – für die hellen und für die dunklen. Ach, ich danke sogar den Menschen, die mir wehgetan haben, denn sie sind meine Lehrer geworden und haben mir wertvolle Lektionen erteilt.

    Sie haben nicht nur spanische und kolumbianische, sondern auch italienische Wurzeln. Was sagen Sie dazu, dass Italien bei der WM nicht dabei ist?

    SHAKIRA: Ich war supertraurig, als sich Italien nicht hat qualifizieren können. Ja geradezu untröstlich. Aber so ist es halt.

    Und zu wem halten eigentlich Ihre Söhne? Sie sind Kolumbianerin, ihr Vater, Ex-Nationalspieler Gerard Piqué, ist Spanier.

    SHAKIRA: Oh, das ist einfach (lacht). Wenn Kolumbien spielt, tragen sie das kolumbianische Trikot, und wenn Spanien spielt, das spanische.

    Sie werden ab Mitte Dezember eine ganze Reihe von Konzerten in Madrid in einem extra für Sie errichteten Pop-up-Stadion spielen. Warum ausgerechnet Madrid? Und denken Sie, das Konzept der sogenannten „Residencies“ ist die Zukunft der Livemusik?

    SHAKIRA: Ja, ich denke, diese Residency-Formate werden eine wichtige Rolle in der Zukunft der Branche spielen. Was wir präsentieren wollen, ist die größte und tollste Show, die ich je in meinem Leben gespielt habe. Und das geht besser, wenn man dafür an ein und demselben Ort bleibt. Für Madrid haben wir uns entschieden, weil Madrid eine der lebendigsten Städte Europas ist. Ich liebe Madrid. Alle lieben Madrid. Wir hatten zunächst drei Shows geplant, aber die Nachfrage war so groß, dass wir immer mehr hinzugefügt haben. Mittlerweile sind wir bei zwölf Stadionshows. Und ich werde dort alles geben. Es wird neue Elemente geben, neue Songs, besondere Gäste. Ich werde jeden Abend die Bude einreißen, das verspreche ich (lacht).

    Zur Person Es läuft bei Shakira. Anfang Mai spielte die Kolumbianerin am Copacabana-Strand das größte Konzert ihres Lebens vor zwei Millionen Menschen, der Oberste Gerichtshof in Spanien sprach sie jüngst vom Vorwurf des Steuerbetrugs frei und ordnete die Rückzahlung von satten 55 Millionen Euro an, und mit ihrem neuen Song „Dai Dai“ (Italienisch für „Auf geht’s“) sorgt der 49-jährige Weltstar des Latin-Pop für eine Portion des dringend nötigen WM-Vorfreudekribbelns. Shakira, die mit ihrem ersten englischsprachigen Album „Laundry Service2002 weltweit berühmt wurde, hatte jahrelang mit dem früheren spanischen Fußballstar Gerard Piqué in Barcelona gelebt. Nach der Trennung verließ die Sängerin aus der kolumbianischen Stadt Barranquilla vor knapp vier Jahren mit den zwei gemeinsamen Söhnen ihre langjährige Wahlheimat. Seitdem lebt sie in Miami im US-Bundesstaat Florida.

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