In Australien sind soziale Medien für unter 16-Jährige bereits tabu, in Dänemark wird darüber diskutiert. Aber kann ein Verbot von Tiktok und Instagram junge Menschen vor dem Dauergedaddel schützen?
Pro: Ein Verbot kann Teenager vor polarisierenden Inhalten schützen
Wer mittags nach Schulende im Bus unterwegs ist, kann sie nicht übersehen: Jungen und Mädchen, die dicht über ihre Handys gebeugt dasitzen und von ihrer Umwelt nichts mitbekommen. Abgesehen davon, dass sie alle vermutlich schon mit Mitte zwanzig Rückenprobleme haben werden, fragt man sich, wo der Sinn dahinter ist. Der Blick aus dem Fenster mag nicht allzu spannend sein, aber wie wäre es, wenn sie sich unterhalten würden und vielleicht nicht nur über die neuesten TikTok-Trends?
Ein Social Media Verbot würde helfen, vorausgesetzt es würde so konsequent umgesetzt werden, wie es eine Initiative im Bundestag kürzlich forderte. Dann wären alle Plattformen zu einem Mindestalter ab 16 Jahren verpflichtet und Jugendliche müssten beim Erstellen des Accounts ihr Alter verifizieren. Bisher können sie das vorgeschriebene Alter von 13 Jahren mit einem falschen Geburtsdatum umgehen. Und dann? Stundenlanges Scrollen durch Videos, die Augen werden überanstrengt, die Aufmerksamkeitsspanne nimmt immer weiter ab. Für viele ist mittlerweile schon ein zweiminütiges Video zu lang, aber macht ja nichts, weiter geht’s zum nächsten.
Die Social-Media-Plattformen wissen, wie sie Kinder und Jugendliche süchtig nach ihrem Content machen. Genau da würde das Verbot Einhalt gebieten, denn wer sich nicht schon mit 13 Jahren an das ewige Scrollen und Liken gewöhnt, geht damit anders um, wenn er älter ist. Dazu kommt, dass Teenager einigen polarisierenden Inhalten ausgesetzt sind, wie etwa rechten Verschwörungs-Bubbles oder sogenannten „Manfluencern“, die Jungs eintrichtern, Frauen seien „Abschaum“. Dann lieber ein Verbot und Kinder einfach Kinder sein lassen. (Kathrin Heimlich)
Contra: Ein Verbot löst die Probleme nicht, sondern verschiebt sie nur
Schlafprobleme, depressive Verstimmungen und Mobbing: Forschungsergebnisse legen nahe, dass eine häufige Nutzung von sozialen Medien Kinder und Jugendliche krank und abhängig machen kann. Auf den ersten Blick mag es daher sinnvoll erscheinen, sie bis zu einem gewissen Alter von den Plattformen fernzuhalten. Ein pauschales Verbot, wie es einige Politikerinnen und Politiker fordern, setzt jedoch am falschen Ende an.
Dass Kinder immer früher in sozialen Netzwerken unterwegs sind und ihre Bildschirmzeit in der Tendenz steigt, ist nicht ihr eigenes Verschulden – sondern das der Plattformen. Das Geschäftsmodell der Betreiber besteht im Kern darin, User so lange wie möglich auf ihren Apps zu halten, um deren Daten auswerten und ihnen möglichst viel Werbung unterjubeln zu können. Dank personalisierter Algorithmen und Tricks wie „Endlos-Scrolling“ geht dieser Plan hervorragend auf.
Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren den Zugang zu verwehren, löst das Problem nicht, sondern verschiebt es nur in ihre Zukunft. Sie brauchen kein Verbot, sondern jemanden, der sie begleitet und aufklärt – denn Medienkompetenz entsteht durch verantwortungsvolle Nutzung, nicht durch Abschottung.
Der digitale Raum ist längst fester Bestandteil unseres sozialen Miteinanders. Und auch Kinder und Jugendliche haben das Recht, daran teilzunehmen. Warum nicht versuchen, ihn für alle besser zu machen, indem Plattformen stärker reguliert und die Betreiber zur Verantwortung gezogen werden – anstatt über die Köpfe einer Gruppe hinweg zu entscheiden, deren Stimme ohnehin kaum Beachtung findet? (Sophia Krotter)
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren