Die Idee war einst so simpel: Filme und Serien online zu streamen, sollte alles leichter machen. Schauen, worauf man Lust hat. Wann immer man will. Ohne nervige Werbeunterbrechungen. Ein schier endloser Katalog an Filmen und Serien und jeder Geschmack wird bedient. Doch heutzutage reicht bereits eine neue, vielbesprochene Serie, um die Einschränkungen des Systems offenzulegen. Wer ein Abo bei Anbieter X besitzt, stellt mit einem Seufzen fest, dass die Serie nur bei Anbieter Y läuft. Was nun? Den Kumpel nett darum bitten, seine Zugangsdaten für Disney Plus zu schicken – nur um zu realisieren, dass selbst das Teilen dieser inzwischen oft an technischen Schranken scheitert. Der Traum von filmischer Freiheit hat sich in eine Streaming-Hölle verwandelt, die nicht nur unübersichtlich, sondern auch zunehmend teurer wird.
Amazon, Disney, Netflix: Gefangen in der Hölle der tausend Streaming-Anbieter
5 Euro für das Netflix-Abo. Oh, vielleicht doch besser das (teurere) Abo ohne Werbung. Und Amazon Prime hat gerade ein Angebot für Azubis - Ka-ching! Der Blick auf den Kontostand wird erst mal lieber gemieden. Deshalb, und vielleicht auch ein bisschen aus Trotz, begehen immer mehr Menschen Film- und Serienpiraterie – also das illegale Kopieren, Verbreiten oder Nutzen von Filmen und Serien. Dabei sollten Streamingdienste ursprünglich eine Lösung für genau das darstellen.
Dass Piraterie nicht begangen werden sollte, ist selbsterklärend. Jedoch stellt sich die Frage, ob Streamingdienste nicht eine Teilschuld an dieser Entwicklung tragen. Denn anstatt wie versprochen, Zugang zu allen Filmen und Serien für kleines Geld zu bekommen, sieht die Realität mittlerweile anders aus. Ein Beispiel: Star Trek Fans. Bis zur dritten Staffel lief „Star Trek: Discovery“ nur bei Netflix. Die Rechte für die Serie sicherte sich 2021 der derzeitig neue Streamingdienst Paramount Plus, wo fortan die Serie abrufbar war. Dies löste zur Überraschung von niemandem Unmut unter internationalen Fans aus. Diese warteten nun, bis der amerikanische Streamingdienst auch in ihren Ländern verfügbar war, und mussten zähneknirschend in ein weiteres Abo investieren. Oder sie wurden eben zu Piraten.
Netflix blockiert die Mehrfachnutzung von Accounts
Und immer mehr Menschen setzen die digitale Augenklappe auf. Der wirtschaftliche Verlust durch Filmpiraterie wird allein in diesem Jahr auf umgerechnet 64 Milliarden Euro geschätzt und soll sich bis 2028 fast verdoppeln. Da kommen bei so manch einem Millennial Erinnerungen hoch, an die wilde Piraterie zur Zeit der Jahrtausendwende. Lust auf Musik oder einen Film? Auf zu „The Pirate Bay“ oder „Kino.to“. Millionenschaden für die Branche. Kostenlos für Nutzer. Viren inklusive. Und die beste Freundin hat ein neues Videospiel? Ich kam, ich sah, ich brannte die CD.
Aber zurück in die Gegenwart: Die aktuelle Zunahme an Film- und Serienpiraterie gibt Streamingdiensten sicherlich den nötigen Anstoß, ihr Angebot zu reformieren. Oder? Nö. Stattdessen geht Netflix inzwischen strenger gegen das Teilen von Konten vor. Das war vor allem bei jungen Leuten beliebt, die sich für einen geringen Preis ein Konto mit ihrem Freundeskreis teilen konnten. Es war zwar theoretisch von Anfang an verboten, wurde aber trotzdem lange Zeit von Netflix geduldet. Neuerdings ist diese Funktion aber nur noch innerhalb desselben Haushalts möglich. Ein Zusatzmitglied kann zwar hinzugefügt werden, aber nur für einen Aufpreis. Die ein oder anderen versuchten dies mit einer VPN – eine Technologie, die den wahren Standort eines Gerätes verschleiert – zu umgehen. Doch diese kann unter Umständen von Netflix erkannt und blockiert werden.
Auch Amazon Prime und Disney Plus machen sich unbeliebt
Auch Amazon Prime und Disney Plus machen sich unbeliebt. Diese Anbieter schalten seit einiger Zeit Werbung, sofern Nutzerinnen und Nutzer nicht auf das teurere, werbefreie Abo umgestiegen sind. Im Endeffekt zahlen die Leute also mehr, bekommen aber eine kleinere Auswahl. Die Devise der Streaminglandschaft scheint Quantität über Qualität – und Nutzer haben die Nase voll.
Für zusätzlichen Frust sorgt die Unsicherheit des Angebots. Wer eine DVD kauft, dem gehört sie. Punkt. Bei Streaming-Abos hingegen gehört der Katalog nicht den Nutzern selbst, sondern bleibt Eigentum der Anbieter. Läuft eine Lizenz aus, verschwindet ein Titel über Nacht aus der Bibliothek. Sogar, wenn er zuvor zum Vollpreis erworben wurde. Das ist vollkommen legal, aber für viele ein Schlag ins Gesicht. Gut, aber wenn die Filme nicht zum Eigentum gehören, sondern nur die Lizenz erworben wird – ist Piraterie dann technisch gesehen überhaupt Diebstahl? Diese Frage raunt das Teufelchen auf der Schulter ins Ohr. Nein, aber es stellt eine Urheberrechtsverletzung dar, flüstert das Engelchen und zeigt auf die AGB. Es bleibt illegal.
Kommt nach dem Streaming die Rückkehr zur Television?
Serien-interessierte Leute stehen nun also vor einer Vielzahl an Abos, ständig wechselnden Katalogen und steigenden Preisen. Eine Kombination, die Piraterie für viele verlockend macht. Eine mögliche Antwort darauf wären Zusammenschlüsse oder Paketlösungen der Anbieter. Hm, das kommt einem Déjà-vu gleich … als hätte es sowas Ähnliches nicht schon unter dem Begriff „Television“ gegeben. Ist die Lösung etwa, zum Ursprung zurückzukehren? Bis dahin hissen wohl viele weiterhin die Totenkopfflagge.
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