Dass Spielzeug auf der Kinoleinwand landet, ist keine Neuigkeit. Mit „Transformers” (2007) verwandelte Michael Bay Hasbros Actionfiguren in ein lukratives Franchise, später folgten Lego-Movies, und Greta Gerwig fand mit „Barbie” (2023) einen feministisch-ironischen Zugang zum Puppenuniversum. Nun holt Regisseur Travis Knight die Spielfiguren seiner Kindheit aus dem Keller: die „Masters of the Universe”-Reihe, die Mattel in den Achtzigern auf den Markt brachte.
Damals gehörten zum Marketingkonzept eigene Comichefte, Zeichentrickfilme – und ein Kinofilm, der die Verkaufszahlen ankurbeln sollte. Gary Goddards „Masters of the Universe” (1987) ging an der Kinokasse unter, spielte nicht einmal seine Produktionskosten ein. Dolph Lundgren verkörperte He-Man mit kühlschrankgroßem Brustkorb und geschultertem Zauberschwert – vollkommen talentfrei. Als B-Movie mit Qualitäten vornehmlich im Bereich der unfreiwilligen Komik brachte es das Spektakel bei einer eingeschworenen Fangemeinde zu einem gewissen Kultstatus.
Amazon Studios investieren 170 Millionen Dollar in „Masters of the Universe“
Dass die Amazon Studios im Verein mit Mattel nun 170 Millionen Dollar in das Remake eines Mega-Flops investieren, wirkt auf den ersten Blick skurril. Aber Profit wird hier nicht allein an der Kinokasse gemessen, sondern am Merchandising. In erster Linie ist dieser Film 132-minütiges Product Placement im Kinoformat.
Es beginnt auf dem Planeten Eternia, wo Prinz Adam nur widerwillig zum Kampftraining bei dem alten Haudegen Duncan (Idris Elba) antritt und das magische Schwert von Grayskull beheimatet ist. Als Skeletor (Jared Leto) und seine furchterregenden Kämpfer Eternia im Sturm nehmen, flieht Adam mithilfe der Magierin Sorceress (Morena Baccarin) – und verliert beim Landeanflug auf die Erde das Zauberschwert. Fünfzehn Jahre später arbeitet er (Nicholas Galitzine) in der Personalabteilung eines Großunternehmens und versucht, sich ins Erdenleben zu fügen.
„Masters of the Universe“ verbindet Büroalltag mit Schlachtfeld
Nur als er bei einem Date nach seiner Herkunft gefragt wird, verschreckt er die junge Frau mit seiner Fantasy-Familiengeschichte. Manisch sucht er im Netz nach dem Schwert, das die letzte Verbindung zu seiner eigentlichen Existenz darstellt. Er findet es schließlich in einem Comic-Fan-Shop – und kurz darauf treten auch schon Skeletors Söldner auf den Plan, um das Objekt der Begierde an sich zu reißen. Nur mithilfe seiner früheren Schulfreundin Teela (Camila Mendes) kann Adam fliehen und in seine alte Heimat zurückkehren. Dort bläht sich seine Statur zu einem durchtrainierten Muskelkörper auf, der sich fortan in knappem Lendenschurz-Kostüm präsentiert. Zusammen mit Teela und ihrem Vater Duncan macht Adam sich daran, die Tyrannei zu beenden.
Die Story kommt direkt aus der Fantasy-Retorte. Trotzdem gelingt es Knight, den generischen Charakter des Projektes zeitweise zu verdecken, indem er seinen Helden ins schillernde Licht der Selbstironie setzt – etwa wenn Adam seine Erfahrungen aus der Personalabteilung zur Motivation seiner Mitstreiter einsetzt. Diese ironischen Verbindungen zwischen Büroalltag und Schlachtfeld sind das Amüsanteste an dem Film. Den übersichtlichen Plot, die vorhersehbaren Figurenentwicklungen und rituellen Schlachtengemetzel lockern sie aber nur punktuell auf. Nach zwei moderat unterhaltsamen Kinostunden sucht man vergeblich nach einem Sinn und Zweck, der über die Merchandising-Strategien des Spielzeugherstellers hinausweist.
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