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  3. Interview: Igor Levit: „Ich bin Aktivist, sowohl online als auch offline“

Interview
14.02.2022

Igor Levit: „Ich bin Aktivist, sowohl online als auch offline“

Der Pianist Igor Levit.
Foto: Christoph Soeder, dpa

Der Pianist Igor Levit ist nicht nur Musiker, sondern gleichzeitig auch ein politisch engagierter Mensch. Er macht einen Unterschied zwischen Gegnern und Feinden.

Was bedeutet Hoffnung für Sie?

Igor Levit: Menschen sind Hoffnung. Daran will ich glauben. Ich habe nichts, worin ich meine Hoffnung setzen könnte, außer Menschen.

Welche Rolle spielt die Hoffnung in der Kunst?

Levit: Jede menschliche Emotion ist Hoffnung, jede mögliche Geste, jedes mögliches Gefühl oder jeder Gedanke im Epizentrum jedes Kunstwerks. Der einzige Grund, warum Menschen Kunst erschaffen, ist, um sich selbst zu verstehen: Warum man fühlt, was man fühlt, warum wir leben.

Das könnte auch eine Leere sein, ein Nichts.

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Levit: Ich glaube nicht, dass es in der Musik möglich ist, sich eine Leere vorzustellen. Man hört etwas, Punkt. Wenn man zuhört, passiert etwas. Man ist inmitten von etwas, das sich entwickelt, bewegt, verändert.

Unterscheidet sich die Musik insofern von anderen Kunstformen?

Levit: Möglicherweise. Der Komponist Ferruccio Busoni hat Musik „klingende Luft“ genannt. Musik ist immateriell. Sie ist vollkommen endlos, weil unsere Gefühle keine Grenzen haben.

Wenn Musik uns mit uns selbst verbindet – kann sie uns auch dazu bewegen zu handeln?

Levit: Sie kann uns stärken. Sie kann Menschen zusammenbringen. Wenn wir Musik machen oder hören, erschaffen wir eine Atmosphäre der Hoffnung. Aber sobald sie verstummt ist, ist Stille, wirkliche Stille und die Verantwortung liegt bei uns.

Kann Kunst als Aktivismus fungieren?

Levit: Absolut. Wenn man Klang mit Worten verbindet, erschafft man ein Lied, und ein Lied kann ein ideologisches Statement werden, ein politisches Statement. Ich bin mir nicht sicher, ob rein instrumentale Musik ideologisch werden kann. Aber nehmen Sie Frederic Rzewski und sein Stück „The People United Will Never Be Defeated!“, das sich auf ein Revolutionslied bezieht. In Rzweskis Version ist das ein aktivistisches Werkzeug.

Was verbindet Sie mit dieser Tradition politischer Musik – einschließlich Schwarzer Musik, Spirituals, dem Blues?

Levit: Nun, das betrifft auch eine bestimmte Art von Stücken von jemandem wie Beethoven. Seine Oper „Fidelio“ und seine „Heroische Sinfonie“ zielten ganz klar auf das politische gesellschaftliche Establishment. Und Wagners „Ring der Nibelungen“ ist eines der am meisten antikapitalistischen Musikstücke, die es gibt. Natürlich ist Wagner ein höchst kompliziertes Thema – aber es hat niemals einen Musiker gegeben mit so viel politischer und künstlerischer Relevanz und solchem Einfluss wie Richard Wagner.

Sie haben gerade zum ersten Mal die Rolling Stones live gesehen – wie war das?

Levit: Es war ein lebenslanger Traum, ein Konzert von ihnen zu sehen. Was mich am meisten berührt hat, hat mit Hoffnung und Aufrichtigkeit zu tun. Keith Richards stand auf der Bühne und sagte: „Mensch, ist es toll, hier bei Ihnen zu sein.“ Das war kein PR-Gag. Das war kein Instagram-Post. Das kam von Herzen. Die sind einfach glücklich, zusammen zu sein. Es fühlte sich wirklich an wie eine Gemeinschaft. Die Tatsache, dass ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen diese aufrichtige Zusammengehörigkeit erschaffen können, gibt mir Hoffnung.

Welche Rolle spielen Künstler heute in einer Welt, die gezeichnet ist von gewaltigen Transformationen?

Levit: Wie Nina Simone vor Jahrzehnten gesagt hat: Die Rolle einer Künstlerin ist es, ihre Zeit zu reflektieren.

Wie kommt man von Reflexion zu Aktion?

Levit: Ich bin Musiker, ich mache Musik. Ich lebe ein kompliziertes Leben. Ich habe in Situationen gespielt, die vielleicht manchmal gegen meine politischen Glaubenssätze verstoßen haben. Aber die Welt ist unordentlich. Was ich tun kann, ist mit gewissen Stücken Verbindungen herzustellen. Ich kann einen gewissen Zusammenhang herstellen. Ich kann Musik kontextualisieren. Aber sobald ich am Klavier aufhöre zu spielen, bin ich ein Mensch da draußen in der Welt. Und ja, ich bin Aktivist, sowohl online wie auch insbesondere offline. Das geht Hand in Hand.

Sie haben während der Bundestagswahl für die Grünen Wahlkampf gemacht.

Levit: Ich bin vor ein paar Jahren beigetreten. Sie haben mir enorm geholfen, als ich von der extremen Rechten bedroht wurde. Ich bin ein sehr kritisches Mitglied. Aber als während der Flüchtlingskrise und dann der Eurokrise große Teile Deutschlands, Teile der Medien und viele politische Parteien begannen, gewisse ethnische Gruppen und europäische Länder zu verachten, haben die Grünen ihre Position nicht geändert. Das achte ich sehr.

Hinter den Kulissen sprechen Sie mit Politikern fast aller Parteien: Sind Sie eigentlich weniger ein Aktivist als ein Diplomat?

Levit: Möglich, dass ich einer geworden bin. Ich habe gelernt, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen einem Gegner und einem Feind. Es gibt Leute, gewisse Journalisten, gewisse Politiker, mit denen ich in fast keiner Sache übereinstimme. Aber ich würde nie mit ihnen den Kontakt abbrechen, denn man muss im Gespräch bleiben. Und dann gibt es Menschen, die Ideen verteidigen, die mein Leben bedrohen. Mit denen spreche ich nicht. Das sind meine Feinde.

Kommt so Wandel zustande – wenn man mit Menschen arbeitet, statt gegen sie?

Levit: Noch mal, die Welt ist chaotisch. Und alles, was wir tun können, wenn wir im Schlamm stehen, ist einen Schritt nach dem anderen zu machen, einen Schritt nach dem anderen. Ich glaube nicht an diese Idee, dass ein neuer Tag angebrochen ist. Ich glaube nicht daran, dass wir am Ende sind. Ich finde, beide Vorstellungen sind pseudo-religiöser Unsinn. So funktioniert die Welt nicht. Ich versuche bloß, ein guter Mensch zu sein. Und mich Schritt für Schritt an die Realität anpassen und die Richtung zu ändern, in der die Welt sich bewegt. Und das geht nicht ohne Gespräche.

Können Sie diesen Satz vervollständigen: Für mich ist das persönlich, weil …

Levit: … es das Einzige ist, was ich in meinem Leben habe, an das ich glauben kann.

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Die Interview-Serie über eine bessere Zukunft entsteht durch die Zusammenarbeit mit „The New Institute“. The New Institute ist eine Neugründung in Hamburg, deren Ziel die Gestaltung gesellschaftlichen Wandels ist. Seit Herbst 2021 arbeiten hier bis zu 35 Fellows aus Wissenschaft, Aktivismus, Kunst, Wirtschaft, Politik und Medien gemeinsam leben und an konkreten Lösungen für die drängenden Probleme in den Bereichen von Ökologie, Ökonomie und Demokratie. Gründungsdirektor ist Wilhelm Krull. The New Institute ist eine Initiative des Hamburger Unternehmers und Philanthropen Erck Rickmers. Mehr Informationen unter www.thenew.institute

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