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Kinderbuch der Superlative: „Der fantastische Bus“ von Jakob Martin Strid

Kinderliteratur

Das Bilderbuch des Jahres: „Der fantastische Bus“ von Jakob Martin Strid

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    Was für ein Gewimmel! Mit großer Liebe zum Detail zeichnet Jakob Martin Strid das Zuhause einer Schar tierischer Freunde.
    Was für ein Gewimmel! Mit großer Liebe zum Detail zeichnet Jakob Martin Strid das Zuhause einer Schar tierischer Freunde. Foto: Jakob Martin Strid/Kunstmann Verlag

    Dieses Buch handelt von einem Superlativ - und es ist selbst ein Superlativ: Jakob Martin Strids Bilderbuch „Der fantastische Bus“, das in Deutschland schon als das schönste Kinderbuch des Jahres gefeiert wird. In Dänemark, der Heimat Strids, wurde das Buch 2023 zum meistverkauften Kinderbuch, obwohl es erst im November erschienen war. Der Autor wurde zudem mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Bekannt ist Strid in Deutschland schon länger, denn von ihm stammt auch „Die Unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“, das Lesestoff in vielen Kinderzimmern ist.

    15 Jahre hat Jakob Martin Strid an „Der fantastische Bus“ mit Pinsel und Stiften gezeichnet

    Rund 15 Jahre hat der Illustator an „Der fantastische Bus“ gezeichnet, gänzlich analog mit Pinsel, Blei- und Filzstiften, auf großformatigen Panels - Kunstwerke, die in Kopenhagen und Odense auch in einer Ausstellung gezeigt wurden. Zum Buch gebunden sind sie ein Prachtexemplar mit 2,6 Kilogramm Gewicht, aufgeklappt ist es über 70 Zentimeter breit, erzählt wird von einem Roadtrip in ein Märchenland, das ein besseres Leben verheißt. Sparsam ist der Text um die großartigen Illustrationen gruppiert, deren Originalität und Detailreichtum auch beim wiederholten Lesen und Schauen immer noch Neues entdecken lässt. Zugegeben - auch der Preis des Mammutwerkes ist ein Superlativ: 68 Euro. Dafür bekommt man ein Buch, das ein Liebling der ganzen Familie sein kann.

    Die Geschichte beginnt in Ahnstarr City, einer Metropole mit hohen Wolkenkratzern, bunten Reklametafeln und verkehrsverstopften Straßen. Das Gegenstück zu dieser trubeligen Welt findet sich am Hafen: eine illegal gebaute Siedlung mit individuell zusammen gezimmerten Hütten, in denen eine Schar tierischer Freunde lebt; eine Gemeinschaft, in der man sich umeinander sorgt und kümmert: neben vielen anderen der Löwe Tolstoi, der Hund Lucas, der Kater Spir, das Hündchen Taku, das die Geschichte erzählt.

    Nur die Safran-Lilie aus Balanka kann Timo retten

    Die Welt, in der sie leben, ist aus den Fugen geraten. Es ist die Zeit nach einem Atomkrieg, alles rundherum ist zerstört, im letzten verbliebenen Land herrscht ein Diktator und die Idylle am Hafen ist gefährdet. Schon haben Bagger das erste der Häuschen abgerissen, der kleine Timo liegt schwerkrank in seinem Bett. Helfen kann ihm nur die Safran-Lilie, die in dem fernen Land Balanka wächst.

    Der kleine Timo liegt krank im Bett.
    Der kleine Timo liegt krank im Bett. Foto: Jakob Martin Strid/Kunstmann Verlag

    Zu traurig für ein Kinderbuch, diese trostlose Szenerie? Nein, denn Jakob Martin Strid füllt sie mit der Wärme, die die Freunde einander geben, ihrem Einfallsreichtum, der sie auch schwierige Situationen bestehen lässt und ihrer Zuversicht, dass alles besser werden kann. Nach Balanka wollten Tolstoi und Lucas schon vor vielen Jahren reisen und mussten wieder umkehren, diesmal wollen sie es zusammen mit all ihren Freunden schaffen, um sich eine neue Zukunft aufzubauen.

    Der fantastische Bus ist ein Wohnmobil mit Kabinen, Kuschelecke und Küche

    Und hier kommt nun das Gefährt ins Spiel: der fantastische Bus, ein mehrstöckiges Wohnmobil mit Kabinen, Kuschelecke und Küche, aber auch mit Kurbeln, Kabel und Klimaanlage, zehn Rädern und Flügeln; nicht zu vergessen die zwei alten Phantom-8-Kristall-Jetmotoren mit 18.500 PS, die Lucas und Tolstoi noch in einer Halle stehen haben. Die technische Ausführung dieses Projektes, die sich schon im Vorsatz andeutet, macht die Faszination dieses Buches mit aus. Nächtelang tüftelt, schraubt und montiert die ganze Truppe an diesem Fahrzeug, mit dem Tiger und Löwe, Katze, Hund und Bär, Zebra, Dachs, Fuchs sich auf den Weg machen wollen - und wer dabei an die Arche Noah denkt, liegt vermutlich nicht ganz falsch.

    Einiges geht schief auf der Fahrt durch Wüsten und Steppen, auf Berge und an den Nordpol, in den Himmel zu den Göttern, manche Bewährungsprobe ist zu bestehen, aber das Unterwegssein mit Freunden allein ist es wert. „Und sollten wir nie nach Balanka kommen, macht das auch nichts, dachte ich. Einfach für immer unterwegs zu sein nach Balanka wäre schon genug“, findet Erzähler Taku irgendwann.

    Jakob Martin Strid gibt den Tieren in "Der fantastische Bus" eigene Geschichten.
    Jakob Martin Strid gibt den Tieren in "Der fantastische Bus" eigene Geschichten. Foto: Jakob Martin Strid/Kunstmann Verlag

    Denn es ist ja nicht nur die sagenhafte Reise, die uns Jakob Martin Strid in seinen Bildern aus den unterschiedlichsten Perspektiven miterleben lässt, in all den verspielten Ecken des Fahrzeugs ebenso wie in den großformatigen Landschaftstableaus, die der Bus wie ein Wundergefährt aus einer anderen Welt durchmisst. Es sind auch die Figuren, denen der 52-Jährige mit Mimik und Physiognomie, aber auch durch eigene Geschichten Tiefe gibt: der traurige Tolstoi, Lucas, der ein Alkoholproblem hat, Taku, dessen Vater weit weg in einer Fabrik arbeiten muss.

    Jakob Martin Strid hat „Der fantastische Bus“ seinem heute 15-jährigen Sohn gewidmet, der noch gar nicht auf der Welt war, als sein Vater mit dem Zeichnen dafür begann. Mit und an diesem in jeder Hinsicht großen Buch können nun auch lesende Kinder wachsen.

    Cover zu "Der fantastische Bus"
    Cover zu "Der fantastische Bus" Foto: Kunstmann Verlag

    Jakob Martin Strid: Der fantastische Bus. Aus d. Dänischen von Sigrid C. Engler; Kunstmann, 204 Seiten, 68 Euro - ab 4

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