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Nach 81 Jahren: Vermisste Bücher kehren in Straßburger Unibibliothek zurück

Geschichte

Ein Buch kehrt zurück nach 81 Jahren

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    Alte Bücher erzählen ihre ganz eigenen Geschichten.
    Alte Bücher erzählen ihre ganz eigenen Geschichten. Foto: picture alliance/dpa

    Woran werden wir denken, wenn unser Leben – an einem hoffentlich fernen, friedlichen Tag – zu Ende geht? An welche Kapitel all der Jahre? Die geheime Liebelei, die man nie verraten hat? Die kleine Notlüge vor dem Finanzamt? Die ersten Schritte der Enkel? Die Heckenschere, die der vermaledeite Nachbar nie zurückgegeben hat? Einer Französin jedenfalls, spukte in ihren letzten Lebenstagen eine uralte Geschichte durch den Kopf. Eine Geschichte zwischen Buchdeckeln.

    „Die wahre Johanna von Orléans“ kehrt zurück

    Fünf Bände lagen in ihrem Regal. Hatte sie kurz ausgeliehen, aus der Bücherei. Aber dann doch nie zurückgegeben. Das Jahr der Ausleihe? 1943! So lange lag das Gedruckte schon im Regal und drückte auf ihr Gewissen. Deshalb rief die Dame aus dem Elsass nun ihre Enkel zu sich: „Sie hat uns gesagt: Gebt sie nach meinem Tod zurück“ – so erzählen es die Enkel, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

    Marguerite Klein war Studentin, 20 Jahre, als sie damals nach Lesestoff suchte in der Unibibliothek von Straßburg. Und sie fand: Jeanne d’Arc. Nationalheilige in Rüstung, Retterin der Franzosen, von ihr erzählten die fünf Bände „Die wahre Johanna von Orléans“. Zufallslektüre? Das Elsass stand 1943 unter der Gewalt von Nazideutschland. Die Faschisten verbrannten französische Bücher, verbannten die französische Sprache. Klein wollte die Bände auch eines Tages zurückgeben, aber auf dem Weg vom Heimatdorf in die Stadt, zur Uni, fielen Bomben auf ihren Zug. „Sie kam mit den Büchern unter dem Arm zu Fuß zurück ins Dorf.“

    Die Lücke in der Unibibliothek von Straßburg ist geschlossen

    Mit den Jahren wuchs ihre Angst: Was, wenn sie mich doch erwischen? Anzeige? Säumnisgebühr in Millionenhöhe? Seit einer Inventur 1960 stand ein Schild im Unibücherei-Regal, an jener Stelle, wo Jeanne d’Arc fehlte: „vermutlich verloren“. Aber jetzt haben die Enkel die Bände zurückgebracht. Ein Historiker mutmaßt: „Vielleicht hat die Dame die Bücher sogar gerettet.“

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