- Young Sherlock (ab 4. März, Prime Video) – England in den 1870er Jahren: Sherlock Holmes ist hier ein abenteuerlustiger 19-Jähriger, der als Hilfskraft am altehrwürdigen Oxford-College jobbt. Doch ein rätselhafter Mordfall zieht Holmes (Hero Fiennes Tiffin) in ein Netz aus Intrigen und führt den angehenden Meisterdetektiv mit seinem künftigen Erzfeind James Moriarty (Dónal Finn) zusammen. Starregisseur Guy Ritchie wagt mit der Serie „Young Sherlock“ die unbekümmerte Dekonstruktion einer literarischen Ikone: Wo Arthur Conan Doyle ein Symbol viktorianischer Ratio schuf, macht Ritchie aus Holmes einen modernen Action-Helden. Man darf also grübeln, wie viel Verfremdung eine solche Figur verträgt, bevor sie ihre Identität verliert – oder man lässt sich einfach von dem humorvollen Spektakel mitreißen. Für zusätzlichen Starappeal sorgen hochkarätige Darsteller wie Colin Firth und Joseph Fiennes.
- Vladimir (ab 5. März, Netflix) – Sie ist attraktiv, wohlhabend, Professorin – und steckt mit Mitte 50 in einer tiefen Sinnkrise. In dieser frivolen und ironischen romantischen Komödie durchbricht die von Rachel Weisz verkörperte Heldin immer wieder die vierte Wand, um dem Publikum ihr Herz auszuschütten: In Job und Ehe ist die Luft raus, sie fühlt sich schlicht nicht mehr gesehen. Das ändert sich schlagartig, als der verführerische Juniorprofessor Vladimir (Leo Woodall) ans College kommt und ihre erotische Fantasie Purzelbäume schlagen lässt. Der Achtteiler spielt geschickt mit der Grenze zwischen Realität und Tagtraum und erzählt ebenso humorvoll wie „spicy“ von den sinnlichen Bedürfnissen im akademischen Elfenbeinturm. Die Serie zieht ihr Publikum direkt hinein in das emotionale Chaos einer Frau im mittleren Alter, die einfach keine Lust mehr hat, nett zu sein – aber dafür sehr viel Lust auf gewisse andere Dinge.
- Rooster (ab 9. März, HBO Max) – Seine Rolle als Bürochef in „The Office“ machte ihn zum Star: Steve Carell, einst Amerikas inoffizieller King of Comedy, kehrt nach etlichen eher satirischen oder ernsten Rollen zu seinen komödiantischen Wurzeln zurück: Er verkörpert den unbeholfenen Greg Russo, der mit literarisch eher mäßig wertvollen Romanen über den hypermaskulinen Helden „Rooster“ Erfolge feiert. Die Handlung setzt ein, als Greg für eine Lesung ans liberale College eingeladen wird, an dem seine Tochter Katie (Charly Clive) unterrichtet – deren Ehe ist gerade zerbrochen. Greg bleibt als Gastdozent am Campus, um ihr beizustehen, eckt in der modernen Welt mit ihren Gen-Z-Studenten laufend an und strauchelt von einer Katastrophe in die nächste, ohne sich unterkriegen zu lassen. Emotionale Tiefe, Humor und Wohlfühl-Atmosphäre: Die Handschrift der Macher von „Ted Lasso“ und „Scrubs“, die hinter dieser sympathischen Comedyserie stecken, ist deutlich spürbar.
- Vanished (ab 13. März, ARD-Mediathek) – Matthias Schweighöfer wird oft als „unser Mann in Hollywood“ gehandelt. Im Vergleich zu Oscar-Preisträger Christoph Waltz backt er in der Traumfabrik zwar meist kleinere Brötchen, immerhin darf er in dieser Thrillerserie aber als markanter Gegenspieler glänzen. Vor der Kulisse Südfrankreichs und in den Straßen von Marseille trifft er auf Kaley Cuoco: Die einstige „Big Bang Theory“-Ikone spielt hier die Archäologin Alice, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Partner Tom spurlos aus einem Zug verschwindet. Auf ihrer Suche stößt Alice auf ein Geflecht aus Verbrechen. Anfangs glaubt sie noch, in Toms Kollegen Alex (Schweighöfer) einen Verbündeten gefunden zu haben – ein Irrtum. „Vanished“ punktet aber als kurzweilige Unterhaltung mit rasanten Verfolgungsjagden und einer Prise Hochglanz-Action.
- Code of Silence (ab 27. März, ARD-Mediathek) – Wenn die Stille Bände spricht: Die gehörlose Alison (Rose Ayling-Ellis) arbeitet in der Polizeikantine von Canterbury. Da sie eine exzellente Lippenleserin ist, wird sie für eine verdeckte Ermittlung gegen eine Gang angeworben. Was als Auswertung von Überwachungsvideos beginnt, entwickelt bald eine gefährliche Eigendynamik: Getrieben von ihrem Ehrgeiz, taucht Alison tiefer in die Gangsterwelt ein, als es die Polizei erlaubt, und verstrickt sich in eine riskante Romanze mit einem der Verdächtigen. Die atmosphärische Thrillerserie nutzt raffinierte visuelle Effekte – etwa verzerrten Text bei undeutlichen Lippenbewegungen –, um Alisons Wahrnehmung unmittelbar greifbar zu machen. Es ist faszinierend, diesem notorisch unterschätzten Working-Class-Aschenputtel bei der Arbeit zuzusehen. Dabei ist die Perspektive der Gehörlosigkeit kein bloßes Gimmick: Sie dient als dramatisches Werkzeug, das die Spannung konsequent vorantreibt.
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