Eine Familie mit fünf Kindern, die in Hamburg eine bezahlbare Wohnung sucht, das hört sich nach einem Sozialdrama an und ist der ernste Hintergrund des Kinderbuchs „Das nennt man Glück“. Doch Cornelia Franz hat diese Geschichte der Familie Mirza mit leichter Hand als turbulentes Abenteuer geschrieben, ohne das Thema zu banalisieren. Freude und Spaß haben darin genauso ihren Platz wie traurige Momente und Enttäuschungen. Meike Töpperwiens illustriert diese vielschichtige Geschichte mit fröhlichen Schwarz-Weiß-Bildern, in denen das Mienenspiel der Charaktere für viel Erheiterung sorgt.
Im Kinderbuch „Das nennt man Glück“ suchen die Kinder eine neue Wohnung für die Groß-Familie
Um für die Familie eine größere Wohnung zu finden, nehmen die neunjährige Janan, aus deren Perspektive erzählt wird, und ihre Brüder die Sache selbst in die Hand. Mit Einfallsreichtum, kindlichem Charme, großem Optimismus und viel Energie gehen sie auf die Suche nach einem neuen Zuhause, in dem sie endlich mehr Platz haben als nur ein Zimmer. Sie verteilen Aushänge, suchen im Internet, fragen auf Baustellen nach, machen Besichtigungstermine aus und müssen dabei auch erfahren, mit welchen Ressentiments ihnen als irakisch stämmiger, kinderreicher Familie die Menschen begegnen. „Eine siebenköpfige Familie, bei der der Vater als Koch so wenig verdiente, dass er auch noch ständig Überstunden machen musste - die stand ganz, ganz hinten in der Schlange.“
Doch das Glück, von dem im Titel des Buchs die Rede ist, bezieht sich nicht nur auf den größeren Wohnraum, der schließlich gefunden wird, sondern auch auf den Zusammenhalt, die Liebe und Fürsorge in der Familie. Berührend und warmherzig erzählt Franz vom Umgang der Eltern mit ihren Kindern, von der gegenseitigen Anteilnahme und dem Halt, den sich Eltern und Kinder geben. Als Babas Neffe im Irak durch eine Landmine ein Bein verliert, veranstalten die Kinder einen Flohmarkt, um Geld für eine Beinprothese zu sammeln.
Erfrischendes Kinderbuch: „Das nennt man Glück“ von Cornelia Franz
Cornelia Franz schärft mit ihrem Kinderbuch das Verständnis für eine andere soziale Realität als sie viele ihrer Leserinnen und Leser selbst erleben. Als Janans Brille kaputt ist, führt das zwar zu witzigen Situationen, doch wahr ist auch, dass das Geld für eine neue Brille erst einmal nicht da ist. Wie Respekt und Fürsorge, Akzeptanz und Empathie, die man anderen zukommen lässt, erwidert werden, das lässt sich mit der Lektüre dieses einfühlsamen und dabei so erfrischenden Kinderbuchs erfahren.
Cornelia Franz: Das nennt man Glück. Gerstenberg, 144 Seiten, 16 Euro - ab 8
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