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"Wuthering Heights": Der Roman von Emily Brontë als große, böse Lovestory

Kino-Kritik

"Wuthering Heights": Der Roman von Emily Brontë als große, böse Lovestory

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    In zerstörerischer Liebe verbunden: Heathcliff (Jacob Elordi) und Catherine (Margot Robbie) in der Neuverfilmung des Romans „Wuthering Heights“.
    In zerstörerischer Liebe verbunden: Heathcliff (Jacob Elordi) und Catherine (Margot Robbie) in der Neuverfilmung des Romans „Wuthering Heights“. Foto: Warner Bros. Pictures/dpa

    Die erste Adaption im Stummfilmformat von Emily Brontës „Wuthering Heights“ (dt.: „Sturmhöhe“) geht auf das Jahr 1920 zurück. Seitdem wurde der 1847 unter einem männlichen Pseudonym veröffentlichte Roman fast 30 Mal für Kino und Fernsehen verfilmt. Im Schnitt alle drei bis vier Jahre arbeiteten sich Filmschaffende an der toxischen Liebesgeschichte ab, deren Anziehungskraft in ihrer Undurchdringlichkeit liegt. Zwei Ich-Erzähler. Keine Identifikationsfigur. Keine moralischen Einordnungen. Und definitiv kein Happy End. Auf die zeitgenössische Leserschaft des viktorianischen Englands wirkte das verstörend. Aber gerade diese düstere Kraft und radikale Ambivalenz haben dem Roman seinen Status als Klassiker der Weltliteratur eingebracht.

    Nun hat sich Regisseurin Emerald Fennell („Promising Young Woman“) den Stoff vorgenommen, ihn mit erfrischender Unerschrockenheit auf die zentrale Lovestory zurückgeschnitten und einen neuen, gezielt sinnlichen Zugang zur Vorlage gelegt. Es beginnt nur mit einem Geräusch, dem schweren, sich langsam steigernden Atem eines Mannes. Erst als die Kamera den Blick auf das Geschehen freigibt, wird klar, dass es sich hier mitnichten um orgiastisches Schnauben als um das letzte Röcheln eines Gehängten handelt. Dessen Ableben wird auf dem Marktplatz von einem großen Publikum gebannt verfolgt. Darunter auch die junge Catherine, in deren schreckgeweitete Augen sich bald Faszination und schließlich mit der johlenden Menge auch Euphorie mischen. Eine ähnliche innere Aufgewühltheit setzt die Ankunft eines Findeljungen in ihr frei, den der cholerische, trunksüchtige Vater als „Haustier“ für seine Tochter aus Liverpool mit auf den Gutshof in Wuthering Heights gebracht hat. Zwischen dem Mädchen und dem Jungen, den sie Heathcliff tauft, entsteht eine enge Bindung, die über das Geschwisterliche hinausgeht. Wenn der gewalttätige Vater Catherine bedroht, nimmt Heathcliff alle Schuld und alle Schläge auf sich.

    Margot Robbie und Jacorb Elordi spielen das einander verfallene Paar

    Schon in der ersten halben Kinostunde zeigt sich die Qualität von Fennells Inszenierung, die eine intensive Nähe zu den Kinderfiguren herstellt. In deren unschuldige Liebe zueinander mischen sich schon früh emotionales Kalkül, Abhängigkeitsgefühle und Gewalterfahrungen. Als einige Jahre später der schwerreiche Textilfabrikant Edgar (Shazad Latif) das Anwesen im fruchtbaren Nachbartal übernimmt, kann Catherine (Margot Robbie) es kaum erwarten, den neuen Hausherren kennenzulernen, der ihr schon bald einen Heiratsantrag macht. Trotz widerstrebender Gefühle entscheidet sich Catherine für die sichere Partie im goldenen Käfig. Der enttäuschte Heathcliff (Jacob Elordi) galoppiert wütend von dannen in den blutroten Abendhimmel – um wenige Jahre später als reicher Geschäftsmann nach Wuthering Heights zurückzukehren.

    Eigentlich will er sich nur an ihr rächen, aber schon bald siegen auf beiden Seiten die Anziehungskräfte, was in angemessener Ausführlichkeit bebildert wird. Natürlich entfernt sich Fennell hier gezielt von der literarischen Vorlage, in der entsprechend der sittlichen Vorgaben der Entstehungszeit von Sex keine Rede ist. Aber ihre Strategie, den erotisch aufgeladenen Subtext von Brontës Roman herauszuarbeiten und deutlich zu unterstreichen, bewährt sich auf der Leinwand. Die zerstörerische Kraft, die sich aus der dramatischen Liebesbeziehung entwickelt, ergibt im Kontext einer sexuellen Obsession sehr viel mehr Sinn als in einem prüden romantischen Korsett. Schließlich ist „Wuthering Heights“ mit seiner rohen Emotionalität aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als etwa Jane Austens „Stolz und Vorurteil“.

    Weiblichem und männlichem Begehren wird gleichrmaßen Raum gegeben

    Dabei überführt Fennell den Klassiker keineswegs ins Softporno-Format à la „Fifty Shades of Grey“, sondern findet zu einer visuellen Sinnlichkeit, in der weiblichem wie männlichem Begehren gleichermaßen Raum gegeben wird. Ohnehin überzeugt der Film mit einer fantastischen Bildgestaltung. Stimmungsvolle Naturaufnahmen von windumtosten Hochmoorlandschaften, durch die sich die Braut mit einem gigantischen wehenden Schleier den Weg bahnt. Opulent ausgestattete Innenräume, in denen der obszöne Luxus mit schrillen Farben veranschaulicht wird. Und immer wieder intime Nahaufnahmen, aus denen heraus sich die lodernden Blicke der Liebenden in den Kinosaal hinein brennen. „Wuthering Heights“ ist definitiv ein Film, den man auf der großen Leinwand und nicht auf dem verschmierten Display eines Smartphones genießen sollte. Ob das Werk, wie vom Verleih beworben, das ideale Valentinstag-Event ist, darf jedoch entschieden bezweifelt werden. Denn mit rosaroter Romantik hat diese große, vergiftete Lovestory, in der die dunklen und bösartigen Seiten obsessiver Liebe kraftvoll herausgearbeitet werden, nichts zu tun.

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