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Landsberg

04.05.2019

AfD-Spitzenkandidat Meuthen in Landsberg - Gegendemonstranten protestieren

Europa für alle - kein zurück in den Nationalismus
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Auch das nasskalte Wetter konnte zahlreiche Demonstranten von ihrem Protest gegen die AfD nicht abhalten.
Bild: Thorsten Jordan

AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen sprach im Landsberger Sportzentrum. Das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus hielt trotz strömenden Regens eine Mahnwache.

Es dürfte der Wahlkampftermin zur Europawahl gewesen sein, der im Landkreis Landsberg die meisten Menschen mobilisiert hat: Anhänger und Gegner der AfD gleichermaßen. Bundessprecher Jörg Meuthen sprach um 19 Uhr auf einer Kundgebung in der Wandelhalle des Landsberger Sportzentrums. Bereits um 18 Uhr begann vor dem Veranstaltungssaal eine Mahnwache des Landsberger Bürgerbündnisses gegen Rechtsextremismus. Allerdings: Vor dem Sportzentrum dürfte der Schneeregen die Zahl der Teilnehmer niedrig gehalten haben und auch im Saal blieb mehr als ein Drittel der 300 Plätze frei.

Europa für alle - kein zurück in den Nationalismus
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Landsberger demonstrieren gegen AfD-Kandidat Meuthen
Bild: Thorsten Jordan

Auf beiden Seiten etwa gleich viele Teilnehmer

Zwei Wahlkampftermine nehme Meuthen vor der Europawahl in Bayern wahr, hatte Edeltraud Schwarz, die Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Oberbayern-Süd-West im Vorfeld gesagt. Meuthen kam direkt von einer Veranstaltung seiner Partei in Unterfranken nach Landsberg, um die Kernpunkte der AfD zur Europawahl vorzustellen.

Das Bürgerbündnis und #Landsbergbleibtbunt wollte gegen das ihrer Meinung nach ausgrenzende, islamfeindliche, antidemokratische und europafeindliche Wahlprogramm der AfD protestieren. Anders als beim Auftritt der AfD-Politikerin Beatrix von Storch vor der Landtagswahl im September gab es keinen Demonstrationszug und keine Kundgebung auf dem Hauptplatz.

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So liefen die Veranstaltung der AfD und die Gegendemonstration im vergangenen Jahr ab:

Der laute, aber friedliche Protest gegen die AfD

Die Angst der AfD vor dem Islam und den Zuwanderern

Trotz Schneeregens fanden sich zur Mahnwache auf dem Schlüsselanger an die 200 Teilnehmer ein, "nicht um gegen die AfD, sondern um für eine pluralistische Gesellschaft zu demonstrieren", wie Oliver Wild vom Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus zur Begrüßung sagte.

Grünen-Stadtrat und Bürgerbündnis-Mitglied Moritz Hartmann hält die anstehende Europawahl für richtungsweisend. Für Hartmann sind es die Themen Klimaschutz, Zukunft der Demokratie und Migration, die anstehen. Wichtig sei, dass möglichst viele zur Wahl gehen. "Eine hohe Wahlbeteiligung ist das Beste für Europa."

Die Demonstranten haben keine Angst vor Veränderungen

SPD-Stadtrat Felix Bredschneijder wandte sich gegen die Politik der AfD, Angst zu schüren: "Ich habe keine Angst, dass etwas anders wird." Und er plädierte für Menschenrechte und Meinungsfreiheit, eine Meinungsfreiheit, die auch eine Veranstaltung wie die der AfD im Sportzentrum ermögliche.

Die Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Grüne) zitierte den ehemaligen AfD-Politiker Markus Plenk, der die Partei wegen extremistischer Tendenzen verlassen hat und sie als im Kern fremdenfeindlich bezeichnet habe. "Die Partei ist eine Gefahr für die Demokratie", so Triebel. Zu Musik der Funk- und Soulband Dr. Karananga wurde dann noch im Regen getanzt.

Wie LT-Redakteur Gerald Modlinger die AfD und die Mahnwache wahrnahm, lesen Sie hier: Landsberg und die AfD: Offenheit und Abwehrhaltung

Gegen 19 Uhr begann schließlich die Veranstaltung mit Jörg Meuthen. Der AfD-Spitzenkandidat nahm dabei sowohl die Union wie auch Sozialdemokraten und Grüne ins Visier. Dem CSU-Spitzenkandidaten Manfred Weber, der EU-Kommissionspräsident werden will, warf Meuthen in seiner gut einstündigen Rede vor, aus Machtstreben die deutschen Interessen hintanzustellen. Fest machte er diese These daran, dass Weber in den polnischen Medien kundgetan habe, die Erdgasleitung North Stream 2 verhindern zu wollen, die russisches Erdgas nach Deutschland liefern soll: "So jemand darf niemals Kommissionspräsident werden." Und im Spitzenkandidaten der europäischen Sozialdemokraten, dem Niederländer Frans Timmermans, breche sich die "Sprache der unmenschlichen sozialistischen Ideologie" Bahn, weil dieser komplett offene Grenzen wolle und eine "globale Multikulturalität" anstrebe.

Den von ihm attestierten Irrsinn in der europäischen Politik versuchte Meuthen anhand von vier EU-Verordungen über neapolitanische Pizza, Schnullerketten, die elektrische Leitfähigkeit von Honig und die Qualität von Kondomen zu veranschaulichen. "Mit dieser degenerierenden Dekadenz wird der Kontinent von den wirklichen Gefahren deimmunisiert", folgerte der Politiker weiter. Als solche benannte er vor allem die Migration und die "tatsächlichen ökologischen Probleme", zu denen die AfD ausdrücklich nicht die Schadstoffe aus dieselbetriebenen Autos zählt, wie an dem Abend mehrfach deutlich wurde.

Begleitet wurde die Mahnwache und die AfD-Veranstaltung von einem massiven Polizeiaufgebot. Zu Zwischenfällen kam es offenbar nicht. "Das war eine ruhige Sache", hieß es am späten Abend aus der Landsberger Polizeiinspektion.

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