Apfeldorf Berthold Heidemann ist seit einiger Zeit wieder zurück in Apfeldorf, feierte mit Familie und Freunden Silvester und seinen Geburtstag. Und er verarbeitete die Anstrengungen und Erlebnisse als „Weihnachtstrucker“. Wie berichtet, war er mit seinem Hilti-Lastwagen am 26. Dezember Richtung Rumänien gestartet, um die vielen zuvor in der Region gesammelten Pakete dort abzuliefern. Am selben Tag starteten weitere 35 Lkw, die alle gut beladen mit insgesamt 41000 Lebensmittelpaketen Richtung Osten losfuhren. Für Berthold Heidemann ging es mit weiteren zehn Sattelzügen konkret nach Odorheiu-Secuiesc in Rumänien.
„In den vergangenen Jahren machten eisige Temperaturen und Schnee in den Karpaten den Fahrern zu schaffen, 2011 hingegen entwickelte sich die Fahrt aufgrund des Tauwetters in eine wahre Schlammschlacht“, berichtet der Apfeldorfer im Nachhinein.
Unbeheizte Kinderheime
Bereits zum dritten Mal entlud er die Pakete an teilweise denselben Stationen und ist nach wie vor sichtlich bedrückt über die Verhältnisse dort, die sich in drei Jahren kaum verändert hätten. „Noch immer leben Kinder in Heimen, die zum größten Teil unbeheizt sind. Auch die körperliche Entwicklung zeigte kaum Fortschritte.
Doch dieser Anblick wurde durch die strahlenden Augen bei der mittlerweile traditionellen Keksverteilung wieder wettgemacht.“ Der zweite Entladetag übertraf alles bisher Erlebte. Gemeinsam mit allen Fahrern fuhr man in ein abgelegenes Dorf. „Die dortigen Verhältnisse sind unvorstellbar. Nicht nur die Behausungen, die wie Provisorien anmuten, sondern auch die unmenschlichen Bedingungen machten diesen Besuch so emotional“, berichtet Berthold Heidemann.
Eine 18-jährige fünffache Mutter, die versucht, ihre Kinder durch den Winter zu bekommen, oder der nach Hundekot stinkende Morast, der die Wege zu den Hütten bedeckt – beides kann der Apfeldorfer nicht so schnell vergessen. „Die unendliche Dankbarkeit der Menschen und die Kinder, die trotz fehlender Privatsphäre glücklich und stolz ein Paket nach Hause schafften, machten auch diesmal wieder klar, wie unbeschreiblich wichtig die Aktion für diese Menschen ist.“ Einem etwa sieben Jahre alten Mädchen half der Apfeldorfer dabei, das schwere Paket in die Hütte zu tragen und war schockiert über die Verhältnisse, wie er sagt: „In den Hütten stank es nach Rauch durch den Holzofen und den mangelnden Abzug.“ Weitere vier Kinder begrüßten ihn lächelnd in der etwa sechs Quadratmeter großen Hütte. „Unvorstellbar, dass dort sechs Personen essen, schlafen und leben.“
Verständlich, dass da der Silvesterabend für Berthold Heidemann im Kreis seiner Lieben in Apfeldorf in den Hintergrund rückte und die Erlebnisse der vergangenen Tage ihn noch immer sehr beschäftigten. Mittlerweile hat er aber alles gut „verdaut“, und nach all diesen Erlebnissen ist für den Hobby-Trucker, der hauptberuflich bei Hilti Kaufering in der Entwicklung tätig ist, schon jetzt klar, sich auch 2012 wieder an der Aktion zu beteiligen. (anhei)
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