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Ausstellung: Landschaften, Viecher und Skulpturen

Ausstellung

Landschaften, Viecher und Skulpturen

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    Die Werke von (von links) Gregor Netzer, (Think Self von Andreas Joerißen), Elke Jordan und Andreas Joerißen sind nur noch heute in der Säulenhalle in Landsberg zu sehen. Gezeigt werden unter anderem (oben links) „Hören der Landschaft“ (im Ausschnitt) von Elke Jordan, (oben rechts oben) „Das Geheimnis“ von Andreas Joerißen und „Reh 2“ von Gregor Netzer.
    Die Werke von (von links) Gregor Netzer, (Think Self von Andreas Joerißen), Elke Jordan und Andreas Joerißen sind nur noch heute in der Säulenhalle in Landsberg zu sehen. Gezeigt werden unter anderem (oben links) „Hören der Landschaft“ (im Ausschnitt) von Elke Jordan, (oben rechts oben) „Das Geheimnis“ von Andreas Joerißen und „Reh 2“ von Gregor Netzer.

    Für den einen ist es, sehr konkret, ein Tier, für die anderen, eher abstrakt, eine Idee oder besondere Stimmung; für keinen der unter dem Titel „Mit und ohne Viecher“ derzeit in der Säulenhalle in der Schlossergasse in Landsberg ausstellenden drei Künstler aber ist es das unbearbeitete Material, sei es Papier, Holz oder Leinwand, das den Anstoß zur kreativen Beschäftigung gibt. „Wenn das Viech da ist“, beschreibt der leidenschaftliche Angler Gregor Netzer wie er vom Fisch zu seinen Nekrografien kommt, „wird die Arbeit gemacht.“

    Zwischen Fang und Verzehr liegt die Kunst, will heißen, der Fisch auf dem Papier. Sein Abdruck bleibt dort als Bild. Körpersubstanzen wie Haut und Fett sind das Bindemittel, an dem das aufgestreute Graphit haftet. Nicht eindeutig geklärt ist im Fall dieser archaisch anmutenden AbBilder allerdings die Urheberschaft: „Wer hat’s gemacht, der Künstler oder das Viech“, fragte Netzer während der Ausstellungseröffnung in einem von Bert Praxenthaler moderierten Künstlergespräch scherzhaft in die Runde.

    Andreas Joerißens knapp lebensgroße, farbig gefasste Figuren dagegen „entstehen im Kopf und werden mit der Zeit zum Auftrag“. Erst wenn die „Idee ihre Größe gefunden hat“ begibt er sich auf die Suche nach dem passenden Holz. Fast immer fällt die Wahl des Gillrather Bildhauers auf alte Eichenstämme aus den Wäldern der Ardennen oder Hürtgenwald nahe der deutsch-belgischen Grenze. „Beschützerbäume“ nennt er diese mit Grantensplittern gespickten „Veteranen“, die während der Schlachten des Ersten und Zweiten Weltkriegs Amerikaner, Engländer und Deutsche unterschiedslos vor Verletzung und Tod bewahrt haben.

    Deren Söhne und Enkel arbeitet Joerißen nun aus diesen alten Stämmen heraus. Nicht selten mit feinem Humor legt er etwa in „Second Personality“ eine auf dem Boden kauernde, lüstern dreinblickende Echse in Eisen und zur Sicherheit auch noch an die Leine, lässt seinem „Philosophen“ über dem Stapel von Büchern, die er auf dem Kopf balanciert, (k?)ein Licht aufgehen oder verwandelt in „Think Self“ den kantigen, metallisch silber-gefassten Kopf eines unverwandt auf sein Gerät stierenden Handybenutzers zum monströsen Datenspeicher.

    Anders die Malerin Elke Jordan: Sie riskiert nicht nur, sondern genießt vielmehr den Blick auf die reale Welt. Landschaften, von denen sie „eine besondere Stimmung empfängt“, hält sie in genau diesem Moment in Skizzen oder mit Fotografien fest, um sie gleich wieder „zu vergessen …“. Erst im Atelier, niemals vor Ort, wandelt sie ihre Eindrücke um in Malerei. Die dann – oft in großformatigen Serien – entstehenden, monochromen Landschaftsbilder befreit sie jedoch nach eigenem Ermessen und aufgrund gestalterischer Entscheidungen von den Details der Vorlage. Sie führen nicht zurück an reale Orte, sondern geben vor allem die mit ihnen verbundene Stimmung wieder. Was Elke Jordans menschenleere Leinwände am Ende zeigen, sind eher romantisch aufgefasste Seelen- als dokumentarisch festgehaltene Landschaftsbilder.

    Mit Auszügen aus den unlängst erschienenen „Rabengedichten“ stecken Elke Jordan und Gregor Netzer der ohnehin vielfältigen Ausstellung eine weitere bunte Feder an. Während Gregor Netzer mit seinen humorvoll, gerne auch einmal deftig-frivolen Reimen sicher nicht ins Fach der Lyrik wechseln, sondern eher an alte Trash-Zeiten anknüpfen möchte, zeigt sich Elke Jordan mit ihren aufgestrapsten Raben von einer ganz neuen Seite: als teils fein beobachtende, teils mit spitzer Feder witzig karikierende Zeichnerin. Der Gedichtband liegt in der Säulenhalle aus und kann dort käuflich erworben werden.

    Die Entscheidung der Künstler, sich nicht in jeweils eigene Nischen zurückzuziehen, sondern, wie Elke Jordan hinwies, „durcheinander zu hängen“, mag den Aufbau der Ausstellung erschwert haben, gelohnt hat sich die Mühe allemal.

    „Mit und ohne Viecher“, eine Ausstellung mit Landschaften von Elke Jordan, Viechern von Gregor Netzer und Skulpturen von Andreas Joerißen, hat geöffnet nur noch heute von 13 bis 19 Uhr in der Säulenhalle Landsberg.

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