Schwifting Freunde des Kunstraums Schwifting sollten die Gelegenheit nutzen, einmal hinter die Kulissen zu blicken. Denn Eric Gand, der zusammen mit Kurt Tykwer die Galerie leitet, lädt in der Sommer- und Ausstellungspause zu einem Besuch seines Skulpturengartens ein. Unmittelbar am Ortsrand gelegen, öffnet sich der Garten hinter dem alten Bauernhaus überraschend groß und weit. Ein idealer Raum für Skulpturen, die sich hier in einem steten Dialog mit dem Licht sowie den Farben und Formen der Natur befinden.
Eric Gand ist nicht nur Galerist, sondern vor allem Künstler und als Rodja Weigand auch Dichter. Seit 1976 lebt er in Schwifting und seit den 80er-Jahren entstanden seine Skulpturen aus Fundstücken in Eisen und Holz. Es sind rund 16 Arbeiten, die mitunter erst entdeckt werden wollen. Im Mittelpunkt des Gartens stehen drei hohe Stelen aus Eisenbahnschwellen, von denen zwei durch eine Eisenstange miteinander verbunden sind und eine schwere steinerne Last tragen. Die Skulpturen sind abstrakt und dennoch drängen sich Assoziationen an menschliche Gestalten auf. Das gilt auch für die beiden großen Eisenskulpturen, die hinter dem Seerosenteich Zwiesprache halten und männliche und weibliche Prinzipien verkörpern.
Die drei Holzstelen finden ein Pendant in drei Säulen, die aus Lochblech geformt wurden und sich heute zwischen den Büschen verstecken. Manche Figuren wollen in dem Garten erst entdeckt werden. So ragt aus dem Unterholz ein alter abgestorbener Baumstamm hervor, dem Eric Gand als „Krokodil“ ein neues Leben einhauchte. Weiter hinten stehen Eisenskulpturen aus Schrott komponiert, so ein hohes T-Kreuz, an dem Eisenbänder und -federn im Wind schaukeln. Daneben schwebt die jüngste Arbeit „Planet im Raum“. Ganz in der Nähe biegt sich eine große hölzerne Figur in tänzerischer Anspannung. Die Gestalt aus den 90er-Jahren heißt „Vereinigungsversuch“, ein Titel, der den Arbeitsprozess veranschaulicht.
Denn die langen, im Boden verwurzelten Beine und der Torso des Oberkörpers wurden einst als Bäume von der Natur gestaltet und erst durch den Künstler zur Figur vereinigt. Ganz hinten im Garten verbergen sich im Dickicht die „Vier Waldwächter“, abstrakte Gestalten aus Holz und Metall.
Hinter dem Teich nahe des großen eisernen Paares biegt sich eine Drahtskulptur als zarte Hohlform zwischen den Pflanzen. Das filigrane Eisengitter wurde im Laufe der Zeit rostrot, sodass die Nachmittagssonne die Skulptur im grünen Blattwerk goldrot aufleuchten lässt. Im Kontext der Natur scheint die vegetabile Skulptur wie ein Kokon weiter in den Himmel emporzuwachsen.
Spannendes Wechselspiel
Der Skulpturengarten von Eric Gand veranschaulicht einmal mehr das spannende Wechselspiel zwischen Skulptur und Natur. Dabei besticht der Garten durch seine Weite, in der auch große Bäume Platz haben. Zugleich ist es ein „Hortus conclusus“, eine in sich abgeschlossene Welt, in der man den Alltag vergessen kann. In dem Ambiente erscheint auch manch anderer Gegenstand skulptural, wie zum Beispiel ein Tisch mit einer schweren Eisenplatte, auf der die Zeit ein abstraktes Bild malte.
Öffnungszeiten Der Skulpturengarten im Kunstraum Schwifting, Kirchberg 9, ist von Juli bis September nach Vereinbarung zu besichtigen: Telefon 08191/ 12101 oder E-Mail: info@kunstraum-schwifting.de