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Obermühlhausen

01.11.2019

Bei Julia Menden kann man sich seine Urne selbst gestalten

Julia Menden aus Obermühlhausen gestaltet individuelle Urnen. Bei ihr kann man sich noch zu Lebzeiten eine Urne anfertigen lassen oder selbst gestalten.
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Julia Menden aus Obermühlhausen gestaltet individuelle Urnen. Bei ihr kann man sich noch zu Lebzeiten eine Urne anfertigen lassen oder selbst gestalten.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Sich seine eigene Urne gestalten? Klingt makaber. Aber das LT hat es ausprobiert - bei Julia Menden im Urnenwerk in Obermühlhausen. Sie hilft Kunden bei der Trauerbewältigung.

Wohl kaum jemand setzt sich gerne mit der Endlichkeit des Lebens auseinander, schon gar nicht mit der des eigenen. Traditionell sind es Tage wie Allerheiligen, an denen man sich dann aber doch mit dem Tod auseinandersetzt. Dann drängen sich fast unweigerlich Überlegungen auf, was eigentlich mit den eigenen sterblichen Überresten geschehen soll. Julia Menden kann bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen helfen. Denn die 40-Jährige hat vor fünf Jahren in Obermühlhausen bei Dießen das Urnenwerk gegründet. In ihrer Werkstatt fertigt sie Urnen nach den Wünschen ihrer Auftraggeber. Oder: Angehörige eines Verstorbenen gestalten mit ihr zusammen die Urne selbst. Das Landsberger Tagblatt hat Julia Menden besucht und unter ihrer Anleitung auch eine Urne selbst gestaltet.

Julia Menden verarbeitete die Trauer über den Tod des Vaters

Im Fenster ihres Arbeitszimmers hat Julia Menden einige Urnen ausgestellt. Eine dunkelrot glänzende mit vielen Strass-Steinen, eine in bunten Regenbogenfarben. Auf einer anderen ist Mary Poppins zu sehen, die an Luftballons aus bunten Knöpfen in den Himmel zu schweben scheint. „Diese Urne ist besonders beliebt, vor allem bei Kindern“, erzählt Julia Menden und erklärt in die kurze, beklemmende Stille, die sich nach diesem Satz breitmacht: „Ich arbeite unter anderem mit dem Theotinum Kinderhospiz in Dießen zusammen. Dort werden sterbende Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in den Tod begleitet.“ Manche Kinder gestalten mit ihr zusammen die eigenen Urnen in Workshops. Daher wisse sie auch, dass Kinder einen ganz anderen Zugang zum Lebensende und dem, was danach kommen könnte, haben, als Erwachsene.

Julia Menden gestaltet individuelle Urnen. LT-Mitarbeiterin Frauke Vangierdegom (links) fertigte sich auch eine an.
Bild: Thorsten Jordan

Auch sie selbst habe lange Zeit nach Wegen gesucht, sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen. Erst als ihr Vater schwer erkrankte und 2004 im Sterben lag, habe sich das geändert. Der Grund war ein eher banaler: „Mein Bruder und ich haben keine Urne gefunden, die zu unserem Vater gepasst hätte. Also habe ich angefangen, eine zu entwerfen.“ Das Bemalen der Urne habe ihr dann geholfen, die Trauer und den Abschiedsschmerz besser zu verarbeiten. Denn bei der Auswahl der Motive seien auch viele schöne Erinnerungen an den Vater zurückgekommen.

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Auch mit Kindern bastelt sie Urnen

Schnell sei ihr klar gewesen, dass das Meer, der Strand und die Sonne auf dieser Urne zu finden sein müssen. „Ich habe dann drauf losgemalt. Unsere Familie, die am Strand steht und meinem Vater zuwinkt, der mit dem Fährmann über das Meer in Richtung Wolke 7 verschwindet, habe ich aber erst nach seinem Tod hinzugefügt.“ Die „Wolke 7“ verbindet Julia Menden mit ihrer Kindheit, weil ihr Vater den Tod geliebter Haustiere erträglicher gemacht habe, indem er erklärte: „Die Tiere treffen sich alle auf der Wolke 7 wieder.“

Die Motive werden in der Regel von Hand gezeichnet

Solche Erfahrungen möchte Julia Menden mit ihrem Urnenwerk an Menschen weitergeben. Beim Besuch in Obermühlhausen stehen auf dem Küchentisch in der gemütlichen Wohnküche Töpfe mit unzähligen Pinseln, eine Kiste mit Acrylfarben und diverse Schablonen. Eine Urne mit Bezug zu Afrika soll gestaltet werden. Der Rohling aus biologisch abbaubarem Holzspritzguss liegt auf dem Tisch, die erste Schablone, die einen stilisierten Elefanten zeigt, klebt bereits auf dem Urnendeckel. Mit einer Art Stempelkissen wird Farbe über die Schablone getupft.

Dann ist der Korpus an der Reihe. Ein blauer Löwenkopf und ein goldfarbener Luchs werden ebenfalls in Schablonentechnik aufgemalt. Es ist übrigens das erste Mal, dass Julia Menden diese Maltechnik auf einer Urne anwendet. Meist werden die Motive frei Hand vorgezeichnet und dann ausgearbeitet. Oder sie klebt stundenlang kleine Strass-Steinchen auf, verziert die Gefäße im Vintage-Stil oder verwendet Naturmaterialien wie Rinden oder kleine Ästchen.

Es dauert mehrere Stunden, bis eine Urne fertig ist

Auch die Afrika-Urne wird noch ergänzt. Ein Baobab, ein afrikanischer Brotbaum, an dem ein paar Äste ohne Laub bleiben, weil dort die Fingerabdrücke der Hinterbliebenen zugefügt werden sollen, und eine über der afrikanischen Steppe untergehende Sonne vervollständigen das Gesamtwerk.

Gut vier bis fünf Stunden dauert es in der Regel, bis eine von Kunden gestaltete Urne fertig ist. „Zwischen den einzelnen Farbmotiven muss die Farbe immer trocknen“, erklärt Menden. Diese Pausen nutze sie gerne, um mit den Angehörigen über die Verstorbenen zu reden. „Manchmal weinen wir zusammen, aber es wird auch viel gelacht“, erzählt uns die gelernte Onlinemarketing-Managerin. Es sei eine andere Art der Auseinandersetzung mit dem Tod, sehr intensiv und innig. Und für die, die zurückbleiben, in den allermeisten Fällen hilfreich und tröstlich.

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