Landsberg Kaum hatte der gebürtige Landsberger Christoph Hartmann, Oboist bei den Berliner Philharmonikern, dieses „man müsste mit einem Konzert von Landsberger Musikern in Landsberg den Katastrophenopfern von Japan helfen“ gedacht, meldete sich schon sein Kollege, der Landsberger Gitarrist Christian Gruber. Er hatte die gleiche Idee: „Man muss etwas tun.“ Das war vor etwa eineinhalb Wochen. Ein Termin war schnell gefunden. Am Mittwoch, 20. April, findet daher im Foyer der Berufsschule Landsberg an der Spitalfeldstraße um 19.30 Uhr ein Benefizkonzert von Landsberger Musikern zusammen mit dem Ensemble Berlin statt.
Auf einer Pressekonferenz im Stadttheater Landsberg sprachen Hartmann und Gruber sowie der Organist der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Johannes Skudlik, über die Benefizaktion. Cellist Franz Lichtenstern war wegen einer Dienstverpflichtung am Gespräch verhindert. Hartmann, Gruber, Skudlik und Lichtenstern sind zwar auf der ganzen Welt zu Hause, aber ihre Vernetzung funktioniert hervorragend. Sie sind geerdet und haben trotz ihrer beruflichen Erfolge ihre heimatlichen Wurzeln nicht vergessen. Sie kennen sich seit Langem und manche von ihnen treten seit vielen Jahren gemeinsam auf – selten aber alle zusammen. Hartmann steht für die Landsberger Sommermusiken, Gruber für das Gitarrenduo Gruber und Maklar, Johannes Skudlik ist bekannt für seine zahlreichen musikalischen Aktionen in Landsberg und Cellist Franz Lichtenstern für seine Kammermusik im Bibliothekssaal des Agrarbildungszentrums.
„Wir Musiker pflegen eigentlich immer enge Verbindungen zu Japan, denn wir haben während des Studiums japanische Kommilitonen und diese später als Kolleginnen und Kollegen in den Orchestern“, so Oboist Hartmann. Ein gutes Beispiel ist auch Christian Gruber. Er tritt seit Jahren mit der japanischen Mezzosopranistin Tomoko Nakasugi auf. Sie wird am Mittwochabend selbstverständlich dabei sein. Zudem habe er seinen Gitarrenbauer in Tokio, gestand er.
Ganz anderer Bezug
Wenn man, wie Hartmann erzählte, nur wenige Monate vor der großen Katastrophe mitten im Herzen des Erdbebens, in Sendai musizierte, dann habe man einen ganz anderen Bezug zu diesem furchtbaren Ereignis. Selbst am Unglückstag habe er noch mit Sendai telefoniert. Auch eine so große und reiche Nation wie die japanische sei auf die Hilfe anderer Staaten angewiesen. Man stelle sich nur vor, Norddeutschland wäre ausradiert. In diesem Falle könnte die Bundesrepublik die Katastrophe nicht allein bewältigen, so Hartmann. Zuerst sei eine kleine Direkthilfe, etwa für einen Kindergarten in der Überlegung gewesen, aber Franz Xaver Rößle, ehemaliger OB Landsbergs und Vorsitzender des Kreisverbandes des Bayerischen Roten Kreuzes Landsberg wie auch Vorstand des Gitarrenfestivals, plädierte für das Rote Kreuz. Das Geld werde zu 100 Prozent ohne Abzüge für Verwaltungsausgaben nach Japan gelangen, versicherte Hartmann. Die Präsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes, Christa Prinzessin von Thurn und Taxis, hat ihr Kommen zugesagt.
Um möglichst vielen Menschen den Besuch des Konzertes zu ermöglichen, wurde die Berufsschule als Aufführungsort gewählt. Das Programm ist außerordentlich reich. Es reicht vom Barock bis zur Moderne, von Bach bis Morricone. Hartmann wird mit Gruber ein Stück von Astor Piazolla spielen, Skudlik den ersten Satz des Cembalokonzertes in A-Dur von Johann Sebastian Bach. Gruber begleitet Nakasugi bei traditionellen japanischen Liedern, Lichtenstern interpretiert Schönberg.
Hilfe kommt von allen Seiten. Die Plakate werden vom EOS-Verlag kostenlos gedruckt, das Layout wurde unentgeltlich entworfen, der Landkreis stellt das Foyer der Berufsschule zur Verfügung. Radio Lechtal schaltet übers Internet einen Live-Stream, sodass man selbst in Japan teilnehmen kann. „Es gibt eben“, wie Erich Kästner sagte, „nichts Gutes, außer man tut es.“