Die Standortentscheidungen, die Verteidigungsminister Thomas de Maizière Mitte Oktober veröffentlichte, könnten in der Feinausplanung für Landsberg noch einmal eine spürbare Wende bringen. Nach Informationen des Landsberger Tagblatts gibt es Überlegungen, das Waffensystemunterstützungszentrum schneller aufzulösen, als ursprünglich angedacht. Zudem erhielten Befürchtungen von Soldaten und Zivilangestellten des Lufttransportgeschwaders 61, das LTG könnte früher als zum Ende des Jahrzehnts außer Dienst gestellt werden, neue Nahrung durch Aktivitäten in Hohn (Schleswig-Holstein), dem Standort des Schwestergeschwaders LTG 63, den Restflugbetrieb der Transall bis 2020 künftig dort durchführen zu wollen.
In Dutzenden Schreiben an Politiker und Medien äußern Soldaten, Zivilangestellte und deren Angehörige diese Ängste, aber auch Vorwürfe, im Stich gelassen zu werden. Äußerst beunruhigt, so der Tenor, seien sie vor allem durch die Aktivitäten in Hohn. Dort hätten sich nach dem Auflösungsbeschluss für das LTG 63 zahlreiche Unterstützer gefunden, die das Geschwader „so lange wie möglich“ am Standort halten wollen. Bürgermeister der Region haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul setzt sich massiv für den Standort ein.
Zahl der neuen Flugzeuge deutlich reduziert
Bislang gibt es eine Entscheidung aus dem Jahr 2004, die besagt, dass der Restflugbetrieb der Transall C-160 in Penzing abgewickelt wird. Dabei war ein Zeitfenster „bis mindestens 2020“ im Sprachgebrauch. Diese Entscheidung muss aber vor dem Hintergrund gesehen werden, dass damals sowohl Wunstorf (LTG 62) als auch Hohn als Standorte für den neuen A400 M vorgesehen waren. Beim jüngsten Reformschritt wurde die Zahl der neuen Transportflugzeuge aber deutlich reduziert (von über 60 auf vermutlich 40 Transporter). Dadurch können nun alle A400 M in Wunstorf konzentriert werden, Hohn wird aufgelöst. Doch lasse deren Zulaufstatus und die Einsatzlage für die rund 60 Transalls der Luftwaffe eine Konzentration des Restflugbetriebs noch lange nicht zu. Oberst Leitges: „Wir werden beide Standorte mindestens noch bis 2016 benötigen.“
Gleichzeitig hat aber dadurch die Luftwaffe nicht wie bislang angenommen nur einen Fliegerhorst (Penzing) für die Restflugabwicklung der Transall zur Verfügung, sondern plötzlich zwei. Oberst Christian Leitges: „Es ist jetzt Aufgabe der Kommission, beide Standorte erneut zu überprüfen.“ Die besseren Argumente sieht der Standortälteste Oberst Klaus Schuster in Penzing: „Dort existiert ja schon die Technik mit den Großgeräten und Personal für die Zerlegung der Transall“ – die im Übrigen dort schon begonnen habe.
Keine Anzeichen, dass sich an dem Beschluss etwas ändert
Auch der CSU-Generalsekretär und Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt sieht keine Anzeichen dafür, dass sich an dem Beschluss von 2004 etwas geändert haben sollte. „Aus dem Ministerium heraus wurde mir versichert, dass keine geänderten Planungen vorliegen.“ Sein Ziel ist nach wie vor, das LTG in Penzing so lange wie möglich zu halten. Alles andere würde er, so bekundet der Generalsekretär, nicht akzeptieren. Dies habe er im Ministerium entsprechend hinterlassen. Für die Zukunft sieht weiterhin die Möglichkeit einer militärischen Nachnutzung. Doch da sei es derzeit tatsächlich zu früh, Konkreteres zu berichten.
Er werde aber am 20. Dezember nach Penzing kommen, um mit Soldaten und Zivilangestellten die Situation ausführlich zu besprechen. Wesentlich näher und konkreter könnte allerdings der Abschied aus Landsberg an das Waffensystemunterstützungszentrum (WUZ) gerückt sein. Wie dessen Kommandeur, Oberst Klaus Schuster, bestätigte, gäbe es Planungen, das WUZ bereits zum 30. September 2012 formell aufzulösen. Bislang sei dies erst mittelfristig vorgesehen gewesen. So soll ja die Waffensystemlogistik neu geordnet und aufgestellt werden, die beiden Instandhaltungsregimente 1 und 2 sowie das Waffensystemunterstützungszentrum künftig zu zwei Waffensystemzentren (1 und 2) verschmelzen. Diese aufzustellen sei für den 1. Oktober 2012 geplant.
Betroffen wären rund 60 Soldaten
Die tatsächliche, praktische Umsetzung der Entscheidung solle dann einige Monate später ab Mitte 2013 erfolgen. Betroffen wären laut Oberst Schuster etwa 60 Soldaten. „Allerdings greifen die Altersregelungen und Ähnliches, sodass wohl nur unter 20 Soldaten den Weg zur neuen Einheit antreten werden.“ Der soll für eine Übergangszeit nach Erding führen, bevor es dann in Manching weitergeht. Warum diese Zwischenstation? Oberst Klaus Schuster vermag keine Antwort zu geben: „Das weiß ich nicht.“ Erding ist nämlich einer der Standorte der Luftwaffe, die aufgelöst werden. Verbleiben in der Welfenkaserne werden dagegen rund 300 Soldaten des Systemzentrums „Avionik“, die, Ironie des Schicksals, eigentlich für die Verlegung nach Erding bestimmt waren. Sie kümmern sich im Bunker unter anderem um das Waffensystem Tornado.
Die militärische Entscheidung, die Waffensystemlogistik neu zu ordnen, ist für Schuster richtig. Die mögliche Auflösung des WUZ bereits im nächsten Jahr und die Zwischenstationierung in Erding hingegen beschreibt er mit den Reaktionen seiner Soldaten: „Es herrscht eine Enttäuschung, die emotional begründet ist.“ Allerdings betont er, dass es sich dabei nur um Planungen handelt, die aber am 15. Dezember, also nächste Woche, dem Inspekteur der Luftwaffe vorgelegt werden.