Kaufering Alles begann mit einem gemütlichen Abend im Kauferinger Badrestaurant im Herbst 1971. Reinhold Büttner und Wolfgang Schwarzmann diskutierten über die vielfältige Kauferinger Vereinslandschaft und beide kamen zum Schluss: Ein Alpenverein fehlt noch. Wenige Wochen später wurde eine eigene Ortsgruppe gegründet. Am Sonntag feiert die mittlerweile zur Sektion aufgestiegene Vereinigung ihr 40-jähriges Bestehen.
„Es gab anfangs viele Besprechungen mit der Sektion Landsberg“, sagt Reinhold Büttner. Das 72-jährige Ehrenmitglied des Vereins wurde bei der Gründungsversammlung am 17. November 1971 von 43 Anwesenden zum ersten Vorsitzenden der AV-Ortsgruppe Kaufering gewählt. „Dass wir nicht gleich eine Sektion werden, war klar, und wer damals in den Alpenverein wollte, musste Referenzen mitbringen und einen Leumund haben“, berichtet Büttner von den Anfangsjahren, in denen die Gruppe „arm wie eine Kirchenmaus“ gewesen sei und keinerlei eigene Räumlichkeiten hatte. „Wir haben uns immer im Hotel Rid getroffen“, so Büttner, und dort fand Ende 1972 mit rund 300 Teilnehmern auch der erste Heimatabend statt – eine Veranstaltung, die neben den Faschingsbällen über Jahre hinweg fester Bestandteil des Vereinsgeschehens war.
Im Folgejahr wuchs der Verein rasant: Unter der Leitung von Eberhard Falkenberger wurde die Jugendgruppe gegründet, der erste Skikurs mit 200 Kindern fand statt und bei der ersten Jahreshauptversammlung zählte die Ortsgruppe bereits 200 Mitglieder. „Die Anfangseuphorie war unglaublich“, erzählt Gründungsvorsitzender Reinhold Büttner. Der Traum der Mitglieder von einer eigenen Hütte in den Allgäuer Alpen sollte sich zerschlagen – kein Nachteil für die Entwicklung des Vereins. „Vielleicht war es Glück, dass es so gelaufen ist“, sagt Büttner. Denn im April 1974 erfolgte der Spatenstich für das Vereinsheim am Kauferinger Franz-Senn-Weg, das vor allem durch das große Engagement der Vereinsmitglieder und die Unterstützung des damaligen Landsberger AV-Chefs und Architekten Siegfried Schöller realisiert wurde.
Der Wunsch nach einer eigenen Hütte
Der Wunsch nach einer eigenen Alpenhütte sollte 1997 in Erfüllung gehen. Aus der Kauferinger Ortsgruppe war am 1. Januar die 344. Sektion im Deutschen Alpenverein geworden, als am 1. Juli 1977 die Ludwig-Aschenbrenner-Hütte in der Nähe von Achenkirch in Tirol für rund 100000 D-Mark von der Sektion München gekauft wurde. Die Hütte erhielt sogleich ihren ursprünglichen Namen „Gufferthütte“ wegen des Blicks auf den gegenüberliegenden Guffert. Ab 1998 begann die erste Umbaumaßnahme mit dem Einbau eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerkes und einer Solaranlage sowie einer biologischen Kläranlage. „Eines unserer Mitglieder hat über einen Radiosender gehört, dass ein Verein aus Magnetsried diese Kläranlage zu verschenken hat, und wir haben sofort zugeschlagen“, erzählt der heutige Vorsitzende Willi Augustin. Damit war es an Bauarbeiten an der in 1475 Meter Höhe gelegenen Hütte nicht getan: 1999 investierten die Mitglieder rund 3000 Stunden in den Bau eines Geräteschuppens, die Erneuerung der Trinkwasserversorgung und Arbeiten an der Terrasse sowie in Innenausbauten.
Die größte Maßnahme wurde im Mai 2011 gestartet, als für rund eine halbe Million Euro über drei Jahre hinweg ein neuer Versorgungstrakt entstand und die Sanitäranlagen der Gufferthütte auf den neuesten Stand gebracht wurden. „Ohne die Mitglieder und ohne unsere rüstige Rentnergarde wäre es nicht gegangen“, sagt Augustin.
Die Arbeit geht der heute 815 Mitglieder zählenden AV-Sektion Kaufering nicht aus. Jedes Jahr muss ein rund 100 Kilometer langes Wanderwegenetz rund um die Gufferthütte instandgehalten werden. Die Vereinsaktivitäten erstrecken sich heute auf eine Vielzahl von alpinen Kursen, die in Zusammenarbeit mit der Kauferinger Volkshochschule angeboten werden, und zahlreiche Bergwander- beziehungsweise Wintersporttouren. Glücklich zeigen sich Augustin und sein Vorvorvorgänger Reinhold Büttner darüber, dass bis auf „kleine Blessuren“ stets alle Mitglieder und Teilnehmer von Touren und Exkursionen wieder gesund nach Hause gekommen sind.