Noch einmal kamen sie an jenem Ort zusammen, der sie in den vergangenen Jahren vor große Herausforderungen gestellt hatte. Architekten, Ingenieure, Restaurierungsfachleute, Bauherrn, Projektleiter und Vertreter der Kommunen trafen sich gestern erneut im ehemaligen KZ-Außenlager Kaufering VII an der Kauferinger Straße, um dort der Enthüllung der Ehrentafel des Bayerischen Denkmalpflegepreises einen würdigen Rahmen zu geben.
Der Denkmalpflegepreis in Gold, ausgelobt von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege war der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung stellvertretende verliehen worden (LT berichtete), da es einem Team aus Eigentümern, Bauherrn, Architekten, Ingenieuren und Handwerkern sowie den beteiligten Denkmalschutzbehörden gelungen war, die Tonröhrenunterkünfte des Lagers VII, zumindest für die nächsten Jahrzehnte im Bestand zu sichern und dem weiteren Verfall dadurch Einhalt zu gebieten.
„Denkmale erhalten geht aber nur im Team“, betonte gestern der Präsident der Ingenieurekammer, Dr. Heinrich Schroeter. Zwar lege der Denkmalpreis ein besonderes Hauptaugenmerk auf die Leistung der Ingenieure, die sonst bei Bauvorhaben eher im Hintergrund wirken, doch sei die Bestandserhaltung der Tonröhrenunterkünfte nur im gemeinsamen Wirken vieler, vom Hauptarchitekten Frank Hölzl angefangen bis hin zum ausführenden Bauunternehmer möglich geworden. Der Preis sei daher zwar an die Stiftung gegangen, dokumentiere aber diese „großartige Teamleistung“ der Fachleute: „Es wurde nicht die Optik ausgezeichnet, sondern das Gehirnschmalz, das dahinter steckt.“
Jörg Rehm vom Ingenieurbüro Barthel & Maus, ist so einer, der sich lange im Vorfeld das Hirn zermarterte, mit welcher Technik die einzigartigen Tonröhrendecken der Erdhütten, in denen 1944/45 teilweise bis zu 90 Zwangsarbeiterinnen eingepfercht waren, vor dem Einstürzen zu schützen seien. Die Lösung wurde gefunden, doch ohne Fachleute, die diese entsprechend umzusetzen in der Lage sind, wäre die wertlos gewesen. „Wir hatten aber mit unserem Restaurator (Thomas Salveter; Die Redaktion) einen genialen Mitstreiter, der dann die notwendigen Vorgänge mit großem Geschick umsetzte“, berichtet Jörg Rehm.
So wurde eine speziell für das Lager VII entwickelte Dübeltechnik eingesetzt, wodurch die Tonröhrendecken, bestehend aus 8500 Röhren in zwei Schichten pro Erdhütte, mit einem betonierten Stützdach verbunden wurden. Darüber kam dann wieder eine Erdschicht, sodass heute von den Sicherungsarbeiten nichts mehr zu sehen ist.
Ein Rädchen habe ins andere gegriffen, erinnert sich auch Projektleiter Manfred Deiler, der es bedauerte, dass diese fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Abschluss der Bestandssicherung zu Ende gehen musste: „Wir haben viel voneinander profitiert.“