Der Markt Dießen tut sich weiter schwer, ein Konzept für die gewünschte Bahnhofs-Gastronomie zu finden. So verging die jüngste Ausschreibungsfrist, ohne dass einer der Bewerber den Bau- und Umweltausschuss überzeugen konnte. Das bestätigte jetzt Bürgermeister Herbert Kirsch auf LT-Nachfrage.
Es wird also noch etwas dauern, bis die Marktgemeinde ein Nutzungskonzept oder zumindest einen neuen Betreiber des Cafés vorstellen kann. Dabei sucht Dießen schon seit einiger Zeit - auch per öffentlicher Bekanntmachung - einen Pächter für die Gastronomie in dem ehemaligen Bahnhofsgebäude. Und dieser sollte eigentlich längst gefunden sein.
Schreckt die Pacht geeignete Kandidaten ab?
Noch im vergangenen Jahr wurde im „va béne mercantino“ Cappuccino ausgeschenkt und mediterran aufgekocht. Doch der Betreiber David Hauer sagte damals dem LT: „Das Lokal lief und läuft nicht schlecht.“ Das Endergebnis stand jedoch in keinem Verhältnis zu den Arbeitsstunden, die zu erbringen waren. Das Lokal habe keine richtige Außenterrasse, klagte er, bei schlechtem Wetter sei zwar viel los, bei schönem Wetter der Besuch aber eher schlecht.
Noch deutlicher wird Jörg Lattek, der derzeitige Gastronom: „Die monatliche Pacht ist einfach nur schwer zu erwirtschaften.“ Auch er sieht den Aufwand zum Ertrag in einem krassen Missverhältnis stehen. Die Gemeinde hat als Pacht die Summe von monatlich 1800 Euro aufgerufen - für eine Gesamtfläche von 218 Quadratmetern. Die Ausstattung ist alleinige Sache des Pächters.
Jörg Lattek war bereits im Va béne als Kaffeeröster mit von der Partie. Die Rösterei gehe auch nach wie vor gut, versichert er, doch viele Gäste, vor allem auch Zugreisende – der Bahnhof Dießen liegt an der Bahnstrecke Augsburg-Weilheim – nähmen sich einfach nicht die Zeit für einen entspannten Cappuccino oder Espresso.
Bis Herbst wird noch Kaffee geröstet und gekocht
Dabei ist in Jörg’s Kaffeewerkstatt eigentlich alles vorhanden: ein entsprechend stylisches Ambiente, kleine einladende Sitzgruppen, der Duft von frisch geröstetem Kaffee liegt in der Luft. Jörg Lattek bietet neben Espresso, Cappuccino und diversen anderen Kaffee-Spezialitäten auch noch Snacks, Kuchen und Getränke an – und doch fehlt etwas ganz Entscheidendes: das Stimmengewirr von Menschen, die diesen schönen Raum beleben.
Jörg Lattek und eine Gruppe von Gleichgesinnten wollte sich mit der Gemeinde schon im Februar verständigen, doch hätten sich die Pläne einiger Mitstreiter anders entwickelt. Seither betreibt er die Kaffeewerkstatt und Rösterei als Ein-Mann-Betrieb. Sein Vertrag läuft noch bis Ende des Monats, allerdings habe man sich wohl auf eine Verlängerung bis Oktober geeinigt. Jörg Lattek gibt auch zu verstehen, dass er nicht abgeneigt sei, sein Engagement am Bahnhof über den Oktober hinaus weiterzuführen. Inzwischen habe er sich eingearbeitet, auch würde er sein Angebot gerne noch etwas ausweiten. „Über einen Kioskbetrieb könnte man ebenso nachdenken wie über die Ausweitung des Angebots zum Beispiel mit einer Frühstückskarte.“ Diesbezüglich habe er sich aufgrund seiner derzeitigen unsicheren Lage bislang noch zurückgehalten. Vorschläge habe er der Gemeinde aber inzwischen vorgelegt.
Kommt jetzt eine Standortanalyse?
Die war jedenfalls mit dem Verlauf der jüngsten Ausschreibung, an der sich Lattek nicht beteiligte, laut Bürgermeister Herbert Kirsch nicht zufrieden. „Es hat uns keiner der Bewerber restlos überzeugen können“, bestätigt er. In der nicht-öffentlichen Sitzung im Bau- und Umweltausschuss sei er nun von den Gemeinderäten beauftragt worden, mit Maklern Kontakt aufzunehmen. Dabei sind solche, auf die Nutzung von entsprechenden Immobilien wie einen Bahnhof spezialisierte Experten gemeint, die Vorschläge für die Nutzung des Gebäudes erarbeiten könnten. Kirsch: „Diese Fachleute haben meist auch gleichzeitig entsprechende Kundenkontakte potenzieller Nutzer der Immobilie.“
Das Ergebnis seiner Recherchen soll der Bürgermeister dann bereits in der nächsten Gemeinderatssitzung am Montag, 24. September, dem Gremium präsentieren. Sollte der Gemeinderat aber wieder nicht zu einem Beschluss kommen, werde eventuell beim Hotel- und Gaststättenverband um eine Standortanalyse nachgefragt.