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Landsberg: Der Grandseigneur des Weins ist tot

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Der Grandseigneur des Weins ist tot

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    Medardus Wallner, der „Grandseigneur des Weins“,  ist im Alter von 69 Jahren während eines Urlaubs am Gardasee verstorben. 
    Medardus Wallner, der „Grandseigneur des Weins“,  ist im Alter von 69 Jahren während eines Urlaubs am Gardasee verstorben. 

    Nein, ein „klassischer“ Nachruf wäre seine Sache nicht gewesen. Daten, Aktionen, Verdienste aufzulisten – schön und gut, aber einem Medardus Wallner wird das nicht gerecht. Der Tabak-, Wein- und Käsehändler, in seiner und für seine Heimatstadt als langjähriger Stadtrat von CSU und später UBV stets politisch engagiert, ist am Dienstag 69-jährig gestorben. Gerade, als er sich wieder an seinem geliebten Urlaubsdomizil in Porto di Brenzone am Gardasee in Italien etwas Erholung gönnte.

    Medardus hat seinen ungewöhnlichen Vornamen vom Großvater geerbt: Ein Name, der für das Leben von Wallner Programm wurde, denn der Heilige Medardus ist unter anderem Schutzpatron der Winzer. Der muss fürwahr einen wohlwollenden Blick auf Wallner geworfen haben, denn schon der junge Medardus interessierte sich sich für Wein, Anbaugebiete, Lagen und Trauben – obwohl er doch (wäre es nach seinem Vater gegangen) lieber Beamter hätte werden sollen. Oder Friseur, wenn es nach der Mutter gegangen wäre.

    Statt dessen lernte er im Lebensmittelgeschäft von Max Müller den Einzelhandel von der Pike auf und sammelte über die Jahre ein Wissen über Wein an, das ihm in Fachkreisen – aber auch bei seinen Kunden und Freunden – den Ruf eines absoluten Weinexperten eintrug. An der Degustationstheke in seinem Weinladen bezeichnete ein Gast ihn einmal als „Grandseigneur des Weins“. Das trifft es. Vor allem die französischen Weine waren Wallners Gebiet, er galt darin als „wandelndes Lexikon“, und sein Wissen über andere Regionen stand dem wenig nach. Er hatte einfach ein „Händchen“ dafür, unter Allerweltssorten, die jeder kennt, das Highlight herauszufinden: Bei ihm gab es nicht einen Chianti, es gab den Chianti, um nur ein Beispiel zu nennen.

    1966 übernahm er das Geschäft von seinem einstigen Chef Max Müller und gründete am Vorderen Anger in der Altstadt einen Lebensmittel- und Feinkostladen. 1980 eröffnete er in der Schulgasse sein Tabakgeschäft, das der Grundstock für ein „Zentrum aller Genüsse“ werden sollte. 2002 kam dann ein paar Häuser weiter das Weinhaus „Artisan du Vin“ hinzu. Was Wallner machte, machte er gut – und mit vollem Einsatz, der seinen Mitarbeitern und Weggefährten oft einiges abverlangte. Medardus Wallner war sicher kein einfacher Chef, aber einer, von dem jeder Lehrling mehr als für ein ganzes Leben lernen konnte.

    Zum Lernen kamen auch seine Kunden zu „Artisan di vin“. Regelmäßig veranstaltete Wallner „Weinseminar“ genannte Genussabende, an denen er sein Wissen weitervermittelte. Und zuweilen Weine zur Verkostung brachte, deren Exklusivität einen zuweilen schwindeln ließ. Ähnlich herausragend war die Qualität von Wallners Tabak- und Käseangebot: Sein Geschäft hatte einen Stammplatz in den Bestenlisten deutscher Gourmetzeitschriften wie dem Feinschmecker. Er hätte, sagte einmal ein aus München angereister Käufer, ein derartiges Gourmetangebot in vielen Großstädten gesucht – und in Landsberg gefunden.

    Vor fünf Jahren musste sich Wallner einer schweren Herz-OP unterziehen. Danach war sein Weinladen einige Zeit geschlossen, bevor er ihn Ende 2015 wieder eröffnete. Den Tabakladen hatte er heuer seinen Mitarbeitern übergeben, für das Weingeschäft und seinen Warenbestand (in den Kellern lagern lagern etwa 25 000 Flaschen) suchte er einen Nachfolger. Er heiratete seine Lebensgefährtin Carmin, trat beruflich etwas kürzer, verzichtete auf Zigarillos und manchen guten Schluck, besuchte aber weiter Winzer und Fachmessen.

    Das Leben, sagte Wallner immer, sei zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. Das hat er nie getan. Er hat sein Leben genossen. Viel zu kurz war es dennoch.

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