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Ausstellung

09.04.2019

Der nächste Kunstautomat

Gregor Netzer (Zweiter von links) und die Künstler (von links) Raphael Grotthuss, Anna Münkel, Thorsten Fuhrmann und Sabine Puchner bei der Vernissage am Spitalplatz.
Bild: Romi Löbhard

Am Spitalplatz in Landsberg gibt es wieder Kunst im Kleinformat. Warum der Galerist von einer Premiere spricht

Jetzt ist er wieder befüllt, der Landsberger Kunstautomat an exponierter Stelle am Spitalplatz. Bis Juli können Interessierte wieder „Kunst im Schachterl“ für nur fünf Euro aus dem Kasten ziehen. Zum 14. Mal bereits bietet der Automat, der einmal Rauchwerk beinhaltete, erheiternde, unterhaltsame, einfach schöne Kunst. Zum ersten Mal ist auch Sprache dabei, wie Galerist Gregor Netzer bei der Vernissage stolz erklärte.

Die blutjunge Anna Münkel aus Zankenhausen, ständiges Erkennungszeichen ein bunter Hut, hat bereits mehrere Gedichtbände veröffentlicht. Für den Automaten druckte sie nach dem Motto „(ein)gebildete Kunst“ etliche ihrer in Reimform gebrachten Alltagsbeobachtungen auf DINA4-Blätter und faltete sie in die Schachteln.

Geknotet hat Raphael Grotthuss seine Kunst nicht, wie der Titel „Knoten“ seines Beitrags vermitteln könnte. Aber gefaltet: Für seine knapp 50 mal 70 Zentimeter großen, auf Japanpapier gedruckten Holzschnitte hat der in München lebende Künstler sogar eine Falt- und Pressvorrichtung gebaut – und damit ein weiteres Gestaltungselement geschaffen. Nützlicher, unbedingt zu befolgender Tipp von Grotthuss: „Bitte erst zu Hause vorsichtig auspacken!“ Der Käufer würde das Werk vermutlich nicht mehr in dem Schächtelchen verstauen können.

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Die Dänin Lene Juhler hat in die Schachtel passendes Material mit leuchtenden Farben bemalt. Die „kleinen Schönheiten“ können für Hingucker an kahlen Wänden, auf nüchternen Schreibtischen sorgen. Was Netzer besonders freut ist, dass die Künstlerin bereits früher von diesem Automaten so begeistert war, dass sie zu Hause in Dänemark auch so ein Ding betreibt.

„Etwas Altes, etwas Neues, etwas Blaues“: Angelehnt an diesen auch heute noch gebräuchlichen Hochzeitsbrauch hat Thorsten Fuhrmann die Schächtelchen mit „alten“ Fundstücken, das sind Notizen und Schmierzettel, die Passanten verloren haben, gefüllt. Dazu kommt ein „neues“ Acrylbild und eine Fotografie aus der Serie „Top of the Hill“, entstanden während der „blauen“ Stunde vor beziehungsweise nach Sonnenuntergang.

Sie habe gelernt, langsam zu gehen, sagt Sabine Puchner über ihre Art, zufällig Gesehenes mit ihrer Kamera festzuhalten und daraus Kunst zu schaffen. Für den Kunstautomaten hat die Münchnerin die eingefangenen Motive mittels Transfertechnik in Acryl auf Miniaturen gedruckt „festgehalten“.

Nicht nur Literatur, auch hörbare Kunst ist im Kunstautomaten erstmals vertreten, wie der Beitrag „Hören/Sehen“ des in Oldenburg lebenden Künstlers „Herr Penschuck“ verspricht. Wie hat das funktioniert? Herr Penschuck hat mit Kugelschreiber und Aquarellstift auf Hahnemühle Papier gezeichnet. Ein drucksensitives Instrument wandelt den Druck des Stiftes in akustische Signale um. In der Schachtel befindet sich neben dem sichtbaren Werk ein Zettel mit Link zu einer im Internet gespeicherten mp3-Datei, die heruntergeladen und angehört werden kann.

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