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Landsberg

11.02.2020

Die Sparkasse hat ein Problem: Wohin mit dem vielen Geld?

Die Sparkasse Landsberg-Dießen hat ihre Bilanz für 2019 vorgelegt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Die Sparkasse Landsberg-Dießen stellt die Zahlen für 2019 vor. Das Geld der Kunden anzulegen, wird immer schwieriger. Wie geht es mit dem Thema Negativzinsen weiter?

Mehr Geschäft – aber weniger Gewinn: So lässt sich das vergangene Geschäftsjahr der Sparkasse Landsberg-Dießen zusammenfassen. Sowohl der Kredit- wie der Einlagenbestand wuchs im vergangenen Jahr an, berichteten die Vorstände Thomas Krautwald und Roland Böck, als sie am Montag die Bilanz 2019 vorstellten. Allerdings drückten erneut die niedrigen Zinsen, regulatorische Auflagen der Finanzaufsicht und die digitale Transformation auf die Marge. Drohen deswegen auch hier bald Negativzinsen für Sparer?

Im Vergleich schneidet die Sparkasse Landsberg-Dießen gut ab

Nach rund 8,5 Millionen Euro im Jahr 2018 dürften unter Berücksichtigung der Bewertungen der Anlagen, der Steuern und Spenden noch rund acht Millionen Euro Überschuss bleiben, sagte Krautwald. Das Geld bleibt als Eigenkapital im Haus. Seit 2015 geht das Betriebsergebnis der Sparkasse kontinuierlich zurück. Damals lag es (vor Bewertungen, Steuern und Spenden) bei einem Prozent der Bilanzsumme, 2019 waren es noch 0,75 Prozent. Trotz dieses Rückgangs weise die Sparkasse Landsberg-Dießen aber das beste Ergebnis in der Vergleichsgruppe von elf ähnlich großen Sparkassen in Bayern aus. Krautwald rechnet auch für die nächsten Jahre mit sinkenden Erträgen. Die noch höher mit drei oder vier Prozent verzinsten Altanlagen liefen aus, vergleichbare Renditen seien nicht mehr zu erzielen.

Die Vorstände Roland Böck (links) und Thomas Krautwald präsentierten jetzt die Bilanz der Sparkasse Landsberg-Dießen für das vergangene Jahr.
Bild: Stephan Sieg

Mit die größte Wachstumsziffer wies im vergangenen Jahr der Einlagenbestand der Sparkasse aus. Die Kundengelder erhöhten sich um elf Prozent von 1,54 auf 1,71 Milliarden Euro. Entsprechend wuchs auch die Bilanzsumme von 2,01 auf 2,17 Milliarden Euro. Die Einlagen stiegen damit stärker als das Kreditvolumen. Dieses erhöhte sich nur um drei Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Für dieses Wachstum sorgten vor allem Privatkunden. Der Wohnungsbau habe diese Entwicklung getrieben. Dagegen habe sich der Zuwachs bei gewerblichen Krediten aufgrund des schwächeren Wirtschaftswachstums abgeschwächt.

Die Sparkasse hat ein Problem: Wohin mit dem vielen Geld?

Wie viel Geld bei der Zentralbank geparkt werden kann

Die stark zufließenden Kundengelder vergrößerten den Anlagedruck, hieß es im Bilanzgespräch. Denn es werde immer schwieriger, Renditen zu erwirtschaften. Zwar können bei der Zentralbank ohne Negativzins bis zu rund 115 Millionen Euro geparkt werden. Allerdings räume die Sparkasse ihren Kunden Freibeträge in Höhe von 325 Millionen Euro ein, für die kein Verwahrentgelt verlangt wird. Da auch sehr sichere Anlagen wie Staatsanleihen und Pfandbriefe auf Zehn-Jahres-Sicht keine Zinsen abwerfen, müsse mit ausländischen Staatsanleihen, Immobilien und Aktien stärker ins Risiko gegangen werden. Dafür sei jedoch wiederum eine gute Eigenkapitalquote erforderlich, so Krautwald. Wie lange so noch gewirtschaftet werden kann, ohne Normalkunden mit Negativzinsen zu belasten, ließen die Sparkassenvorstände offen: Das hänge auch davon ab, wie die Mitbewerber dieses Thema behandeln und wie sich die Geldpolitik entwickle. Man gehe aber davon aus, dass sich diese längere Zeit nicht ändern werde.

Im derzeitigen Zinsumfeld sei deshalb auch für die Kunden Wertpapiersparen ein unverzichtbarer Bestandteil der Vermögensanlage. Die eigene Anlagestrategie entspreche dabei genau dem, was die Sparkasse auch ihren Kunden empfehle, so Krautwald: „Was wir den Kunden anbieten, macht auch die Sparkasse selber.“

Die Sparkasse vermittelt weniger Immobilien

Rückläufig war im vergangenen Jahr die Vermittlung von Immobilien. Die Zahl der Objekte verringert sich von 144 auf 132, deren Wert sogar von 69 auf 49 Millionen Euro. Der begrenzende Faktor sei das Angebot, erklärt Bernhard Fäustle von der Unternehmenssteuerung der Sparkasse. Einen Rekord gab es im Bauspargeschäft. Dessen Summe konnte auf über 72 Millionen Euro gesteigert werden. Trotz niedriger Zinsen legte auch das Geschäft mit Lebensversicherungen um sechs Prozent zu.

Eine große Herausforderung für die 344 (2018: 346) Mitarbeiter der Sparkasse wird laut Krautwald auch weiterhin die Digitalisierung sein. Die Zahl der Onlinekonten hat die Zahl der klassischen Konten schon längst überschritten, immer mehr Kunden nutzten auch aktiv die Sparkassen-App und digitalisierte Kredit- und Debitkarten auf ihrem Smartphone, berichtete Krautwald.

Teil der Sparkassenbilanz sind auch die Spenden, die das Institut für gemeinnützige und mildtätige Zwecke leistet: Gut 505.000 (2018: 540.000) Euro waren es im vergangenen Jahr. Dazu kommen die Ein-Euro-Spenden der Sparkassenstiftung für jeden Einwohner und jeden Schüler des Landkreises. Diese summierten sich im vergangenen Jahr aus 138.000 Euro.

Erfahren Sie hier mehr über die im Jahr 2018 gescheiterte Fusion:Lob und Unverständnis für Landsberger Entscheidung

Lesen Sie auch den Kommentar:Sparkassen-Bilanz: Kein Grund zur Klage

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