In beeindruckender Weise präsentieren 20 Künstler ihre Gedanken und Auslegungen zu diesem kosmischen Phänomen. Die Besucher sind dabei zu einer Art Pilgerreise durch die Marktgemeinde eingeladen. Zur Vernissage erläuterte die Dießener Astrophysikerin Elvira Rosenbaum im Traidtcasten am Marienmünster die Entstehung und Existenz Schwarzer Löcher in unserer Galaxie.
Im Taubenturm konnte man sich von Olsen Wolf auf einem riesigen runden Bett lümmelnd nach demSchwarzen Loch oder anderen Himmelskörpern ausrichten lassen. „Eines unserer Highlights“, betonte Jörg Kranzfelder, Initiator der Gesamtausstellung. „Mit meinen Arbeiten bewege ich mich zwischen Weltraum, Technik und Robotik“, erläuterte der aus London eingeflogene Künstler Olsen, der ursprünglich aus dem Schwarzwald stammt. „Technologie als Antennen unserer Imagination“, sei sein künstlerisches Credo. Auch Andreas Klokers Elementarzeichnungen hatten das Schwarze Loch zum Thema. Auf seiner riesigen schwarzen Schiefertafel zauberte er nur mit Hilfe von Wasser und verschiedenen Pinseln und Schwämmen Sternenstaub und Sternennebel herbei. „Ist da wer?“ ertönte eine fast bedrohlich klingende, dunkle Stimme aus dem Off oder zählte die Namen von Sternen und anderen Himmelskörpern auf. „Es ist nicht nur das Vergehen, das ich aufzeige. Aus dem Vergehen entspringt auch immer wieder ein neues Entstehen. Sonst bliebe am Ende nur das Schwarze Loch“, erläutert der Schondorfer Künstler.
Das letzte Video von David Bowie, das unter anderem einen toten Astronauten zeigt, und der Beweis von Einsteins Theorien waren für Jörg Kranzfelder die Initialzündung zu diesem Ausstellungsprojekt. In den vergangenen Jahren habe das Phänomen des Schwarzen Lochs vielen Künstlern Anreiz zu eigenen Interpretationen gegeben. Für Kranzfelder steht es wie kein anderes Thema für Tod, Vergänglichkeit und Zeit. „Eigentlich wollte ich in Dießen ja ein Raumschiff landen lassen, habe dafür aber dann doch keine Genehmigung bekommen“, erläutert der Foto-Künstler ironisch zur Eröffnung des Veranstaltungsreigens. Ganz besonders freue es ihn, dass es gelungen sei, für das Projekt die sogenannten Huber-Häuser miteinzubeziehen.
Dieses räumliche Juwel inmitten Dießens kann noch bis zum 14. August besichtigt werden. In den Räumen der ehemaligen „grafischen Kunstanstalt“ von Josef C. Huber zeigt Max Westhoff seine sich im Raum „ergießenden“ schwarzen Gummibänder. Ulrike Kreutzer präsentiert „Weltraumschrott unbekannter Herkunft“, darunter ein schimmliges Sofa und museale Computer aus den Beständen der alten Druckerei Huber. Andreas Kloker setzt sich semantisch mit den Themen Hunger, Lust und Glaube auseinander, Janos Fischer ist mit seinen Skulpturen aus getapten Plastikmüll vertreten und Matthias Rodach installierte im Erdgeschoss einen Fährmann, der sich auf einer Art Floß seinen Weg durch ein Meer von Kleiderlumpen bahnt. Im Obergeschoss lässt der Dießener Künstler (Der Mann mit dem goldenen Fisch) einen Kosmographen die „kosmische Hintergrundstrahlung“ messen, die dann vom Computer zerlegt zu Papier gebracht wird. Im Traidtcasten hat Rodach die Reste eines Klaviers der Landsberger Galeristin Catherine Koletzko aufgebaut und lässt an dem Stimmstock sein „Scheibenwischermännchen“ aufspielen.
An dem umfangreichen Ausstellungsprojekt beteiligen sich außerdem mit Zeichungen, Fotografie, Videokunst, Skulpturen und Performance Josef Pleier, Rita De Muynck, Wolfgang van Elst, Martin Schmidt, Ben Goossens, Katharina Ranftl, Anja Eisen, Ludwig Haller, Paula Rodach, Eva Lüps, Jolee Kerscher und Victoria Mayern. Am 12. August steht im Taubenturm noch eine Jazzperformance „Rythm and Sound of Space“ mit Michael Lutzeier auf dem Programm. Am 13. August wird eine Lesung veranstaltet und am 14. August zur Finissage mit Künstlergespräch eingeladen.
Termine
„Das Schwarze Loch“ bis zum 14. August im Traidtcasten, Taubenturm und in der Grafischen Kunstanstalt.
12. August, 20 Uhr Konzert mit Michael Lutzeier im Taubenturm;
13. August, 20 Uhr Lesung im Taubenturm;
14. August, 20 Uhr Finissage
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