Wohnraum in der Marktgemeinde Dießen schaffen zu wollen, war eine der häufigsten Aussagen der Dießener Wahlkämpfer im vergangenen Jahr. Solche Forderungen in praktische Politik umzusetzen, dazu besteht alle drei bis vier Wochen in den Sitzungen des Bauausschusses Gelegenheit. Doch da läuft es meistens genau anders herum: Es geht nicht darum, Wohnraum zu schaffen, sondern zu verhindern. Die Diskussion läuft meistens so: Wohnraum hat zwar oberste Priorität, aber dann wird erklärt, warum sich eine Planung genau in diesem Fall nicht einfügen würde, mehr Verkehr zu befürchten sei, die Autos auf der Straße stehen würden, ein Neubau nicht so schön wäre oder dass man grundsätzlich dagegen ist, dass Investoren für zahlungskräftige Zuagroaste bauen.
All diese Argumente sind politisch zulässig und es ist legitim, eine Politik zu verfolgen, die den Charakter Dießens möglichst erhält, trägt dieser doch erheblich zum Lebenswert der Marktgemeinde bei. Nur muss man dann auch so ehrlich sein, zu sagen, dass die Schaffung von Wohnraum doch nicht oberste Priorität haben soll, anstatt ein unverbindliches „Sowohl-als-auch“ zu vermitteln, am Sonntag vom Wohnungsbau zu reden und ihn am Montag zu verhindern. Aber da ist der Dießener Gemeinderat vielleicht doch ein getreues Abbild der Bevölkerung: Dass die Jungen wegziehen, wird zwar beklagt, doch wenn gebaut werden soll, lässt der Protest in der Nachbarschaft nicht lange auf sich warten.
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