Vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 27 Eigentumswohnungen und Tiefgarage sollen etwa 500 Meter entfernt vom Dießener Marienmünsters entstehen. Der Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde Dießen sprach sich für den Bau nördlich der Rotter Straße aus. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen im Gremium.
Der Bürgermeister soll verhandeln
Bürgermeister Herbert Kirsch wurde vom Gremium beauftragt mit dem Bauwerber den Ankauf mehrerer Wohnungen zu verhandeln. Bauherrin ist eine GmbH mit dem Namen „Wohnpark am Marienmünster“, die mit Sitz in Seefeld, Landkreis Starnberg. Das aus mehreren Flurnummern bestehende 3368 Quadratmeter große Baugrundstück oberhalb der Kreuzung Rotter Straße/Johann-Michael-Fischer-Straße liegt im unbeplanten Innenbereich und ist im Flächennutzungsplan als Mischgebiet ausgewiesen. Im Norden grenzt es an das Gewerbegebiet Fritz-Winter-Straße und an den Wertstoffhof der Gemeinde.
Die vier geplanten Mehrfamilienhäuser haben eine Grundfläche von 225 bis 256 Quadratmeter und eine Firsthöhe von 10,50 Meter. Vier Wohnungen sind kleiner als 50 Quadratmeter, alle übrigen sind größer geplant. Sämtliche Bestandsgebäude auf dem Baugrundstück sollen abgerissen werden. Nach Angabe des Bauwerbers ist die Zufahrt zur geplanten Tiefgarage mit 50 Stellplätzen im Südwesten des Grundstücks von der Rotter Straße aus geplant, und bereits mit dem Straßenbauamt abgestimmt. Fünf weitere Stellplätze für Besucher werden zwischen der Tiefgarageneinfahrt und der anschließenden Bebauung nachgewiesen.
Auch ein Kinderspielplatz, ein Abstellraum und ein Entsorgungsgebäude sind Bestandteil der Planung. Zwar liege das Vorhaben, das nach Rücksprache mit dem Bauamt bereits beachtlich reduziert wurde, immer noch in einer Größenordnung, die bodenrechtliche und städtebauliche Spannungen hervorrufen und Vorbildwirkung für die weitere Bebauung entlang der Rotter Straße haben könnte, gab Bauamtsleiterin Johanna Schäffert zu bedenken. Unabhängig davon seien im Geschosswohnungsbau mit Tiefgarage aber durchaus auch Vorteile gegenüber einer kleinteiligen Doppel- und Reihenhausbebauung mit oberirdischen Garagen und Stellplätzen zu sehen.
Ist die Planung ein Präzedenzfall?
Ganz anders sah dies Gemeinderat Michael Hofmann (Bayernpartei). Für ihn, so Hofmann, sei diese Planung ein Präzedenzfall, mit weitreichenden, negativen Auswirkungen für Dießen. „Da werden zirka 100 Leute wohnen mit mindestens 50 Autos. Alle werden mit ihren Autos durch die Herrenstraße fahren und wir werden überall solche Kästen kriegen“.
Wo bleibt die Infrastruktur?
Menschen, so Hofmann, benötigen neben Wohnraum auch Straßen, Schulen und Gehwege, kurz Infrastruktur. Für ihn sei dies eine Planung, die den massiven Zuzug von „wohlhabenden Leuten von irgendwoher“ fördere. Für junge Familien aus Dießen sehe er hier kaum eine Chance.
Hanni Baur (SPD) erinnerte , dass der Gemeinderat vor geraumer Zeit beschlossen habe, in den Geschosswohnungsbau einzusteigen. Ihr erscheine die Lage an der Hauptverkehrsader Rotter Straße r als geeignet. „Und dass der Bauwerber Geld für eine Tiefgarage in die Hand nimmt, finde ich gut“, betont Baur.
Auch Dießener haben investiert
Marc Schlüpmann (Grüne) teilte Hofmanns Bedenken, dass die Wohnungen für junge Familien nicht erschwinglich sein könnten und regte an, die Gemeinde solle nach Möglichkeit nicht nur eine, sondern gleich mehrere Wohnungen ankaufen und vermieten.
„Ich bin für den Geschosswohnungsbau“, betonte Bürgermeister Herbert Kirsch. Das darin nur Auswärtige investieren, habe sich beim Geschosswohnungsbau in Wengen oder beim betreuten Wohnen in der Prinz-Ludwig-Straße nicht bestätigt. „Hier haben auch Dießener investiert“, so Kirsch. Auch einen Bauboom erwartet der Bürgermeister nicht. „Unser Flächennutzungsplan ist diesbezüglich sehr restriktiv. Aber auf diesem Grundstück besteht Baurecht.“ (lt)