Vor bald drei Jahren hat die Marktgemeinde Dießen die Liegenschaften der ehemaligen Druckerei und Verlagsanstalt Jos. C. Huber KG in der Johannisstraße geerbt. Augenfällige Veränderungen an dem baulich in die Jahre gekommenen Komplex gab es seither nicht. Und so wie es aussieht, werden diese auch noch etliche Zeit auf sich warten lassen.
Zuletzt kam das Huber-Anwesen in der jüngsten Bau- und Umweltausschusssitzung zur Sprache. Bürgermeister Herbert Kirsch berichtete kurz, dass eine leer stehende Wohnung ausgebaut werden soll, als Kostenrahmen wurden 100000 Euro genannt. Bislang gibt es in dem Komplex vier bewohnte Wohnungen. Wie im unweit der ehemaligen Druckerei gelegenen von der Gemeinde angemieteten Haus Ziller soll auch hier Wohnraum für anerkannte Asylbewerber geschaffen werden, so Kirsch weiter.
Ansonsten dürfte sich in nächster Zeit außer Erhaltungsmaßnahmen nicht allzu viel tun. Nach wie vor ist nicht abschließend geklärt, wie es sich mit etwaigen Ansprüchen, die der Verleger und spätere Eigentümer des Druckereibetriebs, der heute 88-jährige Dr. Herbert Fleissner, durch einen Vertrag mit den verstorbenen früheren Eigentümern der Liegenschaft, Hans und Charlotte Zaller, zu erwerben suchte. Die seit dem Tode von Charlotte Zaller vor drei Jahren geführten Verhandlungen zwischen Gemeinde und der Fleissner-Seite seien zuletzt als gescheitert erklärt worden, berichtete Kirsch auf Nachfrage nach mehrmaligen Kontakten mit Fleissner und dessen anwaltschaftlichen Vertreter. Wie es weiter geht, ist offen. Feststeht dem Rathauschef zufolge nur, dass die Gegenseite binnen drei Jahren – also bis 2019 – ihre Ansprüche geltend machen muss, ansonsten verjährten sie.
Fleissner hatte die Firma Jos. C. Huber in den 1970er-Jahren von den Eheleuten Zaller (Hans Zaller war zuvor zu Hubers Zeiten bereits Geschäftsführer gewesen) gekauft, der Grundbesitz verblieb bei den Zallers. Fleissner zahlte eine Art Leibrente und führte die Druck- und Verlagsanstalt bis zu deren Insolvenz 2004, außerdem erwarb er den Anspruch, nach dem Tod der Zallers auch Eigentümer der Immobilie im rechtlichen Sinn zu werden – und zwar zu Konditionen, die dem Einheitswert der Liegenschaft entsprechen, der weit unter dem Verkehrswert liegt. Dessen ungeachtet bestimmten die Zallers jedoch die Marktgemeinde als Erbe. In diesem Spannungsfeld bewegten sich auch die Verhandlungen zwischen der Kommune und Fleissner.
Während die Marktgemeinde unter diesen Umständen erst einmal zum Abwarten gezwungen ist, hat in den vergangenen Monaten der Heimatverein ein Auge auf die leer stehenden Produktions- und Büroräume geworfen und den Kontakt zur Marktgemeinde gesucht: Bürgermeister Kirsch steht Nutzungen für künstlerische und kulturelle Zwecke grundsätzlich offen gegenüber: „Wenn der Heimatverein was machen will, kann er was machen.“ Die Gemeinde werde aber vorerst nur investieren, um die Gebäude nicht weiter verfallen zu lassen.
Jörg Kranzfelder initiierte im August die Ausstellung „Das schwarze Loch“, die zum Teil in den Huber-Gebäuden stattfand. Er könnte sich auch weitere vergleichbare Veranstaltungen oder offene Werkstätten vorstellen, sagt er. Allerdings seien die Nutzungsmöglichkeiten begrenzt. Eine Theateraufführung mit Hunderten Besuchern wäre wegen Punkten wie Brandschutz und Parkplätzen nicht denkbar. Bis zu 50 Leute könnten sich dort aber schon aufhalten, sagt Kranzfelder: Für das „Schwarze Loch“ habe er selber Feuerlöscher besorgt und Fluchtwegschilder angebracht, sich um Toiletten und Behindertenparkplätze im nahegelegenen damaligen „Unikat“ gekümmert und eine Stromversorgung aus der Nachbarschaft ins Gebäude gelegt. Dass die Gemeinde in den nächsten drei Jahre abwarten muss beziehungsweise will, sieht Kranzfelder durchaus als Vorteil: „Das bietet die Möglichkeit, zu überlegen, wie es einmal sein könnte.“ Da sei Raum für Fantasie.