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Verkehr

10.07.2018

Diskussion am Ammersee: Weg vom Auto, aber wie?

Im Sommer herrscht am Strandbad St. Alban bei Dießen häufig Verkehrschaos.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archivfoto)

Experten diskutieren in Dießen über Mobilität im ländlichen Raum. Die Bürger sollen Bus und Bahn mehr nutzen. Woran das derzeit scheitert.

Muss man Mobilität neu erfinden? Welche Lösungen gibt es schon, ganz real und in den Köpfen? Ein Team aus Mitgliedern von Transition-Region Ammersee, der Initiative Mobi-LL und den Grünen hat Experten zu den Bereichen Radfahren, Automobilität und Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) gebeten, beim Dießener Mobilitätsforum ihre Visionen darzustellen.

Radeln und zu Fuß gehen? Dann würden sich zwar mehr Menschen und nicht nur Autos begegnen und man bekäme auch mehr von den Schönheiten der Landschaft mit. Doch so einfach ist es nicht, resümieren Gisela Übler von mobi-LL und Antje Novoa von Transition-Region Ammersee. Gerade im ländlichen Raum sei der Individualverkehr auf das Auto angewiesen. In der Stadt dagegen lasse sich wegen zahlreicher Alternativen leichter darauf verzichten.

Verkehr nimmt drastisch zu

Erst seit einigen Jahren würden in der Region Transportmöglichkeiten jenseits des Privatautos angeboten und getestet. Um akzeptabel zu sein, müssten sie nur zwei Ansprüchen genügen: Sie sollen ökologisch nachhaltig sein und individuelle Bewegungsfreiheit garantieren. Aber geht das? Viel Zeit sollte man sich mit der Umstellung nicht lassen, denn der Verkehr kollabiere allerorts immer häufiger. Wegen der Landflucht vieler Menschen nehme der Verkehr drastisch zu. Verkehrszählungen zeigten, dass es gar nicht mal um touristischen oder Durchfahrtsverkehr gehe, zu 80 Prozent würden Kurzstrecken zwischen zwei und drei Kilometern zurückgelegt.

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Dr. Reinhard Kolke, Leiter des Technikzentrums des ADAC in Landsberg, ist aber optimistisch: „Man kann die Dinge bewegen.“ Er sehe die Mobilität der Zukunft vernetzt und digital. Carsharing sei ein Auslaufmodell: „Unsere Kinder wollen individueller sein, keine Mitfahrer.“ Aber ums Mitfahren komme man vorerst wohl nicht herum. Die Mobilität der Zukunft seien aber Flixbus, Blabla-Cars und autonomes Fahren. „Die Künstliche Intelligenz ändert unsere Mobilität.“ Auch Verkehrszählungen seien laut Kolke von gestern. Jetzt sammle man Daten anders und erhält transparente Aufklärung über Verkehrsströme und -zeiten.“

Fragen zum autonomen Fahren

In einer kurzen Pause tauschte sich das Publikum über das Gehörte aus. Den springenden Punkt sehen die Besucher im Übergang zum autonomen Fahren. Das ginge nicht gleichzeitig zum traditionellen Verkehrssystem. Ältere Menschen kämen damit gar nicht zurecht. Und die Straßenkapazität für beides wäre auch nicht vorhanden. Dann blickten die weiteren Vortragenden eher „analog bis halbdigital“ in die Zukunft. Wolle man die Mobilität im ländlichen Raum grundsätzlich ändern, dann wäre der Ausbau des ÖPNV gefragt. Der sei gerade an den Wochenenden grottenschlecht, darin sind sich Moritz Hartmann, Kreisrat der Grünen, und Dietmar Winkler, Leiter des ÖPNV am Landratsamt Landsberg, einig.

„Das planen wir seit über 30 Jahren,“ sagte Winkler, „aber das Geld ist das Problem.“ Die Bahn wolle keine günstigeren MVV-Tarife, der Verkehr in München steuere auf eine Katastrophe zu. Weitere Transportoptionen müssten durchdacht werden: Ruf- und Sammeltaxis, Rufbusse, die nicht nur an das normale Bussystem gekoppelt seien.

Teilauto als ideale Lösung

In Dießen wollte man das schon einmal einrichten, habe aber keine Partner gefunden. Da brauche man die Zusammenarbeit mit der Politik, die das zu 50 Prozent mitfinanzieren müsse, sagt Winkler. Martin Heinz von Carsharing Pfaffenwinkel sieht die Nutzung eines Teilautos, das man nur bei Bedarf anmietet und auch spontan nutzen kann, eine ideale Lösung. „Nicht geeignet für die tägliche Fahrt zur Arbeit, aber Firmen und Einrichtungen wie die Herzogsägmühle ersetzen schon einen großen Teil ihrer Dienstfahrzeuge durch Carsharing.“ Aktuell praktikabel sei das Nachbarschaftsauto, weiß auch Gabriele Übler, die sich selbst mit einigen Familien ein Auto teilt: „Buchung und Abrechnung geht zum Beispiel unkompliziert über die Fuhrparksoftware fleetster.“

Martin Baumeister vom Landesverband des ADFC setzt dagegen seit Jahrzehnten auf Fahrradmobilität. Und da sei in den vergangenen Jahren einiges erreicht worden wie zum Beispiel 300 Kilometer beschilderte Radwege, tauglich auch für Alltagsradler, im Landkreis Landsberg. Und Bürgermeister Herbert Kirsch ist schon mal gespannt, ob die „Mitnehmerbank“ erfolgreich ist, die im Herbst in Schondorf aufgestellt wird.

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