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Fastenzeit I

03.04.2011

Egling verliert geistige Dreifaltigkeit

Fastenprediger Bruder Martin (Wölzmüller) und SCE-Vorstand Anton Metzger beim Eglinger Starkbierfest.
Bild: Foto: Walter Herzog

Bruder Martin predigt im Sportheim zum Starkbier

Egling Nach einem Jahr Pause hat der Sportclub Egling zur zweiten Auflage seines Starkbierfestes mit zünftiger Fastenpredigt und unterhaltsamen Gaudispielen gerufen. Und alle „lieben Brüder und Schwestern“, von den „Umstandskrämern und Schildbürgern“ über die „Siebengscheiten und Ausgekochten“ bis hin zu den „Großkopferten“, die sich erhofften in der Predigt von Bruder Martin aufs Korn genommen zu werden, waren ins Vereinsheim gekommen. Niemand, der in der Gemeinde einen Namen hat, und nichts, was sich im Dorfleben zugetragen hatte, wurde verschont.

Bevor aber die rund 200 Zuhörer sich lachend auf die Schenkel klopfen durften, wurden sie von den Klängen der Blaskapelle Egling-Heinrichshofen unter der Leitung von „Mutter Bettina“, alias Bettina Peschanel, in die richtige Stimmung gebracht. Im Gegensatz zum gastgebenden SC Egling (SCE) brauche sie sich um den Nachwuchs keine Sorgen zu machen. In ihre Arme eilen die verlorenen Söhne und Töchter wieder zurück, um zu musizieren, während die äußerlich kraftvoll erscheinenden Männer des SCE, kaum der ersten Mannschaft entwachsen, ausgelaugt den direkten Weg vom Fußballplatz ins Austragsstüberl gesucht und gefunden haben. Viel Verständnis zeigte deshalb Bruder Martin dafür, dass die jugendlichen Männer massive Schwächeanfälle erleiden, wenn es gilt Vereinsämter zu übernehmen. Kein Wunder aber, dass als Folge daraus der Sportverein von der erfolgreichen Tanzgruppe, der AH, den alten Herren, und den reichen Stockschützen dominiert wird.

Immer wieder gab es zwischendurch einen kräftigen Schluck süffigen Salvators aus dem „Gefäß der Erkenntnis“, als Bruder Martin während seiner Fastenpredigt von Höhepunkt zu Höhepunkt des gemeindlichen Lebens wechselte. Ob der viel diskutierte Gemeindebulldog, den nicht der gelbe Hirsch auf grünem Grunde ziert, ob das Gewirk und Gewebe aus Rohren im Untergrund der Gemeinde, das aus Biogas und zukünftig wohl auch aus Windrädern zwischen St. Vitus und St. Magnus für wohlige Wärme sorgen wird, oder der Verlust der geistigen Dreifaltigkeit – der Pfarrer wechselt zum Missionieren nach Scheuring, der Doktor „isch jetzt freiberuflicher Gesundheitspolitiker“ und der Rektor „beendet seinen Eintritt in den Ruhestand“, Egling stehen grundlegende Veränderungen bevor.

Egling verliert geistige Dreifaltigkeit

Auch die kommunalpolitische Landschaft bleibt davon nicht ausgenommen. „Es ist einem Manne nicht gut, in seiner Jugend das Joch zu tragen“, zitiert Bruder Martin aus der Bibel und führt damit direkt zur CSU. „Ihr geht es im Ort nicht gut“, war zu vernehmen. Sie reibe sich nur noch an ihrer eigenen Überalterung und suche ihren Nachwuchs heute deshalb über Facebook. Zudem sei ihr mit der SPD ein Gegner abhandengekommen, der sein segensreiches Wirken immer zum Nutzen und Vorteil der CSU ausgeübt habe. Da wären noch die Freien Wähler, die man im Ort Dorfgemeinschaft nennt, und die den Begriff „Gemeinschaft“ eher mit einem freien Verständnis interpretierten. Und sei das nicht genug, zeige die Bayernpartei hoffnungsvolle Züge und blühe und gedeihe in Egling – bis jetzt noch.

Weg mit dem Ballast für künftige Höhenflüge

Auch die Herren Gemeinderäte wurden Mann für Mann liebevoll-kritisch unter die Lupe genommen. „Die Kopie von Verteidigungsfreiherr KT zu Guttenberg“, der Zweite Bürgermeister Ferdinand Holzer, trete massenhaft von seinen Ämtern zurück, nur um Ballast abzuwerfen und sich für weitere Höhenflüge vorzubereiten. Und dem Gemeindeoberhaupt Leonhard Wörl wurden so ordentliche Gemeindefinanzen bescheinigt, dass die Nachbarbürgermeister mit wässrigen Augen auf die Eglinger schauen. Dazu eine unerreicht bürgerfreundliche Politik, die jede Sehnsucht nach Bebauungsplanänderung für Großprojekte erfülle. Mit dem Wunsch, dass Vernunft und Augenmaß ihre Zelte in der Gemeinde Egling nicht ganz abbrechen mögen, gab Bruder Martin die Bühne frei, damit sich sodann die Vereinsvertreter unbeschwert den Gaudiwettbewerben aus Wettnageln, Maßkrugschieben und Baumstammsägen hingeben und ihr Starkbier genießen konnten.

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