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21.01.2011

Ein Mann, der Filmgeschichte schrieb

Ein Mann, der Filmgeschichte schrieb
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Der ehemalige Fernsehregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Rainer Wolffhardt mit dem Plakat der Fernsehproduktion "Löwengrube", für die er unter anderem 1992 den Grimme-Preis bekam. Foto: Thorsten Jordan
Bild: Thorsten Jordan

Engratshofen "Guten Morgen, Herr Wolffhardt. Frühstücken Sie gerade oder was machen Sie im Moment?" So frage ich den ehemaligen Fernsehregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Rainer Wolffhardt am Telefon. Und was bekomme ich zu hören? "Ich mache gerade meinen Frühsport, und dann muss ich weg", teilt der 83-Jährige mit, der offenbar in großer Eile ist.

Frühsport - was macht er denn da, der Wahl-Fuchstaler, der ein halbes Jahrhundert als waschechter Stadtmensch in München gelebt hat? Er zieht, wie er glaubwürdig sagt, seit 30 oder 40 Jahren alle zwei Tage ein richtiges Trainingsprogramm durch. Dazu gehören unter anderem einige Liegestützen, 70 Kniebeugen und 700 Schritte Laufen.

In seiner Filmografie steht, dass Wolffhardt vor allem Fernsehspiele und Fernsehfilme mit politischem, zeitkritischem oder historischem Hintergrund produziert hat: "Insgesamt waren es über 100 Produktionen für mehrere Fernsehanstalten wie Bayerischer Rundfunk, ZDF, SFB, NDR und Radio Bremen. Einige Mehrteiler und Serien gehörten auch dazu", berichtet der frühere Schüler der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München. Nicht ohne Stolz verweist Wolffhardt auf eine Reihe von Filmpreisen, mit denen Produktionen von ihm zwischen 1956 und 1997 ausgezeichnet worden sind.

So erhielt er unter anderem den Fernsehpreis der Katholischen Kirche für "Ruf ohne Echo" (1959), den "Goldenen Gong" für "Löwengrube" (1991) und den Adolf Grimme Preis in Gold für "Löwengrube" (1992). Diese 32-teilige Serie mit dem Untertitel "Die Grandauers und ihre Zeit", die von 1987 bis 1991 in drei Staffeln gedreht wurde, bezeichnet Wolffhardt als "eine Krönung meiner Arbeit".

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Auszeichnungen und Schulterklopfen - das war eine Seite im Regisseur-Dasein von Rainer Wolffhardt. Es gab aber auch andere Facetten seines Berufes. So zum Beispiel, wenn es um Drehbücher, Besetzung der Rollen und um das Budget ging. Da war oft erst nach einigem Gezerre mit den Verantwortlichen der Fernsehanstalten Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Vergessen hat Wolffhardt das bis heute nicht. Und schon gar nicht den Ärger wegen des Films "Besuch aus der Zone", bei dem zum Beispiel Kurt Horwitz und Siegfried Lowitz mitwirkten. Ärger gab es nicht mit den Darstellern, sondern mit der Springer-Presse. Der sei dieser Film zu "DDR-freundlich" erschienen, berichtet Wolffhardt, der kein Geheimnis daraus macht, dass er ein SPD-Mann sei und zur Bundestagswahl 1980 mehrere Fernsehspots mit Politikern wie Willy Brandt, Helmut Schmidt und Hans-Jochen Vogel produziert habe.

Die Anfänge des filmischen Schaffens gehen bei Wolffhardt jedoch viel weiter zurück, genau bis 1956: In einer "lustigen, aber unbedeutenden Geschichte", wie er sagt, führte Wolffhardt damals erstmals Regie im Fernsehen: "Der eingebildete Doktor" nannte sich die Komödie. Die blieb nicht seine Einzige. Doch der Regisseur, der Fernsehspiele teils selbst geschrieben und viele Vorlagen überarbeitet hat, inszenierte auch Kriminalfilme wie "Bei Anruf Mord" und stellte eine Reihe Produktionen mit biografischem Hintergrund auf die Beine.

Eine davon, eine Trilogie aus 1979, trug den Titel "Die Reventlow". Eine andere war mit "Kaiserhofstraße 12" (1980) überschrieben, wobei die Autobiografie von Valentin Sänger als Vorlage diente. Insgesamt hat Wolffhardt über 100 Filme produziert - viele davon nach Literaturbearbeitungen wie "Der Hauptmann von Köpenick" nach dem gleichnamigen Theaterstück von Carl Zuckmayer oder die "Rumpelhanni" nach dem gleichlautenden Roman von Lena Christ.

Schon sehr lange ist es her, dass Wolffhardt einige Jahre als Schauspieler an den Münchner Kammerspielen tätig war und neben anderen Bertold Brecht bei der Regieführung assistierte.

Filmemachen früher - Filmemachen heute: Was fällt Wolffhardt dazu spontan ein? Früher ging alles etwas langsamer vor sich. "25 bis 30 Drehtage mussten es schon sein pro Film", berichtet der 83-Jährige. Heute sind es sicher einige Drehtage weniger. "Und natürlich haben wir bei der Auswahl der Drehorte darauf geachtet, dass wir möglichst viele Aufnahmen auf einmal in den Kasten bekommen", sagt Wolffhardt. Geld habe nämlich nicht in Hülle und Fülle zur Verfügung gestanden.

Vor zehn Jahren haben die Wolffhardts, Rainer und seine Frau, die Stadt München endgültig verlassen - zuvor nur am Wochenende - und sich in Engratshofen im Ortsteil Leeder der Gemeinde Fuchstal niedergelassen: In einem ehemaligen Bauernhof, den sie zu Wohnzwecken umgebaut haben: "Die Einsamkeit und die Stille imponieren mir", so der 83-Jährige, der gerne an die Weiher in Welden spaziert und im Gasthaus Einkehr hält.

Seit mehreren Jahren gehört der langjährige Filmemacher der Hospizgruppe Landsberg an: "Ich habe schon einige Sterbebegleitungen gemacht", berichtet er. Im Mehrgenerationenhaus der Arbeiterwohlfahrt in Landsberg betreue er mitunter ältere Menschen.

Obwohl Wolffhardt nicht mehr aktiv im Filmgeschäft tätig ist, ist er noch keineswegs vergessen. So erhielt er 2009 als 81-Jähriger eine Einladung von der Universität Flensburg, um mit Studenten eine Art Seminar durchzuführen: "Da habe ich mein Lebenswerk vorgestellt. Das war eine große Ehre für mich", freut sich Rainer Wolffhardt.

Seine Augen leuchten, wenn er darüber spricht.

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