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Huber-Grundstücke: Ein Testament und ein Vertrag

Huber-Grundstücke

Ein Testament und ein Vertrag

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    Erinnerung an eine große gewerbliche Vergangenheit: Die Inschrift auf dem Gebäude der Buchdruckerei Huber an der Dießener Johannisstraße.
    Erinnerung an eine große gewerbliche Vergangenheit: Die Inschrift auf dem Gebäude der Buchdruckerei Huber an der Dießener Johannisstraße. Foto: Gerald Modlinger

    Macht die Marktgemeinde Dießen rund 15 Jahre nach dem Sittmann-Nachlass eine weitere größere Erbschaft? Über diese Frage befindet derzeit das Nachlassgericht, nachdem die Eigentümerin der Liegenschaften der ehemaligen Buchdruckerei Jos. C. Huber KG in der Johannisstraße, Charlotte Zaller, am 25. Oktober im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Die Verstorbene und ihr bereits zuvor gestorbener Ehemann Hans hatten der Marktgemeinde testamentarisch die Immobilien vermacht. Die Sache hat jedoch einen Haken: Die Eheleute Zaller hatten bereits in den 1970er-Jahren mit dem Münchner Verleger Dr. Herbert Fleissner einen Vertrag geschlossen, der ihn nach ihrem Tode zum Eigentümer des rund 2450 Quadratmeter großen ehemaligen Betriebsgeländes mitten in Dießen machen soll.

    Die Liegenschaft besteht aus einem ortsbildprägenden, aber baulich inzwischen mangelhaften Gebäudeensemble an der Johannisstraße mit einem repräsentativen Gründerzeit-Stadthaus aus dem Jahr 1868, einem Verlags- und Druckereigebäude (1862 als Rathaus errichtet) und einem dazwischen liegenden kleinen Wohnhaus. Weitere Druckereibauten befinden sich in zweiter Reihe, westlich davon befinden sich noch zwei weitere unbebaute Parzellen.

    Bis vor zehn Jahren war es Sitz eines der bedeutendsten Unternehmen Dießens, der 1879 gegründeten Buchdruckerei Jos. C. Huber KG. Die Firma Huber war lange Zeit der größte Arbeitgeber im Ort und beschäftigte in ihren Glanzzeiten bis zu 250 Mitarbeiter. Drei Generationen lang befand sich das Unternehmen in Familienhand. Die Liegenschaften gingen 1948 in eine Erbengemeinschaft, bestehend aus Josef III. Huber und seine Schwestern Maria Skell und Johanna Hendriok über. Einige Jahre später wurden der Grundbesitz und die Firma an den damaligen Geschäftsführer Hans Zaller verkauft.

    In den 1970er Jahren veräußerte dieser die Firma an den heute 85 Jahren alten Verleger Herbert Fleissner, der Grundbesitz in der Johannisstraße blieb jedoch im Eigentum der Eheleute Zaller. Fleissner führte die Firma bis zu deren Insolvenz 2004 weiter und verpflichtete sich zur Zahlung einer Art Leibrente, wie seine Tochter Brigitte Fleissner-Mikorey als Generalbevollmächtigte ihres Vaters bestätigte. Dafür erwarb er sich den Anspruch, nach dem Tod der Eheleute Zaller auch Eigentümer im rechtlichen Sinne zu werden.

    Die Eheleute Zaller verfügten dessen ungeachtet in ihrem letzten Willen aus den 2000er Jahren, dass die Marktgemeinde Dießen die Liegenschaften im Ortszentrum erben soll. Nachdem Charlotte Zaller im Herbst gestorben war, übergab eine Vertraute das Testament im Dießener Rathaus. Damit beantragte die Marktgemeinde die Ausstellung eines Erbscheins zu ihren Gunsten.

    Sie habe von dem Testament von Bürgermeister Herbert Kirsch erfahren, erklärte Brigitte Fleissner-Mikorey. Die Fleissner-Tochter leitet als Generalbevollmächtigte den Verlagskonzern ihres Vaters. Die Sache werde jetzt vom Nachlassgericht geklärt. Der Vertrag zwischen ihrem Vater und den Eheleuten Zaller sei „klar und eindeutig“. Wie die Sache jedoch im Zusammenhang mit dem Testament der Zallers zu bewerten ist, könne sie „nicht abschließend beurteilen“.

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