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Vernissage

11.09.2019

Keine Angst vor kräftiger Farbe

Hans Dumlers Landschaften ziehen den Betrachter förmlich ins Bild hinein. Zu sehen sind sie noch an diesem Wochenende im Studio Rose in Schondorf.
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Hans Dumlers Landschaften ziehen den Betrachter förmlich ins Bild hinein. Zu sehen sind sie noch an diesem Wochenende im Studio Rose in Schondorf.

Im Studio Rose in Schondorf sind derzeit Werke des Malers Hans Dumler zu sehen. Warum „Grün“ dominiert

Bei der Vernissage zur Ausstellung „Horizonte“ des Malers Hans Dumler war es eng. Aber wenn man zwischen Köpfen und Körpern hindurch einen Blick auf seine Bilder erhaschte, sah man Grün. Leuchtend und klar. Zu genau wusste er, wie sein Grün sein musste und hatte keine Angst vor der Farbe – im Gegensatz zu vielen Malern, die diese Farbe als schwierig empfinden und sie meiden. Im Studio Rose in Schondorf feierte seine Fan-Gemeinde den Künstler, der nicht nur am Ammersee geliebt wird, sondern auch in international einen großen Namen hat.

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Im Jahr 2017 ist Hans Dumler im Alter von 95 Jahren in Utting gestorben. Er hat ein so umfangreiches Werk hinterlassen, dass man es nur unter einzelnen Aspekten zusammenfassen kann, um es annähernd zu zeigen. Im Studio Rose also „Horizonte“: viele großformatige Landschaftsbilder, einige kleine Gouachen und Leinwandbilder. Die Laudatio hielt Ludwig Streicher, Theologe, Betriebswirt – eigentlich kein Kunstsachverständiger. Aber er hatte vor zwei Jahren die Grabrede zum Tode des Malers gehalten. Dessen Witwe Ruth Dumler war damals so berührt von den Worten Streichers, dass sie ihn jetzt bat, zur Ausstellungseröffnung zu sprechen. „Ich habe Hans Dumler nicht persönlich gekannt“, sagte Streicher, „nur begegnet bin ich ihm in Utting immer wieder. Kennengelernt habe ich ihn aber durch seine Bilder.“ Denn Dumler zeigte auf diese Weise seine innere Stimmung: seine Traurigkeit, seine Freude, seine Enttäuschung, seine Liebe.

Viele der im Studio Rose ausgestellten Bilder sind in einer Zeit entstanden, als er sein Atelier auf Gut Memming verlassen musste. Er war enttäuscht von den Menschen, die ihn zwangen, wegzuziehen. Also schloss er sie aus seiner Welt aus. Der Mensch ist so nur die gestalterische Kraft hinter der Kulturlandschaft, denn immer wieder ziehen Wege und Ackerfurchen über die sanften Hügel. Nur ein paar Kühe beleben das Bild. Es ist manchmal magisch: Dumlers Werke entwickeln einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Man wird förmlich hineingezogen in diese Welt der Stille und der Schönheit der Ammersee-Landschaft. Man tritt ganz nah an das Bild heran. Und man sieht, mit welch liebevoller Genauigkeit Dumler jedes Grasbüschel gestaltet hat – Hunderte in perspektivischer Reihe, die auch am Horizont nicht verschwimmen.

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1992 fand der Maler in Utting in einem Atelierhaus des Architekten Wolf-Eckart Lüps ein neues Zuhause und neuen Lebensmut. Seine Schaffenskraft kehrte zurück und erfüllte ihn bis fast an sein Lebensende.

„Horizonte“ von Hans Dumler ist noch am Wochenende, 14. und 15. September, im Studio Rose zu sehen, jeweils von 11 bis 18 Uhr.

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