Kaltenberg Der liebe Gott muss ein Kaltenberger sein – oder es zumindest gut meinen mit den Organisatoren der Gauklernacht. Bis auf ein kurzes, leichtes Regentropfen-Intermezzo erlebten und genossen rund 9000 Besucher diesen etwas anderen Abend auf Schloss Kaltenberg trockenen Fußes und dadurch sichtlich guter Laune.
„Das Eisen ist aus der Luft und schafft im Gegensatz zu den Turniertagen eine ganz eigene, stimmige Atmosphäre“, resümiert Markus Hummel, der für die Gauklernacht und den Mittelaltermarkt verantwortliche Mitarbeiter des Kaltenberger Ritterturniers. Einzig auf der Waldbühne klirren die Schwerter und Äxte auf der erstmals in diesem Jahr zweistöckig aufgebauten Marktbühne, wo die tschechische Kampftruppe Kadeti ihre ganz eigene (Blödel)Version der Geschichte um Robin Hood präsentiert. Ansonsten ist das Feuer die gefährlichste Waffe auf dem Schlossgelände, die allerdings dazu angetan ist, die Besucher zu verzaubern, in eben diese ganz besondere Stimmung zu versetzen – was allerdings nur möglich war, da das Tiefdruckgebiet über der Region Landsberg seinen Schwerpunkt zumindest am Donnerstagabend in eine andere Richtung verlagert hatte.
In einem Jahr viel an der Geländeentwässerung gearbeitet
„Das ist halt das Risiko, mit dem wir leben müssen und gelernt haben umzugehen“, zeigt sich auch Gastgeber und Hausherr Luitpold Prinz von Bayern erleichtert über die angenehmen äußeren Bedingungen. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an das vergangene Jahr, wo zwar die Temperaturen deutlich höher waren, der Wasserpegel aber ebenso. „Wir haben in diesem einen Jahr vieles an der Entwässerung verbessert, neue Drainagen gelegt.“ Dass dies bei der Gauklernacht nicht notwendig wurde, freut ihn und seine Mitarbeiter natürlich umso mehr.
Vor allem freut das aber die Künstler, die an diesem Abend in ihrer Motivation kaum einzubremsen sind. Schon kurz nach Geländeöffnung legen sie los, als gelte es, die Zeit der Trockenheit auszunutzen, als wäre es die letzte für viele folgende Monate. Dabei erweisen sich die Besucher als gut vorbereitet und sachkundig. So lockt vor allem die Münchner Gruppe „Estampie“ (nach der höfischen Tanzmusik des Mittelalters) eine ansehnliche Fangemeinde vor die Rabenbühne. Estampie ist eine der eigens für die Gauklernacht verpflichteten zusätzlichen Künstler, und Markus Hummel hat damit einen gute Wahl getroffen.
Prinz Luitpold, der sich unters Publikum gemischt hat, ist jedenfalls begeistert. Gute Aussichten für die Musiker, im nächsten Jahr eventuell erneut mit dabei zu sein. Wie jedes Jahr ist der Qualitätsanspruch auch bei der achten Gauklernacht hoch angesetzt, einer, der ihn allemal erfüllt, ist der Kristallmagier Ruven Nagel, ebenfalls ein Neuling auf dem Gelände. Wie von Zauberhand geführt oder durch einen Magneten mit dem Körper verbunden, rollen Glaskugeln ohne herunterzufallen über den Körper des Magiers, der gleichzeitig stets freundlich lächelnd und geduldig auch noch die Fragen der neugierigsten Zuschauer beantwortet.
Spaziergänge bis lange nach Mitternacht
Es war auch heuer wieder das direkte Miteinander, das die Gauklernacht zunehmend bei den Mittelalterfans beliebt macht. Die Künstler akzeptierten es nicht nur, sondern freuten sich richtiggehend darüber, wenn Besucher den Mut aufbrachten, sich in die Vorführungen mit einzubringen. Auch für die Gauklernacht gilt der gleiche, strenge Qualitätsanspruch, der schon das Ritterturnier in über drei Jahrzehnten zu einer Erfolgsgeschichte werden ließ.
Auch am Donnerstagabend spazierten die Besucher noch lange nach Mitternacht durch die immer stiller werdenden Marktgassen, gingen ins Keltenhaus oder blieben an den Zelten stehen, um sich an den Feuern zu wärmen. Selbst „Ardor“, ehemaliges Mitglied der Gruppe Corvus Corax, schlenderte gelassen durch den Schlosshof: „Kaltenberg sehen und sterben“, erklärt der Mittelalterroutinier seinen neuen Kollegen von Tanzwut – mit dieser Einstellung brachten es schon einmal Musiker zur seltenen Auszeichnung „Königliche Spielleute“.