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Penzing: Penzing: Woher kommen Tausende Mitarbeiter für Intel?

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Penzing: Woher kommen Tausende Mitarbeiter für Intel?

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    Im US-Bundesstaat Oregon gibt es eine Fabrik von Intel. Solche Arbeitsplätze könnten auch auf dem Fliegerhorst Penzing entstehen, sollte sich der Konzern für diesen Standort entscheiden.
    Im US-Bundesstaat Oregon gibt es eine Fabrik von Intel. Solche Arbeitsplätze könnten auch auf dem Fliegerhorst Penzing entstehen, sollte sich der Konzern für diesen Standort entscheiden. Foto: Intel Corporation/dpa

    Kaum wurde bekannt, dass der Penzinger Fliegerhorst als Standort für die Chipfabrik von Intel im Gespräch ist, da erreichten Landrat Thomas Eichinger (CSU) auch schon die ersten Anrufe von Unternehmern, die sich Sorgen machen, dass die Gewinnung von Fachkräften künftig eine noch größere Herausforderung wird. Ein Unternehmer äußert seine Bedenken gegen die Ansiedlung auch öffentlich im LT. Unsere Zeitung hat beim Landrat, der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Agentur für Arbeit nachgefragt, welche Chancen und Risiken sie mit Blick auf den Arbeitsmarkt sehen.

    Kommt Intel, könnten etwa 3500 neue Jobs entstehen. Die Standortfrage soll bis Ende des Jahres geklärt werden. Doch wo sollen die Arbeitskräfte herkommen, angesichts der guten Arbeitsmarktlage? Die Arbeitslosenquote lag in den vergangenen zehn Jahren im Landkreis Landsberg immer unter vier Prozent. Aktuell sind es 2,8 Prozent. Der Blick auf die Zahlen der Agentur für Arbeit zeigt aber auch, dass im selben Zeitraum etwa 9000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden sind, die Zahl der Arbeitnehmer also deutlich gewachsen ist. Aktuell sind es knapp 40.000.

    Landrat verweist auf spannendes Umfeld im Beruf und der Freizeit

    Aus Sicht von Landrat Thomas Eichinger (CSU) geht es um einen Wettbewerb um die klügsten Köpfe, und er verweist auf seine Erfahrungen in seinem früheren Beruf als Personalberater. „Wenn man ein spannendes Umfeld beim Beruf und der Freizeit bieten kann, dann fällt die Rekrutierung von Personal leichter.“ Es werde möglicherweise Auswirkungen auf einzelne Firmen in der Region haben, die Entwicklungsingenieure beschäftigen, so der Landrat, er gehe aber davon aus, dass Intel europaweit um die benötigten Spezialisten werben müsse. „Das wird auch nicht in einem Jahr klappen, das ist ein Prozess.“ Eichinger kann sich vorstellen, dass auch München, wo jetzt schon viele IT-Fachleute arbeiten, einer der Orte sein könnte, an dem Intel fündig wird.

    Reinhard Häckl: Intel schafft Wohlstand und Arbeitsplätze

    Als „absolut positiv“ bewertet Reinhard Häckl aus Schondorf, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landsberg, dass Intel möglicherweise nach Penzing kommt. „Die Firma schafft Wohlstand durch neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen und Intel macht den Wirtschaftsstandort noch interessanter. Und der Fachkräftemangel ist eine Thematik, die in der Region schon seit Jahren besteht.“ Auch er sieht in den Chips, die unter anderem für die bayerischen Automobilhersteller wichtig seien, und bei denen es zuletzt Lieferengpässe gegeben habe, ein zukunftsträchtiges Produkt. Häckl rechnet ebenfalls damit, dass der heimische Arbeitsmarkt die Nachfrage nach Personal nicht wird decken können.

    Einen Wermutstropfen gibt es aus Sicht von Häckl aber: Intel hat angekündigt, 20 Milliarden Euro in den Bau von zwei Produktionshallen investieren zu wollen, will im Gegenzug aber auch acht Milliarden Euro an staatlicher Förderung. „Die Forderung finde ich schon sehr hoch“, so der Vorsitzende des Regionalausschusses Landsberg.

    Markus Nitsch, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Weilheim, rechnet mit einer Sogwirkung bei den Arbeitskräften.
    Markus Nitsch, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Weilheim, rechnet mit einer Sogwirkung bei den Arbeitskräften. Foto: Arbeitsagentur

    Von einer möglichen „weltweiten Sogwirkung bei den Fachkräften“ spricht Markus Nitsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Weilheim, auf Nachfrage des LT. Er hält es für denkbar, dass Mitarbeiter aus der Produktion bei anderen Firmen abwandern, weil die Verdienstmöglichkeiten bei Intel, so es zur Ansiedlung kommt, gegebenenfalls besser seien.

    Auch die Nachfrage nach Informatikern und Ingenieuren werde „zweifelsohne ansteigen“. Aus Sicht der Agentur für Arbeit gelte es daher, den von der Behörde bereits eingeschlagenen Weg weiterzugehen. „Wir gewähren die verschiedensten Weiterbildungsmöglichkeiten und Qualifizierungsangebote, unterstützen die Reaktivierung von Frauen und Männern nach Familienphasen und fördern die Rekrutierung von ausländischen Fach- und Arbeitskräften“, betont Nitsch.

    Landsbergs Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) sieht beim Thema Fachkräftesicherung die Möglichkeit, weitere Bildungseinrichtungen in die Kreisstadt zu holen, sagt sie auf Nachfrage.

    Ein Geschäftsführer, der die Ansiedlung von Intel kritisch bewertet, ist Friedrich Heimerer vom gleichnamigen Bildungsträger. „Ich sehe es skeptisch, sich von einer Firma abhängig zu machen und so eine große Fläche bereitzustellen. Eine Mischnutzung fände ich besser.“ Heimerer würde selbst gerne auf das Gelände ziehen. Er habe dazu vergangenes Jahr auch Gespräche geführt, sagt er. „Wir sind bei den Gesprächen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben aber nicht weitergekommen, weil dort die Sorge bestand, dass man uns im Falle eines Verkaufs nicht schnell genug wieder kündigen könnte“, informiert der Geschäftsführer.

    Friedrich Heimerer möchte Pflegekräfte auf dem Fliegerhorst ausbilden

    Er würde im bestehenden Schulungszentrum des Fliegerhorsts gerne Anerkennungslehrgänge für Pflegekräfte durchführen sowie Weiterbildungen und Studiengänge anbieten. „Hunderte dringend benötigte Pflegekräfte würden der Region im Laufe der nächsten Jahre zur Verfügung stehen. Unseren Politikern scheint dies allerdings nicht so wichtig zu sein wie Chips für noch mehr iPhones und Teslas.“

    Landrat Eichinger stellt im Zusammenhang mit Intel die Frage, welche Perspektive gewünscht ist: „Wollen wir ein Standort sein, der wirtschaftlich erfolgreich ist und in Kauf nimmt, dass damit Herausforderungen wie die Gewinnung von Fachkräften oder die Schaffung von Wohnraum verbunden sind, oder wollen wir eine Region sein, aus der die Menschen wegziehen?“

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