Reichlich Platz hat das Milchvieh des Landwirts Armin Högenauer in Prittriching in dem 2013 neu gebauten Stall, den er nach Bio-Richtlinien sowie Kriterien des Deutschen Tierschutzbunds konzipiert hat. Die 87 Kühe können sich frei bewegen und selbst entscheiden, ob und wann sie am Melkroboter, der jede Kuh durch einen Chip erkennt, ihre Milch abgeben wollen. Und diese Milch ist eine ganz besondere – dafür sorgt spezielle Technik im Stall.
Ein Auslauf für die Tiere ins Freie ist für die nächsten Jahre geplant. Am Fütterungsroboter gibt es reichlich hochwertiges Futter aus Leguminosen wie Klee und Luzerne. Soja verfüttern Monika und Armin Högenauer nicht. Die Landwirtschaft und den Ackerbau können die dreifachen Eltern dank modernster Technik, im Nebenerwerb betreiben. Das aufwendige Melken morgens und abends ist nicht mehr erforderlich. Der 40-jährige Armin Högenauer ist als Betriebsleiter in einer Firma für Holzpellets tätig. Als 2015 der Milchpreis völlig in den Keller ging, suchte er nach Alternativen, um seine und die Situation der Milchwirtschaft generell zu verbessern.
Licht der Sonne wird im Stall in Prittriching nachempfunden
Fündig wurde er bei seinen Recherchen im Internet. Dort stieß er schließlich auf „dDrei“, eine Marke der Milchkristalle GmbH, die laut deren Pressemitteilung ein nachhaltiges Konzept für bessere Tierhaltung und faire Bezahlung der Milchbauern entwickelt hat. Mit diesem soll die Milchproduktion in eine positivere Entwicklung gelenkt und der Milchpreis fair gehalten werden. Möglich mache dies ein spezielles Beleuchtungssystem für den Stall, das sich auf den ersten Blick kaum von herkömmlichen Leuchtstoffröhren unterscheidet. Das Licht sei dem der Sonne nachempfunden und rege die Vitamin-D3-Produktion im Körper der Tiere an. Möglich sei das, weil ein weißes Pigment auf dem Glaskolben der Röhre aufgebracht ist, so wird Jürgen Meltke, der an der Entwicklung maßgeblich beteiligt war, in der Pressemitteilung zitiert.
Armin Högenauer hat sich eingehend mit dem innovativen Lichtsystem, welches das natürliche Volllichtspektrum der Sonnenlichtfarben nachahmt, auseinandergesetzt. „Bei Versuchen mit den Lampen in meinem Stall habe ich geforscht und getüftelt, inzwischen bin ich Mitgesellschafter bei der Milchkristalle GmbH“, sagt Landwirt Högenauer, den das System überzeugte.
Stromverbrauch und Erlös aus Verkauf der Milch sind höher
In seinem Stall gibt es jetzt ganzjährig einen Tag- Nachtrhythmus wie im Hochsommer. Die Lampen brennen 16 Stunden, von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr, dann herrscht acht Stunden Dunkelheit. Rund 190 Euro kostete eine Lampe. Insgesamt kam die Installation auf 3500 Euro. Die Stromrechnung erhöhte sich um circa 250 Euro pro Jahr. Die Investitionen werden jedoch durch einen höheren Milchpreis amortisiert. Seit sechs Jahren leuchtet nun das spezielle Licht im Stall der Högenauers, die mit ihrer Entscheidung hochzufrieden sind. Drei bis vier Monate nach dem Einbau der Lampen konnte in der Milch bereits ein um das 20-fach erhöhter Vitamin-D3-Gehalt im Vergleich zu herkömmlicher Milch nachgewiesen werden. Das sogenannte Sonnenvitamin sei wichtig für die Einlagerung von Kalzium in den Knochen und stärke das Immunsystem der Menschen, die oft einen Vitamin D-Mangel aufweisen.
Die Firma Milchkristalle hat ein Patent auf die Herstellung der Vitamin-D3-Milch erworben. Sie verkauft auch das Beleuchtungssystem für Ställe und verspricht den Landwirten einen Garantiepreis von 55 Cent pro Liter – sobald sich die „neue“ Milch am Markt ihren Platz erobert hat. „Die Kühe fühlen sich offensichtlich wohl, sie sind insgesamt ruhiger geworden, die Fruchtbarkeit nach der Besamung und das Nachgeburtsverhalten hat sich wesentlich verbessert“, so Högenauer.
Ein weiterer Landwirt vom Ammersee steigt um
Tierarzt Dr. Peter Zieger, der den Stall regelmäßig besucht, bestätigt den Eindruck einer positiven Auswirkung der Leuchtstoffröhren in einer Pressemitteilung. Die Tiere seien wesentlich ausgeglichener und gesünder. Das Fehlen des Jahreszeitenwechsels scheine ihnen nichts auszumachen. Bisher haben erst vier Landwirte in Bayern und Österreich das Beleuchtungssystem in ihren Ställen eingebaut. „Jetzt kommt noch ein Landwirt am Ammersee dazu“, sagt Armin Högenauer, der den Großteil seiner Milch noch ganz herkömmlich und auch zum üblichen Preis von 37 Cent je Liter an die Molkerei Gropper in Bissingen liefert. Der andere Teil wird als „dDrei-Milch“ in der Molkerei Immengut in Hessen abgefüllt.
Högenauer hofft, dass irgendwann seine gesamte Milch „Sonnenvitaminmilch“ wird. „In München verkaufen zwei Fachgeschäfte diese Milch’“, und es gebe weitere Gespräche mit interessierten Einzelhändlern. „Eine Onlinebestellung unter www.ddrei-milch.de ist möglich“, sagt der Landwirt.