Landsberg Sie sehen auf den ersten Blick aus wie ein Kugelschreiber. Doch sie qualmen und sind derzeit in vieler Munde: E-Zigaretten. Bei vielen Rauchern sind sie momentan der letzte Schrei. Denn mit ihnen kann man – dem Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden zum Trotz – auch vielerorts drinnen der Nikotinsucht frönen. Das LT hat sich auf Spurensuche nach den elektrisch betriebenen Qualmstängeln begeben.
Wie viele er in den vergangenen Monaten verkauft hat, kann Manfred Doering nicht genau sagen. Aber es waren Hunderte. Der Betreiber des Tabak- und Zeitschriftengeschäfts Cigo im Landsberger Fachmarktzentrum hat im vergangenen dreiviertel Jahr so viele E-Zigaretten verkauft, dass er mit dem Bestellen zeitweise gar nicht mehr hinterherkam und die Lieferanten nicht mehr mit den Lieferungen. „Angefangen hat alles im Mai, Juni mit starker Nachfrage durch Leute von der Bundeswehr und dann hat es sich nach und nach rumgesprochen“, sagt der 61-Jährige. Am Anfang hätten sich die Leute noch gedacht, sie könnten sich damit das Rauchen abgewöhnen. „Aber das geht nicht. Das sagen ja auch die Hersteller der E-Zigaretten. Mittlerweile ist es eher ein Gesundheitsaspekt und für viele junge Leute ist das so was wie ein Ersatz für Wasserpfeiferauchen geworden.“ Ganz anders läuft der Verkauf der E-Zigaretten bei Schreibwaren Nörpel in Dießen. Inhaber Gerhard Öfele: „Bei uns sind die E-Zigaretten nicht der große Renner. Viele schreckt der Preis ab.“
Denn der bewegt sich für die eigentliche Elektrozigarette zwischen 45 und 75 Euro. Was für den gewöhnlichen Raucher der Gang zum Zigarettenautomat ist, ist für den Besitzer einer E-Zigarette der Kauf der Depots. Und die gibt es in allen Variationen, wie Manfred Doering erzählt: Die kleinen Kapseln sind mit Flüssigkeiten gefüllt, den sogenannten Liquids. Sie gibt es mit oder ohne Nikotin und in beliebigen Geschmacksrichtungen. „Anders als bei der normalen Zigarette gibt es bei den Elektrozigaretten keine Schwebeteilchen und es wird nur Wasserdampf erzeugt“, erläutert Doering. Und deshalb lässt sich mit der elektronischen Zigarette das Rauchverbot in Restaurants und Kneipen umgehen – vorausgesetzt die Gastwirte erlauben es.
Beim Metzgerwirt in Hurlach dürfen die Gäste zwar zur E-Zigarette greifen, aber einen Boom hat Inhaberin Stefanie Rüdel nicht festgestellt. „Pro Woche sind es maximal ein bis zwei Gäste und das ist sehr wenig bei unseren 270 Sitzplätzen.“ Der Trend zur Elektrozigarette bildet sich offenbar auch in der Nachtszene kaum ab. „Vielleicht hat alle zwei Wochen einer unserer Gäste mal eine“, sagt Rainer Filgertshofer vom „Moritz“ in Landsberg, „es ist aber schwierig für das Personal, zu unterscheiden, ob es eine echte oder nur eine E-Zigarette ist.“ Man habe sogar zeitweise überlegt, an der Garderobe des Clubs E-Zigaretten mit Wechselmundstück zum Verleih anzubieten. Aber die Nachfrage sei nicht da gewesen.
Allerdings sehen immer mehr Gesundsministerien in Deutschland die E-Zigaretten kritisch. In vielen Bundesländern wird vor dem Genuss der elektronischen Glimmstängel gewarnt, da es keine Langzeitstudien über die Wirkung gebe. Tabakwarenhändler Manfred Doering hält den Wirbel um die E-Zigaretten für Stochern im Dunst. „Die Hersteller geben regelmäßig Analysen ihrer Inhaltsstoffe heraus. Die aktuellen Warnungen sind für mich ziemlich unbegründet. Da steht für mich die Zigarettenindustrie dahinter, die jetzt wach geworden ist, weil sie Konkurrenz fürchtet.“ Er selbst hat die E-Zigarette noch nie ausprobiert. „Ich rauche ausschließlich Zigarillos. So einen Metallstab würde ich mir nie in den Mund stecken.“ (wimd)